Papst beklagt angeblich "Schwulenlobby" im Vatikan

Bericht über Äußerung in Privataudienz

Papst beklagt angeblich Schwulenlobby

Schon lange steht Papst Franziskus im Ruf, ein gespaltenes Verhältnis zur Homosexualität zu haben. Nun soll er in einer Privataudienz gesagt haben, es gebe eine "Schwulenlobby" im Vatikan. Die Kurie dementiert den Satz nicht.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Dieser Mann spricht Klartext und davon will sich Franziskus auch als Papst nicht abbringen lassen. Am 6. Juni waren lateinamerikanische Ordensvertreter zur Privataudienz beim neuen Pontifex und haben ihn auch nach der geplanten Kurienreform gefragt. Antwort des Papstes: "Das ist schwierig." Es gebe wahre Heilige in der Kurie, aber auch Korruption.

Papst Franziskus während seiner Generalaudienz im Vatikan (Bildquelle: AFP)
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Papst Franziskus sorgt mit einer umstrittenen Äußerung für Diskussionen.

Und dann zitiert das Protokoll dieses Treffens den Papst mit folgenden Worten: "Es ist die Rede von der 'Schwulenlobby', und es stimmt. Es gibt sie. Wir müssen sehen, was wir tun können." Aus dem Vatikan kein Dementi, nur der Hinweis des Papstsprechers Federico Lombardi, dass er den Inhalt von Privataudienzen nicht kommentiere.

Die Ordensvertreter entschuldigen sich umgehend für die Veröffentlichung des Gesprächs im Internet. Es handle sich bei dem Protokoll um eine sinngemäße Wiedergabe des Gesagten, nicht um ein wortwörtliches Zitat.

"Es gibt eine Schwulenlobby im Vatikan."
T. Kleinjung, ARD Rom
12.06.2013 13:33 Uhr

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Den Originalton von Franziskus kann man jeden Morgen hören, wenn er mit Mitarbeitern der Kurie Messe feiert. Zu angehenden Vatikandiplomaten sagte er neulich: "Das Freisein von persönlichen Ambitionen und Zielen ist mir sehr, sehr wichtig! Karrieresucht ist eine Krankheit, ein Aussatz."

Um die Kurie - die Spitze der katholischen Kirche - zu reformieren hat Franziskus ein eigenes Beratergremium gegründet. Unter den berufenen Kardinälen ist auch der Münchner Reinhard Marx. Dabei zeichnet sich jetzt schon eine Linie ab: Für Franziskus liegen die Probleme des Vatikans vor allem im moralischen Bereich, im Verhalten seiner Mitarbeiter.

Falscher Blick auf die Kirche?

Bereits vor dem Konklave lancierte eine italienische Zeitung das Gerücht: Der Rücktritt von Papst Benedikt habe auch mit dem Wirken einer Homosexuellen-Seilschaft in der Kurie zu tun. Vatikansprecher Lombardi widersprach damals deutlich: "Wer vor allem Geld, Sex und Macht im Kopf hat und die Welt an diesem Maß misst, der ist dann auch nicht imstande, in der Kirche anderes wahrzunehmen. Weil er nicht in der Lage ist, seinen Blick nach oben zu richten oder in die Tiefe zu gehen und die spirituelle Dimension des Lebens zu akzeptieren. Und daher kommt eine zutiefst ungerechte Beschreibung der Kirche und vieler ihrer Männer."

Vatikan (Bildquelle: dpa)
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Was hinter den Mauern des Vatikans vorgeht, ist stets Gegenstand von Spekulationen gewesen.

Die Kirche und die Männer: Für Andrea Maccarrone von der römischen Schwulenorganisation Mario Mieli ist das Hauptproblem die Doppelmoral der katholischen Kirche. Auf der einen Seite werde Homosexualität verurteilt, auf der anderen Seite gelebt. "In der katholischen Kirche haben Priester und auch einige Bischöfe versucht, eine Seelsorge für die Homosexuellen zu ermöglichen. Diese sind ausgegrenzt oder entfernt worden, gezwungen worden zu schweigen. Weil es absolut nicht zu akzeptieren ist, auch nach dem heutigen Katechismus, ein positives Bild von der Homosexualität zu haben. Homosexualität, so sagt man, ist objektiv etwas Unordentliches."

Diese Sicht scheint auch der neue Papst zu teilen. Als Erzbischof von Buenos Aires hat sich Jorge Mario Bergoglio heftig gegen den Plan der argentinischen Regierung gewehrt, homosexuelle Partnerschaften zu legalisieren.

Dieser Beitrag lief am 12. Juni 2013 um 14:33 Uhr auf Inforadio.

Stand: 12.06.2013 13:56 Uhr

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