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Schlusslicht
Sozialistische Renaissance
"Väterchen Frost" statt Nikolaus
"Väterchen Frost" galt zu sozialistischen Zeiten als Ersatz für die christlich-religiösen Weihnachtstraditionen. Nun erlebt er eine Renaissance und verteilt in Nordmähren Geschenke. Doch es gibt nicht nur Befürworter, sondern auch Gegner des Nikolaus-Ersatzes.
Von Stefan Heinlein, ARD-Hörfunkkorrespondent, Prag
"Väterchen Frost" singt auf dem Weihnachtsmarkt von Ostrava. Ohne Bischofsstab und Mitra verteilt der alte Mann mit Rauschebart Geschenke aus Russland. Der heilige St. Nikokaus kommt in diesem Jahr nicht zu den Kindern der Stadt.
Symbol für Frieden und Freundschaft
Ivan Strachon hat den Nikolaus in Ostrava aufs Altenteil geschickt. Er ist überzeugter Kommunist und seit den Regionalwahlen vor wenigen Wochen stellvertretender Landeshauptmann im nordmährischen Kohlerevier. "Viele Menschen bei uns haben 'Väterchen Frost' gern. Er ist ein Symbol des Friedens und der Freundschaft. Alle die, keinen Krieg wollen, werden ihn auch heute willkommen heißen", sagt Strachon.
Tatsächlich war "Väterchen Frost" zu sozialistischen Zeiten ein sowjetischer Ersatz für die christlich-religiösen Weihnachtstraditionen. Im Kalten Krieg sorgte 1952 der damalige tschechoslowakische Präsident Antonin Zapotocky für die ideologische Unterfütterung: "Das kleine Jesuskind ist ein Symbol für das alte Weihnachten. Eine Erzählung der Reichen und Mächtigen. Doch die Zeiten haben sich geändert. Jetzt haben wir 'Väterchen Frost'."
"Väterchen Frost" statt Nikolaus
S. Heinlein, ARD Prag
06.12.2012 12:41 Uhr
Die Rückkehr macht Schlagzeilen
Die Rückkehr von "Väterchen Frost" über 20 Jahre nach der Samtenen Revolution sorgt in Nordmähren für reichlich Schlagzeilen. Für die Gegner der wiedererstarkten Kommunisten ist er ein Vorbote für mögliche weitere Veränderungen in der Region. "Der Nikolaus muss bleiben", meint der örtliche Parteivorsitzende der konservativen ODS, Josef Jaluvka: "Ich habe eine Gänsehaut und bin gespannt, was aus dem Weihnachtsfest in Tschechien werden wird, wenn die Kommunisten sich bei uns in der Region weiter verbreiten."
Doch die Kommunisten bemühen sich um Entspannung. Es gehe ihnen vor allem um die Pflege der Städtepartnerschaft zur Region Wologda in Nordwestrussland. "Väterchen Frost" helfe zusätzlich den Eltern und Großeltern, ihren Kindern und Enkeln von der Vergangenheit zu erzählen. Weihnachten sei schließlich ein Fest der Familie.
Stand: 06.12.2012 12:41 Uhr
