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Verhandlung um "Vatileaks-Affäre" eröffnet
"Der Prozess wird schnell über die Bühne gehen"
Der Prozess in der "Vatileaks"-Affäre um gestohlene Vatikan-Dokumente hat unspektakulär begonnen. Der verdächtigte Ex-Kammerdiener des Papstes, Gabriele, äußerte sich noch nicht selbst. Beobachter gehen davon aus, dass die Verhandlungen nach wenigen Tagen abgeschlossen sind.
Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom
Der Strafprozess gegen den ehemaligen Diener des Papstes begann überpünktlich und ganz unspektakulär: Um 9.29 Uhr läutete ein Glöckchen, die vatikanischen Richter betraten den Saal und der Vorsitzende sagte, die Sitzung sei jetzt eröffnet.
"Vatileaks-Affäre": Ex-Kammerdiener des Papstes drohen vier Jahre Haft
tagesthemen 21:50 Uhr, 29.09.2012, Susanne Hornberger, ARD Vatikan
Gabriele war offenbar ziemlich angespannt
Paolo Gabriele war persönlich anwesend, sah nach Angaben von Prozessbeobachtern aus, wie aus dem Ei gepellt: grauer Anzug, weißes Hemd, Krawatte - und er war offenbar ziemlich angespannt, sagt Marco Ansaldo von der Zeitung "La Repubblica". Er ist einer der acht Journalisten, die der Vatikan am ersten Prozesstag zugelassen hat: "Ich denke, Paolo Gabriele war sehr nervös, auch wenn er gar nicht gesprochen hat. Als Zeugen waren heute nur die Gendarmen im Prozess. Prälat Georg Gänswein war nicht da, aber er könnte nächste Woche kommen."
Das ist einer der interessanteren Punkte dieses ersten Prozesstages, dass auch der Sekretär des Papstes vermutlich als Zeuge aussagen dürfte - auch wenn noch nicht klar ist, ob er das tut. Eine der päpstlichen Haushälterinnen wurde ebenfalls geladen.
"Vatileaks-Affäre": Der erste Prozesstag
S. Troendle, ARD Rom
29.09.2012 17:57 Uhr
Ansonsten ging es zunächst um Verfahrensfragen. Die Anwälte von Paolo Gabriele und von Claudio Sciarpelletti, dem wegen Beihilfe mitangeklagten Computertechniker aus dem Staatssekretariat, überschütteten das Gericht mit Anträgen, von denen einer überraschenderweise erfolgreich war. Papstsprecher Federico Lombardi, der das Verfahren ebenfalls im Gerichtssaal verfolgt hat, sagte: "Bedeutend war der Antrag des Verteidigers von Claudio Sciarpelletti, das Verfahren seines Mandanten vom Prozess gegen Paolo Gabriele abzuspalten."
Nach dem Verfahren gegen Gabriele wird es also einen zweiten Prozess geben. Auch wenn der Angeklagte es bisher vorzieht, weiter anonym zu bleiben. Die Rom-Korrespondentin der "Süddeutschen Zeitung", Andrea Bachstein, war als einziges Deutsche Mitglied im journalistischen Prozess-Pool. "Sciarpelletti war heute nicht da, nur sein Anwalt. Der hat nicht genauer erklärt, warum er nicht da war - irgendeine Befindlichkeitsstörung, so habe ich das interpretiert. Der Anwalt hat von Anfang an darauf plädiert, dass Sciarpelletti unschuldig ist und gesagt: dieses Delikt sei so geringfügig, dass man das in einer wesentlich unaufwendigeren Verhandlung behandeln könnte."
Die Überraschung bleibt, was Gabriele sagen wird
Sciarpelletti lässt inzwischen behaupten, er habe den Umschlag mit Dokumenten von einem Monsignore bekommen und nicht vom ehemaligen päpstlichen Kammerdiener. Außerdem habe er Gabriele nur gekannt, befreundet seien sie beide nicht und die Papiere im Kuvert seien sowieso schon öffentlich bekannt gewesen.
"SZ"-Korrespondentin Bachstein glaubt, es werde ein erwartungsgemäß sehr korrekter Prozess, bei dem alle bestens vorbereitet sind. "Die Überraschung wird natürlich bleiben, ob oder was Paolo Gabriele selbst sagt. Das ist nicht vorhersehbar. Ich glaube, dass der Prozess relativ schnell über die Bühne gehen wird, weil sich überhaupt keine Überraschungen angedeutet haben."
Bisher zumindest nicht. Das könnte sich am kommenden Dienstag ändern, wenn Paolo Gabriele persönlich befragt werden soll. Der Prozess gegen ihn dürfte nicht allzu lange dauern. Nach Angaben des Vorsitzenden Richters soll kommende Woche an vier Tagen verhandelt werden. Anschließend könnte möglicherweise schon das Urteil fallen. Paolo Gabriele drohen bei einer Verurteilung bis zu vier Jahre Gefängnis.
Stand: 29.09.2012 19:02 Uhr
