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Spekulationen um Papst-Rücktritt
Gerüchteküche Vatikan
Heute spricht Papst Benedikt XVI. letztmals das Angelus-Gebet. Doch kurz vor seinem Rücktritt werden in Italien Gerüchte laut: Nicht die schwache Gesundheit, sondern die vielen Intrigen im Vatikan sollen ihn zum Rücktritt bewogen haben. Und angeblich folgen weitere Enthüllungen.
Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom
Der Vatikan, ein Hort von Intrigen, von Machtmissbrauch und Korruption? Vor dem Konklave, das den Nachfolger von Benedikt XVI. wählen soll, befeuern italienische Medien Spekulationen, wonach der Rücktritt des Papstes vor allem mit dem desolaten Zustand der römischen Kurie zu tun habe. Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone ließ solche Meldungen offiziell dementieren.
Vatikan wehrt sich gegen Druck auf Kardinäle
T. Kleinjung, BR Rom
23.02.2013 17:06 Uhr
"Diffamierungen und Fehlinformationen"
Und Vatikansprecher Federico Lombardi warnte vor einem unangemessenen Druck der Medien auf das bevorstehende Konklave. Einige Medien versuchten derzeit, durch Diffamierungen und Fehlinformationen von der Überraschung nach der Rücktrittsankündigung des Papstes zu profitieren. "In den meisten Fällen haben die Richter, die solch scharfe moralische Urteile abgeben, nicht die geringste Autorität dazu", so Lombardi. "Wer vor allem Geld, Sex und Macht im Kopf hat und die Welt an diesem Maß misst, der ist dann auch nicht imstande, in der Kirche anderes wahrzunehmen."
Konkreter Anhaltspunkt für Verschwörungstheorien sind der "Vatileaks-Skandal" und die Recherche, die drei Kardinäle im Auftrag des Papstes dazu geleistet haben. Benedikt XVI. sei so schockiert gewesen über deren Abschlussbericht im Dezember und das Ausmaß der Intrigen im Vatikan, dass der Gedanke an Rücktritt für ihn konkrete Gestalt angenommen habe, so berichten mehrere italienischen Zeitungen.
Folgen weitere Enthüllungen?
Angeblich wolle der Papst noch vor Ende seiner Amtszeit am Donnerstag die drei Kardinäle empfangen und von ihrer Schweigepflicht entbinden. Ihr Bericht könnte dann auch in den Versammlungen der Kardinäle ab dem 1. März behandelt werden - auch diese Meldung wurde dementiert.
Papstsprecher Lombardi bestätigte allerdings, dass am Montag ein päpstlicher Erlass erscheine, ein "motu proprio" des Papstes, das den Kardinälen nach seinem Rücktritt die Möglichkeit gibt, das Konklave früher als geplant zu eröffnen.
Letztes Angelus-Gebet als Papst
Derweil dankte Benedikt XVI. den Mitarbeitern der Kurie für die "Kompetenz und die Liebe", mit der sie sein Amt mitgetragen hätten. Zum Abschluss der Fastenexerzitien sprach er auch über "Leid und Korruption" in der Welt: "Man hat den Eindruck, dass das Böse ständig das Verlangen hat, die Schöpfung schmutzig zu machen, um Gott zu widersprechen und die Wahrheit und Schönheit Gottes unkenntlich zu machen."
Heute spricht Benedikt XVI. am Petersplatz mit zigtausenden Gläubigen sein letztes Angelus-Gebet als Papst.
Stand: 24.02.2013 00:02 Uhr
