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09.02.2010

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Ausland
Joe Wurzelbacher und Barack Obama (Foto: REUTERS)
US-Wahlkampf: Das wahre Leben von Joe, dem Klempner
Posse um unfreiwilligen US-Wahlkampfstar

Von wegen Joe, von wegen Klempner

Das dritte TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten John McCain und Barack Obama hat "Joe, den Klempner" in ganz Amerika bekannt gemacht. Reporter, Kamerateams und Fotografen fuhren nach Toledo im US-Bundesstaat Ohio, um die wahre Geschichte des unfreiwilligen Wahlkampfstars zu erzählen, der mehr als zwei Dutzend Mal in der finalen Fernsehdebatte erwähnt wurde. McCain hatte ihn als hart arbeitenden Durchschnittsamerikaner präsentiert, der unter den Steuerplänen Obamas zu leiden hätte. Zwei Tage nach der Debatte scherzte McCain noch, er habe alle seine führenden Berater gefeuert und ihre Aufgaben einem Mann namens "Joe, der Klempner" übertragen.

Umfrage vom 15. Oktober:

Ergebnisse der Umfrage zur US-Wahl
Animation Wie bewerten Zuschauer das TV-Duell zwischen Obama und McCain. [flash]

Keine Klempner-Lizenz

Joe Wurzelbacher (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: "Joe" Wurzelbacher heißt mit ersten Vornamen Samuel und hat keine Klempner-Lizenz. ]
Doch was die US-Medien bei ihren Recherchen über den Mann herausfanden, der sich selbst Joe Wurzelbacher nennt, zerstörte viel von dessen Image. Denn in Wahrheit heißt er Samuel J. Wurzelbacher, arbeitet ohne Lizenz und hat den Berichten zufolge auch keine Ausbildung zum Klempner abgeschlossen. Auch gehöre er nicht der Klempnergewerkschaft an. Wurzelbacher zufolge hat jedoch der Betrieb, in dem er arbeite, eine Klempner-Lizenz. In US-Medien debattieren mittlerweile politische Beobachter über die Frage, ob Wurzelbacher nun ein Klempner sei oder nicht.

Schnell fanden Reporter auch heraus, dass Wurzelbacher Steuerschulden von rund 1200 Dollar hat und zudem keineswegs ein Leidtragender der Steuerpläne des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Obama wäre. Bei einer kurzen Begegnung mit Obama vor einigen Tagen hatte er gesagt, er wolle die Firma kaufen, in der er arbeite, und werde dann mehr als 250.000 Dollar im Jahr verdienen. Nach Obamas Vorstellungen gälte er damit als reich und müsste höhere Steuern zahlen. Wurzelbacher warf Obama vor, "harte Arbeit" zu bestrafen und setzte dessen Pläne mit "Sozialismus" gleich. Dies war der Ausgangspunkt für McCain gewesen, der damit die Folgen der Politik seines Kontrahenten veranschaulichen wollte.

Dossier:

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McCain entschuldigt sich für Medienrummel

Doch Wurzelbacher verdient weit weniger als 250.000 Dollar, wie er selbst in einem Fernsehinterview einräumte. Nach Recherchen der Zeitung "Toledo Blade" gab er im Jahr 2006 einen Verdienst von 40.000 Dollar beim Finanzamt an. Die US-Medien bezweifelten auch, dass er im Fall des Kaufs der Firma mehr als 250.000 Dollar verdiene.

Joe Wurzelbacher (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: "Joe" Wurzelbacher steht im Mittelpunkte des Medieninteresses. ]
Der Medienrummel um seine Person macht Wurzelbacher mittlerweile zu schaffen. "Ich komme mir vor wie Britney Spears mit Kopfweh", sagte er. Er wolle einfach weiterarbeiten. Mittlerweile entschuldigte sich McCain sogar öffentlich bei ihm wegen der durch ihn ausgelösten öffentlichen Aufmerksamkeit. "Es tut mir leid", sagte er bei einem Fernsehauftritt an Wurzelbacher gewandt. Der hatte es abgelehnt, seine eigene Wahlentscheidung am 4. November bekanntzugeben. Laut "Toledo Blade" ist er auf der Wählerliste als Republikaner eingetragen und hat im März an deren Vorwahl in Ohio teilgenommen.

Stand: 17.10.2008 22:31 Uhr
 

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