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Vor vier Jahren half das Internet dem twitternden Kandidaten Obama ins Weiße Haus. Inzwischen sind soziale Netzwerke Mainstream - alle Kandidaten und Medien setzen sie im US-Wahlkampf ein. Einige Websites hoffen dadurch, den Ausgang vorhersagen zu können. Und Google geht dabei eine ungewöhnliche Allianz ein.
Von Fiete Stegers, tagesschau.de
[Bildunterschrift: "Ooops", da war's passiert: Perrys Versprecher verbreitete sich blitzschnell im Netz. ]
"Epic fail!" - vernichtender kann eine Kritik im Internet-Jargon kaum ausfallen. Der texanische Senator Rick Perry war in diesem US-Wahlkampf der erste, der die Macht des Internets so richtig zu spüren bekam: Sekunden nach seinem Blackout während einer Fernsehdebatte wurde dem Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner sein peinliches Versagen von Zuschauern via Twitter und Facebook um die Ohren gehauen.
Im Nu machte der Videoclip die Runde. Süffisant verkündeten Nutzer das "offizielle" Ausscheiden Perrys aus den Vorwahlen, lange bevor er sich am vergangenen Donnerstag dazu durchrang.
[Bildunterschrift: Für die Kandidaten gehört Social Media inzwischen zum Standardrepertoire, meint Politico-Chefredakteur Grieve. ]
Für Perry ein fatales Signal: Denn ein signifikanter Teil der allgemeinen politischen Debatte findet inzwischen im Internet statt. Womit sich der twitternde Kandidat Obama im letzten Wahlkampf noch von seinen Konkurrenten abheben konnte, ist inzwischen Mainstream. "Alle Kandidaten sind im Internet sehr aktiv und wissen, wie man mit Social-Media-Werkzeugen umgeht", sagt Tim Grieve, Chefredakteur der Politik-Website Politico aus Washington.
Selbstverständlich haben Bewerber auf ihren Websites Funktionen für das Weiterverteilen ihrer Botschaften via Twitter und Facebook integriert und sind selbst auf diesen Plattformen mit eigenen Profilen aktiv. Verstärkt nutzen die Kandidaten das Web zur Verbreitung von Wahlwerbespots, und sparen sich das Geld für den Ankauf von Werbezeit im Fernsehen, die einen großen Kostenfaktor in den US-Wahlkämpfen darstellt, wie Boston.com beobachtet hat.
Die Website des Republikaners Mitt Romney bietet etwa Unterstützern die Möglichkeit, online zu spenden - oder Hilfe dabei, gleich eine eigene Seite mit einem Spendenaufruf für Romney ins Netz zu stellen. Sie leitet Wähler per Postleitzahl zur ihrem Wahllokal weiter und bietet Erinnerungsfunktionen für den Termin.
Auf der Wahlkampf-Homepage von Präsident Obama können Anhänger der Demokraten direkt per Twitter Abgeordnete der Republikaner ansprechen, für Gesetzesvorhaben des Präsidenten zu stimmen oder sich als Freiwilliger für Werbeanrufe bei potenziellen Wählern melden (und natürlich spenden). Die Seite stellt die Menschen, die sich für Obamas Wiederwahl engagieren, in den Vordergrund, um das Graswurzel-Image des Amtsinhabers zu unterstützen. "Und Barack Obama hat seine große Datenbank mit E-Mail-Adressen von Unterstützern aus dem letzten Wahlkampf. Das ist immer noch ein Vorteil", sagt Politico-Journalist Grieve.
Dem Online-Spendensammeln gegenüber stehen Websites wie opensecrets.org oder maplight.org, die die Wahlkampffinanzierung für Bürger transparent machen. Wie aktiv Politiker zum Beispiel auf Twitter sind, zeigt die Website Politicker USA, die Twitter-Nachrichten von Republikanern und Demokraten visualisiert und einander gegenüberstellt. Ähnliche Auswertungen von Politikeräußerungen auf Social-Media-Plattformen gab es auch im letzten Bundestagswahlkampf.
Neu sind in den USA gleich mehrere Versuche, das Internet zur politischen Meinungsforschung zu verwenden. So versuchte die Website Mashable, über die systematische Auswertung von Twitter-Nachrichten den Ausgang der ersten Vorwahlen vorherzusagen. Damit lag sie beispielsweise in New Hampshire ziemlich nah am tatsächlichen Ergebnis. Grieves Website Politico versucht, aus öffentlichen Nachrichten bei Facebook ein Stimmungsbild abzulesen. Der Fernsehsender NBC setzte Facebook ein, um Menschen für eine klassische repräsentative Befragung zu rekrutieren, statt dies wie üblich per Telefon zu tun.
| Politiker | "Freunde" |
|---|---|
| Barack Obama | 24.582.000 |
| Mitt Romney | 1.354.000 |
| Ron Paul | 758.000 |
| Newt Gingrich | 234.000 |
| Rick Santorum | 81.600 |
Und Google hat nicht nur eine eigene Website für die Wahl eingerichtet, die unter anderem Nachrichten über die Kandidaten zusammenführt. Die Suchmaschinenfirma versucht auch, aus den Suchabfragen vor den Abstimmungen Meinungstrends und mögliche Wahlergebnisse vorherzusagen. Präsentiert werden die Google-Analysen unter anderem im konservativen Nachrichtensender Fox News - was politisch anders eingestellte Internetnutzer an Googles Firmenmotto "Tue nichts Böses" zweifeln ließ.
Das Center for Excellence in Journalism vergleicht die Nennung der Kandidaten in den Online-Ausgaben von Medien und bei Twitter: Sichtbar wird dabei beispielweise, dass der republikanische Kandidat Ron Paul von den Internetnutzern deutlich häufiger und positiver erwähnt wird als von den Online-Ausgaben.
Entscheidender als die Stimmungsbilder im Web könnte aber womöglich die Aktion einer Einzelperson sein, wie der professionelle Beobachter Grieve meint: "Man weiß noch nicht, wann und was es sein wird, aber irgendwann wird in diesem Wahlkampf jemand mit seinem Smartphone etwas aufnehmen und ins Internet stellen, das den Fortgang des Wahlkampfs beeinflusst. Da bin ich sicher."
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