Papst Franziskus spricht vor Bischöfen der katholischen Kirche. | Bildquelle: dpa

Änderung des Katechismus Vatikan stellt sich klar gegen Todesstrafe

Stand: 02.08.2018 14:50 Uhr

Der Vatikan hat seine offiziellen Lehren im Hinblick auf die Todesstrafe umgeschrieben und lehnt diese nun "unter allen Umständen" ab. Die neue Haltung spiegelt die Sicht von Papst Franziskus wider.

Schon seit Jahren hat Papst Franziskus eine deutliche Position gegen die Todesstrafe bezogen. Nun wurde diese Haltung auch in den Katechismus - die offizielle Lehre der katholischen Kirche - festgeschrieben. Fortan lehnt die Kirche die Todesstrafe "unter allen Umständen" ab, wie es in dem abgeänderten Abschnitt heißt.

Die "Würde einer Person" wahren

Die Todesstrafe stelle einen "Angriff auf die Unverletzlichkeit und Würde einer Person" dar und sei daher "unzulässig", so die neue Formulierung. "Die Würde einer Person gehe auch dann nicht verloren, wenn sie ein schweres Verbrechen begangen hat", heißt es ab sofort im Katechismus. Es gebe wirksamere Sanktionen als die Todesstrafe, die trotzdem die "pflichtgemäße Verteidigung der Bürger garantieren, zugleich aber dem Täter nicht endgültig die Möglichkeit der Besserung nehmen".

Bislang wurde die Todesstrafe vom Vatikan noch als die "Antwort auf die Schwere einiger Verbrechen" und als "Annehmbares, wenn auch extremes Mittel zur Wahrung des Gemeinwohls" geduldet. Sie sei gerechtfertigt, wenn es keinen anderen Weg gebe, "um das Leben von Menschen gegen einen ungerechten Angreifer zu verteidigen" - so stand es seit 1995 im Katechismus zur Todesstrafe, zuletzt geändert unter Johannes Paul II.

"Grausam, unmenschlich, erniedrigend"

Papst Franziskus stellte sich aber von Anfang seiner Amtszeit an gegen die Todesstrafe. Sie sei grausam, unmenschlich und erniedrigend, betonte er bereits 2015. Außerdem führte er das Argument an, es könne auch immer wieder Justizirrtümer geben, die in solchen Fällen nicht mehr rückgängig und nicht mehr wieder gut zu machen seien. Ein Jahr darauf mahnte das Kirchenoberhaupt öffentlich, auch ein Verbrecher habe "ein unantastbares Recht auf Leben", denn dieses sei schließlich "ein Geschenk Gottes".

Bis 1969 auch im Vatikanstaat rechtlich erlaubt

Ob die Änderung des Katechismus von Katholiken weltweit begrüßt wird, bleibt fraglich. In den USA etwa ist der Katholizismus stark vertreten - auch in Bundesstaaten, die die Todesstrafe offiziell anerkennen und teils auch vollstrecken.

Selbst im Vatikanstaat war die Todesstrafe rein rechtlich über Jahrzehnte zulässig. Sie wurde im Strafrecht des 1929 neu errichteten Vatikanstaates festgeschrieben und erst 1969 wurde das Gesetz durch Papst Paul VI. gestrichen. Allerdings wurde die Todesstrafe im Vatikanstaat nie vollstreckt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 02. August 2018 um 14:00 Uhr.

Darstellung: