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Prozessauftakt in "Vatileaks-Affäre"

Benedikts Kammerdiener auf der Anklagebank

Mit dem Prozess gegen den früheren Kammerdiener des Papstes will der Vatikan die" Vatileaks-Affäre" abschließen. Doch das heute beginnende Gerichtsverfahren könnte auch noch mehr Brisantes zutage fördern. Denn der Prozess ist öffentlich und die Richter gehören nicht zum Vatikan.

Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom

Papst Benedikt XVI. mit seinem früheren Kammerdiener Paolo Gabriele
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In Paolo Gabrieles Wohnung fanden sich vertrauliche Dokumente des Papstes.

Es ist wohl der spektakulärste Strafprozess, den es in der Geschichte des Vatikanstaates je gegeben hat. Schließlich geht es vor allem auch um einen enormen Vertrauensbruch und um den Eingriff in die Privatsphäre des Papstes, um die dadurch ausgelöste Affäre, die unter dem Begriff "Vatileaks" bekannt wurde.

Seit Anfang des Jahres gelangten immer wieder vertrauliche Dokumente aus dem Vatikan nach außen. Aber erst die Veröffentlichung des Buches "Seine Heiligkeit" von Gianluigi Nuzzi führte schließlich dazu, dass der mutmaßliche Täter dingfest gemacht werden konnte.

Prozessbeginn gegen päpstlichen Kammerdiener
S. Troendle, ARD Rom
29.09.2012 01:47 Uhr

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Vorwurf des schweren Diebstahls

Schon dieser Fakt war eine Sensation für sich. Bei dem Raben im Vatikan, dem Verräter also, handelte sich um einen der engsten Vertrauten des Papstes selbst: um Paolo Gabriele, den päpstlichen Kammerdiener. Der 46 Jahre alte Gabriele steht ab heute im Vatikan vor Gericht. Einer der Richter der ersten Instanz ist Paolo Papanti-Pelletier. Er sagt: "Hier besteht der Verdacht auf schweren Diebstahl. Schwer deshalb, weil der Diebstahl von einer Person des besonderen Vertrauens begangen wurde."

In Gabrieles Wohnung waren kistenweise fotokopierte Dokumente gefunden worden, zudem ein Scheck für den Papst über 100.000 Euro, ein Goldbarren und ein besonders wertvolles historisches Buch. Er hat seine Taten gestanden und damit rechtfertigt, dass er dem Papst durch einen medialen Schock helfen und die Kirche wieder auf den rechten Weg bringen wollte.

Ernsthaftes Verfahren mit namhaften Richtern

Wie lange der Prozess gegen Gabriele dauert, ob und welche Zeugen aussagen werden, ob vielleicht sogar Papstsekretär Georg Gänswein persönlich kommt - all das ist unklar. Trotzdem, von einer Showveranstaltung kann man nicht sprechen. Bei den vom Vatikan beauftragten Richtern handelt es um namhafte italienische Jura-Professoren.

"Das ist ein echtes Verfahren", betont der Chef der deutschen Abteilung von Radio Vatikan, Pater Bernd Hagenkord. "Das ist ein eigenes  Strafrecht, es ist also nicht Kirchenrecht. Da vorne sitzen keine drei Priester, sondern das sind normale Richter, Juristen, die ein Verfahren nach juristischen Grundsätzen mit Verteidigern und so weiter abhalten."

Gericht des Vatikan
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In diesem Gerichtssaal wird Paolo Gabriele in aller Öffentlichkeit der Prozess gemacht.

Prozess ist öffentlich

Der Prozess ist übrigens öffentlich - zumindest soweit das der Gerichtssaal erlaubt. Denn außer Richtern, Anwälten und den Angeklagten ist in dem alten holzgetäfelten Saal in einem Palazzo des Vatikanstaats nur Platz für etwa 20 Personen. Papstsprecher Federico Lombardi erklärt die Spielregeln so: "Der Gerichtspräsident hat einen Pool von acht Journalisten genehmigt, aber: keine Fotografen, keine Kameraleute, Tonaufnahmen sind auch nicht möglich."

Neuigkeiten aus dem Gerichtssaal dringen also immer erst dann nach außen, wenn die Pool-Journalisten alle beim Vatikan akkreditierten Kollegen informiert haben. Auch wenn Fotos untersagt sind, dürften die vor allem interessiert daran sein, sich ein Bild vom zweiten Angeklagten zu machen, über den selbst im Vatikan kaum etwas bekannt ist. Claudio Sciarpelletti, ein Informatikspezialist, der für das vatikanische Staatssekretariat tätig war, ist wegen Beihilfe mitangeklagt.

"Der ist ja direkt mit Paolo Gabriele festgenomen worden, am selben Tag", sagt Pater Bernd Hagenkord. "Am Tag drauf ist er wieder freigelassen worden, ist dann abgetaucht. Man weiß, dass er im Vatikan zuständig ist, unter anderem für die Computer oben im vierten Stock des Palastes, also da, wo der Papst arbeitet. Was genau für ein Mensch das ist, das wissen wir nicht."

Angeklagte können der Verhandlung fernbleiben

Und auch nicht klar ist, ob man das nach dem Prozess weiß. Denn die Angeklagten haben nicht die Pflicht vor Gericht zu erscheinen. Sie können sich auch anwaltlich vertreten und in Abwesenheit verurteilen lassen.

Zwölf Monate Haft lautet die mögliche Höchststrafe für Sciarpeletti, Paolo Gabriele könnte möglicherweise sogar zu vier Jahren verurteilt werden. Beide müssten ihre Strafe übrigens - wie in den Lateranverträgen vereinbart - in Italien absitzen, da es im Vatikan kein Gefängnis sondern nur Arrestzellen gibt.

Das allerdings hält auch Radio-Vatikan-Chef Hagenkord für ziemlich unwahrscheinlich. Er geht - wie viele andere Vatikanbeobachter - davon aus, dass der Papst als Staatsoberhaupt seinen ehemaligen Diener nach einer Verurteilung begnadigen dürfte. "Ich finde es schwer mir vorzustellen, dass jemand im Vatikan hinter Gitter geht", sagt er. "Ich kann mir schon vorstellen, dass nach dem Urteilsspruch dann auch die Begnadigung - oder was auch immer für ein Verfahren kommt, um zu vermeiden dass Gabriele dann wirklich hinter Gitter kommt."

Stand: 29.09.2012 02:55 Uhr

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