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Präsidentschaftswahlkampf in den USA
Mit Apps auf Stimmenfang
2008 war Barack Obama Pionier beim Wahlkampf mit neuen Medien. Jetzt sind auch die Republikaner dabei - auch wenn sie mit einem peinlichen Tippfehler ihre App starteten. Solche Programme versprechen den Nutzern exklusive Informationen - den Wahlkämpfern bringen sie wertvolle persönliche Daten.
Von Sabine Müller, HR-Hörfunkstudio Washington
Im Wahlkampf 2008 beobachteten die Republikaner irgendwo zwischen frustriert und fasziniert, wie der demokratische Kandidat Barack Obama virtuos die neuen Medien nutzte. Er war auf Facebook, YouTube und Twitter und verkündete die Entscheidung für Joe Biden als Vizepräsident per SMS. Dagegen sah sein republikanischer Konkurrent John McCain alt aus, besonders als er zugab, sich gerade erst mit dem Internet vertraut zu machen und niemals E-Mails zu schreiben. McCain wurde für seinen altmodischen "Rauchzeichen"-Wahlkampf verspottet, aber seitdem haben die Republikaner viel dazugelernt.
Wie Obama und Romney mit Apps um Wähler buhlen
Sabine Müller, ARD Washington
07.08.2012 23:20 Uhr
Peinlicher Tippfehler
Der aktuelle Präsidentschaftskandidat Mitt Romney ist definitiv im modernen Zeitalter angekommen, allerdings nicht ohne Stolperer. Als Romneys Lager Ende Mai eine erste Smartphone-App herausbrachte, enthielt die einen Tippfehler - ausgerechnet im Wort "America". Außer dem "Amercia"-Lacher hatte die App nicht viel zu bieten. Romney-Anhänger konnten damit ihre Fotos mit vorgefertigten Botschaften versehen - zum Beispiel "Mütter für Mitt" - und verschicken. Für die Romney-Kampagne hatte das wenig greifbaren Nutzen.
Das soll sich mit der neuen App ändern, die seit Ende Juli auf dem Markt ist. Wer "Mitt’s VP"-App runterlädt, so das Versprechen, erfährt vor allen anderen, wen Romney als Vizepräsidentschaftskandidaten auswählt. Um dabei zu sein, muss man natürlich Namen und E-Mail-Adresse herausgeben. Solche Daten bedeuten Macht im Wahlkampf. Wer einmal in der zentralen Datenbank eines Kandidaten gelandet ist, entkommt ihr nicht mehr, PR-Mails und Spendenaufrufe sind an der Tagesordnung.
App als Datensammelinstrument
Auch Obamas aktuelle App ist ein Datensammelinstrument, aber sie ist auch noch viel mehr: Sie will den Wahlkampf für die vielen freiwilligen Klinkenputzer revolutionieren. Wer bereit ist, von Tür zu Tür zu gehen und für den Präsidenten zu werben, dem schickt die App aus Obamas zentraler Datenbank alle wichtigen Informationen über die Wähler in der Nachbarschaft: Name, Alter, Geschlecht, politische Präferenz.
Klemmbrett und ausgedruckte Fragebögen sind passé, alle Infos können gleich in die App eingetragen und an die Zentrale geschickt werden. Die "New York Times" nennt diese App den "Science Fiction-Traum aller Polit-Funktionäre". Und es wird garantiert nicht die letzte sein in diesem Wahlkampf, denn schließlich gibt es doch für alles eine App.
Stand: 08.08.2012 11:26 Uhr
