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29.05.2012

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Ausland
Vatikanisches Geheimarchiv lüftet einige Geheimnisse
Ausstellung zeigt Dokumente aus Geheimarchiv

Der Vatikan lässt ein bisschen Licht ins Dunkel

Die Akten aus dem Prozess gegen Galileo Galilei, Dokumente über die Exkommunizierung von Martin Luther, ein Ketzerprozess - im Geheimarchiv des Vatikan lagert bewegte Kirchengeschichte, Verschwörungstheorien inklusive. Nun lüftet der Vatikan einige Geheimnisse. Die Ausstellung trägt den bezeichnenden Titel: "Lux in Arcana", also "Licht im Geheimnis."

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Die Ausstellungsmacher müssen sich bei Bestseller-Autor Dan Brown bedanken. Der hat mit seinem Roman "Illuminati" ein echtes Mysterium aus dem Vatikanischen Geheimarchiv gemacht. In einem Archiv, in dem 85 Regalkilometer Akten lagern, gedeihen Verschwörungstheorien bestens.

Und wer so etwas in dieser Ausstellung sucht, wird nicht enttäuscht. Die Pergamentrolle, auf der der Ketzerprozess gegen die Tempelritter in Frankreich protokolliert wurde, wird zumindest teilweise ausgerollt. Im Ganzen sei das Dokument 60 Meter lang, sagt Roms Kulturreferent Umberto Broccoli. "Wir haben da eines der mysteriösesten Kapitel des Mittelalters vor uns. Und dafür hat man sehr viel Pergament gebraucht. Und wir haben einen Saal gebraucht, in dem wir dieses Dokument bis zum Ende ausrollen konnten."

Audio: Ausstellung des Vatikanischen Geheimarchivs in Rom

AudioTilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom 29.02.2012 20:20 | 3'20
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Kirchenkrimi zum Nachlesen

Wer nun noch des Lateinischen und der mittelalterlichen Schrift mächtig ist, kann einen Krimi nachlesen, der auf jeden Fall authentischer ist als die Abenteuergeschichten eines Dan Brown. Allen anderen muss das Gefühl genügen, dass man hier vor etwas wahrhaft Historischem steht.

Die Unterschrift von Galileo Galilei. Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Unterschrift von Galileo Galilei ]
Für Kulturreferent Broccoli ist es ein "starkes Gefühl, die echte Unterschrift von Galileo Galilei zu sehen". Die Prozessakten der Causa Galilei werden in den kapitolinischen Museen ebenso ausgestellt, wie die Exkommunizierung des deutschen Mönchs Martin Luther. Dem hatte Papst Leo X. im Jahr 1520 angedroht: Wenn du nicht deinem Irrglauben abschwörst, verbannen wir dich aus der Kirche. "Als dann Luther nicht reagiert und nicht abschwört, kommt die definitive Bulle, also ein 'Decet Romanum Pontificem'", sagt Historiker Alexander Koller. "Die Originale sind nicht hier, die wurden verschickt, aber die Registereinträge sind da mit dem kompletten Text - und das sind natürlich auch historisch wertvolle Dinge, die im Vatikan aufbewahrt werden."

Der Adressat, sagt der Historiker, ging wenig ehrfurchtsvoll mit dem Brief aus Rom um. Martin Luther hat das Original der Bannbulle verbrannt. Koller arbeitet am Deutschen Historischen Institut in Rom und ist Stammgast im Vatikanischen Archiv. Wirklich geheimnisvoll sei hier nur der Name: Geheimarchiv. "Dabei muss man sagen, dass der Titel 'Geheimarchiv' widersprüchlich sein kann, denn geheim bedeutet nicht geheimzuhalten. Vielmehr kommt es vom Lateinischen secretus und bedeutet eigentlich das Privatarchiv des Papstes. Es hat also mit Geheimhaltung nichts zu tun."

Papst Pius XII. und der Massenmord an den Juden

Im Jahre 1880 öffnete der Vatikan sein Geheimarchiv Wissenschaftlern aus der ganzen Welt gleich welcher Nation oder Konfession. Je älter die Dokumente sind, desto leichter kommt man an sie heran. Auch bei dieser Ausstellung: Mittelalterliche Ketzerprozesse oder Bannbullen sind heutzutage keine großen Aufreger mehr.

Eine Pergamentrolle voller Kirchengeschichte (Foto: Daniele Fregonese, Vatican Secret Archives, Vatican City) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Eine Pergamentrolle voller Kirchengeschichte ]
Spannender ist die jüngste Vergangenheit. Papst Benedikt XVI. kündigt an, in wenigen Jahren die Akten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs zu öffnen - das betrifft das Pontifikat Pius XII. Was hat dieser Papst  gegen den Massenmord an den Juden unternommen? Das ist die Frage, auf die sich Historiker im Archiv neue Antworten erhoffen. Archivchef Bischof Sergio Pagano dämpft die Erwartung auf sensationelle Enthüllungen:"Viele dieser Dokumente bestätigen die humanitären und religiösen Hilfen, die Pius XII. den Juden geleistet hat. Es gibt mehr als 1000 Dankbriefe an den Papst."

Öffnungspolitik à la Vatikan

Wir haben nichts zu verbergen, das ist die Botschaft dieser Ausstellung. Sie zeigt auch einige ausgewählte Archivstücke aus der Kriegszeit, die allerdings eher das Leiden der Kirche, als das Leiden der Juden dokumentieren. Dennoch ist Historiker Koller überzeugt: Der Vatikan meint es ernst mit seiner Öffnungspolitik. "Es gibt manchmal Kritik, dass sich der Vatikan zu langsam öffnet, dass andere Archive in Europa doch liberaler sind. Man muss aber auch bedenken, dass es sehr große Bestände sind, die der Vatikan zu verwalten hat. Also ich glaube, man kann nicht sagen: der Vatikan hält Vieles zurück."

Dokumente aus dem Geheimarchiv des Vatikan (Foto: Giovanni Ciarlo, Vatican Secret Archives, Vatican City) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Dokumente aus dem Geheimarchiv des Vatikan. ]
Stand: 29.02.2012 21:14 Uhr
 

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