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Die US-Wahl und der Sturm
Rückenwind dank "Sandy"?
Hurrikan "Sandy" hat alle Pläne für die letzten Tage vor der US-Wahl zunichte gemacht. Tagelang mussten Präsident Obama und Herausforderer Romney ihren Wahlkampf ruhen lassen und doch versuchen, irgendwie zu punkten. Ein Vorteil für Obama, denn er konnte sich als Krisenmanager präsentieren.
Von Rolf Büllmann, BR-Hörfunkstudio Washington
Wenn man sich "Sandy" und die Auswirkungen des Sturms auf die Wahl anschaut, dann neigt man dazu, die naheliegendste Frage zu übersehen - nämlich die nach der Logistik: Noch immer sind Straßen gesperrt und Häuser beschädigt - kann die Wahl dann überhaupt geordnet stattfinden?
Die Experten sagen: Ja. Im schlimmsten Fall wird ein Wahllokal in ein Haus auf der anderen Straßenseite verlegt oder einen Häuserblock weiter. Alles zumutbar und organisierbar, heißt es. Und das gilt auch für das "early voting", für die Stimmabgabe vor dem eigentlichen Wahltag. Die Verzögerungen und Verspätungen durch "Sandy" seien vernachlässigbar.
Bleibt die Frage nach der Politik, nach dem, ob einer der beiden Kandidaten profitieren kann von "Sandy". Jackie Calmes von der "New York Times" sagt über Präsident Obamas Auftreten: "Es ist ja nicht so, dass Präsident Obama die Tage vor der Wahl in Staaten wie New Jersey oder New York verbringen will, die er sowieso gewinnen dürfte. Auf der anderen Seite kann er sich ganz staatsmännisch präsentieren. Aber alles in allem glaube ich, dass es dabei nicht um Politik geht."
Beeinflusst Sandy die Präsidentschaftswahlen?
R. Büllman, ARD Washington
02.11.2012 14:14 Uhr
Trotzdem bleibt die Tatsache, dass Obama in der Krise etwas tun kann - und sein Herausforderer Mitt Romney eben nicht. "Ihm bietet sich hier ja keine Möglichkeit, sich zu präsentieren", sagt Beth Reinhard vom "National Journal". Denn Romney könne keine Gouverneure anrufen oder Bürgermeister, und ebensowenig könne er nach New Jersey fliegen, um sich vor Ort ein Bild von den Schäden zu machen.
Doch Reinhard weist auch darauf hin, dass Obama vom Sturm auch beschädigte werden könnte - etwa, wenn doch noch etwas fürchterlich schiefgehen würde bei der Hilfe auf Bundesebene oder die Wähler den Eindruck bekämen, Obama versuche sich in der Krise und durch die Krise zu profilieren: "Man muss die Leitung übernehmen, ohne im Weg zu stehen. Wähler wollen nicht, dass ein Politiker und seine Entourage Rettungskräfte behindern oder sich vor die Kameras drängen, wenn es ihnen nur um ihren politischen Vorteil und nicht die öffentliche Sicherheit geht."
New Yorker Bürgermeister Bloomberg empfiehlt Wahl Obamas
tagesschau 12:00 Uhr, 02.11.2012, Michael Heussen, ARD New York
Dieser Falle ist Obama bislang nach allgemeiner Einschätzung geschickt aus dem Weg gegangen. Dabei hat ihm sicher auch Lob vom politischen Gegner geholfen. Robert McDonald, Gouverneur von Virginia und Vorsitzender der Vereinigung republikanischer Gouverneure sagt: "Die Bundesbehörden haben unglaublich schnell reagiert, und wir sind sehr dankbar." Chris Christie, Gouverneur von New Jersey, nannte Obamas Verhalten herausragend, und Michael Bloomberg, der Bürgermeister von New York, rief ganz offen dazu auf, Obama zu wählen.
Das sei allerdings nicht so überraschend, sagt Ed O'Keefe von der "Washington Post". Obama sei immerhin der Präsident, der vor vier Jahren mit dem Versprechen Wahlkampf gemacht habe, dafür zu sorgen, dass bei solchen Katastrophen jedem Staat geholfen werde, unabhängig von seiner politischen Ausrichtung. "Und egal, mit welchem republikanischen Gouverneur man darüber spricht, sie haben nur Lob und Anerkennung für die Regierung und den Präsidenten."
Vielleicht ist es ja tatsächlich so, dass eine Katastrophe wie "Sandy" einfach nicht geeignet ist, um damit Politik zu machen? In einer idealen Welt wäre das sicher so - in der Realität ist es anders. Schon kurz nach dem Sturm fingen beide politischen Lager an, sich gegenseitig anzufeinden: Die jeweils andere Seite wolle politisch punkten mit der Katastrophe, und das gehöre sich nicht. Wobei dieser Vorwurf natürlich nichts anderes ist, als der Versuch, selber mit der Katastrophe politisch zu punkten. Vielleicht ist es unvermeidlich, dass es in einem so engen Wahlkampf zu derartigen Auswüchsen kommt. Doch ob das die Wähler beeinflusst? Am Mittwoch, nach der Wahl, wissen wir mehr.
Stand: 02.11.2012 17:46 Uhr
