Kardinal George Pell | Bildquelle: AFP

Prozess wegen Kindesmissbrauch Papst-Vertrauter muss vor Gericht

Stand: 01.05.2018 05:04 Uhr

Der Finanzchef des Vatikan, Kardinal Pell, muss sich in seiner Heimat Australien wegen des Vorwurfs des Kindesmissbrauchs vor Gericht verantworten. Er streitet die Beschuldigungen ab.

Er ist der ranghöchste Kirchenvertreter, der sich jemals wegen des Vorwurfs des Kindesmissbrauchs vor der Justiz verantworten musste: Kardinal George Pell, bisher Finanzchef des Vatikan, wird vor Gericht gestellt. Ihm wird vorgeworfen, sich als junger Pfarrer und später als Erzbischof von Melbourne an Jungen vergangen zu haben. Pell bestreitet die Vorwürfe.

Als Finanzchef war der Vertraute von Papst Franziskus bis vergangenes Jahr die inoffizielle Nummer drei des Kirchenstaats. Gegen ihn gibt es seit längerer Zeit Vorwürfe, sich als junger Pfarrer und später auch als Erzbischof in seiner Heimat an Jungen vergangen zu haben. Er wies dies stets zurück, ließ sich aber als Finanzchef beurlauben.

Papst-Vertrauter Kardinal Pell muss sich wegen Missbrauchsvorwürfen Prozess stellen
tagesschau 20:00 Uhr, 01.05.2018, Michael Schramm, ARD Rom

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Kirchenkarriere dürfte beendet sein

Pell wird nach Presseberichten unter anderem zu Last gelegt, 1978 in einem Kino einen Jungen missbraucht zu haben. Zudem gibt es Vorwürfe, dass er zwei Jungen in einem Pool sexuell belästigt habe.

Kardinal George Pell bei einer Messe im Vatikan | Bildquelle: REUTERS
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Kardinal Pell bei einer Messe im Vatikan.

Der Kardinal nahm die Entscheidung des Amtsgericht ohne sichtbare Regung zur Kenntnis. Zu seinem Schutz wurde er von zwei Dutzend Polizeibeamten begleitet. Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten Anhänger und Gegner.

Mit der jetzigen Entscheidung dürfte die Kirchenkarriere des 76-Jährigen vorbei sein. Der Prozess - möglicherweise werden es auch mehrere Verfahren - könnte sich sehr in die Länge ziehen.

Zehntausende Opfer in Australien

Auf seinen Posten als Finanzchef des Kirchenstaats dürfte er kaum noch zurückkehren können. Berufen worden war er noch von Benedikt XVI. Der jetzige Papst Franziskus hat immer wieder bekräftigt, in Sachen Missbrauch ein "Null-Toleranz-Prinzip" zu verfolgen. Doch auch unter dem Argentinier sieht sich die katholische Kirche immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, Fälle von Kindesmissbrauch zu vertuschen.

Australien gehört zu den Ländern, die mit der Aufarbeitung von solchen Vorwürfen längst begonnen haben. Eine Kommission brachte ans Licht, dass zwischen 1950 und 2015 Zehntausende Kinder Opfer sexueller Gewalt wurden - oft in Einrichtungen der Kirche, aber auch in Schulen, Sportvereinen oder bei den Pfadfindern.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. Mai 2018 um 04:00 Uhr.

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