Einschusslöcher in einer Hinrichtungskammer in Drape (US-Bundesstaat Utah)

Hinrichtungen in den USA Utah erlaubt Tod durch Erschießen

Stand: 24.03.2015 14:44 Uhr

Die Methode sei "ein kleines bisschen grauenhaft", sagt der Gouverneur von Utah über die Todesstrafe durch Erschießen. Trotzdem hat er jetzt ein Gesetz unterzeichnet, das Erschießungskommandos wieder erlaubt, sollten die Substanzen für eine Giftspritze fehlen.

Der US-Bundesstaat Utah hat die Hinrichtung von Todeskandidaten durch ein Erschießungskommando wieder offiziell eingeführt. Gouverneur Gary Herbert unterzeichnete ein entsprechendes Gesetz, das der Senat in Salt Lake City zuvor verabschiedet hatte.

Demnach kommen Todeskandidaten in Utah künftig wieder vor ein Erschießungskommando, sollten keine Chemikalien für die Giftspritze vorhanden sein. Grund für die Regelung ist nach offiziellen Angaben, dass es zunehmend schwierig sei, die entsprechenden Substanzen für die tödliche Injektion zu erhalten.

Gouverneur: "Ein kleines bisschen grauenhaft"

Der Bundesstaat hatte 2004 die Erschießungskommandos abgeschafft. Danach gab es sie als Wahlmöglichkeit nur für Todeskandidaten, die vor 2004 verurteilt wurden. So wurde 2010 der Mörder Ronnie Lee Gardner durch Erschießen hingerichtet. Davor war 1996 in Utah der verurteilte Kindermörder John Albert Taylor durch ein Erschießungskommando exekutiert worden. Von den 32 US-Bundesstaaten, in denen die Todesstrafe zulässig ist, sind lediglich in Oklahoma Erschießungskommandos als Alternative zur Giftspritze erlaubt. Bis die Todesstrafe in Utah das nächste Mal vollstreckt wird, dürfte es noch einige Jahre dauern.

Der Stuhl, auf dem der Häftling Ronnie Lee Gardner im Staatsgefängnis in Draper, US-Bundesstaat Utah, hingerichtet wurde
galerie

Auf diesem Stuhl sollen künftig weniger Todeskandidaten hingerichtet werden.

Gouverneur Herbert sagte, er finde, die Methode sei "ein kleines bisschen grauenhaft". Doch gebe sie dem Staat eine Ausweichmöglichkeit, sollten Exekutionen per Todesspritze nicht möglich sein. Der Republikaner Paul Ray, der die Kommandos ins Gespräch gebracht hatte, bezeichnete die Erschießungen dagegen als menschlichere Form von Hinrichtungen. Gegner sagen, die Methode sei barbarisch und stelle den Staat in ein schlechtes Licht.

Oberster Gerichtshof prüft Giftspritzen

Der Oberste Gerichtshof der USA überprüft derzeit die Rechtmäßigkeit von Hinrichtungen durch Giftspritzen. Konkret geht es darum, ob diese Hinrichtungsmethode mit dem in der US-Verfassung verankerten Verbot grausamer und ungewöhnlicher Bestrafung vereinbar ist.

alt Die Hinrichtungskammer im Staatsgefängnis von Oklahoma. | Bildquelle: AP

Engpässe bei Giftspritzen

Bei der Hinrichtung mittels einer Giftspritze wird dem Häftling ein tödliches Gift oder Medikamente in einer tödlichen Dosis injiziert. In den USA wird diese Methode seit 1982 angewendet und ist in der Mehrheit der Bundesstaaten die am häufigsten verwendete Hinrichtungsmethode. Seit einigen Jahren gibt es jedoch immer wieder Lieferengpässe für einzelne Bestandteile der Giftspritzen. Hersteller stellten die Produktion ein, die EU verlangt seit 2011 Sondergenehmigungen für die Ausfuhr entsprechender Barbiturate oder Sedativa. Pharmahersteller suchen deshalb immer wieder nach neuen Mitteln, die bei dieser Methode eingesetzt werden können. Wiederholt ist es bei Hinrichtungen mit der Giftspritze zu qualvollen Todeskämpfen gekommen. Deswegen wird von Kritikern nicht nur die Todesstrafe an sich, sondern auch die Hinrichtung per Giftspritze bekämpft.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. März 2015 um 05:30 Uhr.

Darstellung: