Obama nach seinem Wahlsieg. | Bildquelle: AFP

Obama legt Eid als US-Präsident ab Zweite Amtszeit - Chance oder Fluch?

Stand: 19.01.2013 11:49 Uhr

US-Präsident Obama geht in seine zweite Amtszeit. Was auf den ersten Blick wie ein Triumph aussieht, hat sich für viele seiner Vorgänger wie Reagan oder Bush als Fluch herausgestellt: Während ihrer zweiten Amtszeit erlebten sie schwere Krisen. Obama ist sich dieser Gefahr bewusst.

Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkstudio Washington

US-Präsident Barack Obama hat wie alle wiedergewählten Präsidenten gute Vorsätze: "Ich hoffe und beabsichtige in meiner zweiten Amtszeit ein noch besserer Präsident zu sein." Doch die Statistik spricht eindeutig gegen diese Hoffnung. Kaum ein Thema haben amerikanische Historiker so intensiv erforscht wie den "Fluch der zweiten Amtszeit".

US-Präsident Barack Obama | Bildquelle: REUTERS
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Für Obama ist die zweite Amtszeit Chance und Risiko zugleich.

Von den bisher 44 US-Präsidenten sind 20 wiedergewählt worden. Nur einer von ihnen hatte im Vergleich zu seinen ersten vier Jahren im Weißen Haus eine bessere zweite Amtszeit. Das war James Madison, der von 1809 bis 1817 regierte. Am tiefsten stürzte Richard Nixon ab. 1972 mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt, versank er nur eineinhalb Jahre später im Sumpf des Watergate-Skandals. Um einer drohenden Amtsenthebung zuvor zu kommen, erklärte er im August 1974 seinen Rücktritt.

Reagan erlebte ein Fiasko

Als "epochal erfolgreich" gelten US-Präsidenten dann, wenn sie nicht nur wiedergewählt wurden, sondern ihr Nachfolger aus dem gleichen politischen Lager kommt. Das ist nur wenigen Präsidenten gelungen, zum Beispiel Abraham Lincoln, Franklin D. Roosevelt oder Ronald Reagan.

US-Präsident Obama geht in seine zweite Amtszeit
Martin Ganslmeier, NDR Washington
19.01.2013 15:34 Uhr

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Aber selbst Reagan, der heute in der Beliebtheitsskala früherer US-Präsidenten weit oben steht, erlebte in der zweiten Amtszeit ein Fiasko. In der Iran-Contra-Affäre versicherte Reagan zunächst: "Nein, wir haben keine Waffen gegen Geiseln ausgetauscht." Kurze Zeit später wurde Reagan der Lüge überführt. Er konnte sich nur mit Verweis auf fortschreitende Erinnerungslücken retten.

Ronald Reagan | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Die Iran-Contra-Affäre schadete Reagan sehr.

Auch für George W. Bush ging es nach der Wiederwahl steil bergab: "Ich habe im Wahlkampf Kapital verdient und dies werde ich einsetzen!", hatte Bush zu Beginn der zweiten Amtszeit großspurig angekündigt. Bushs innenpolitische Reformpläne scheiterten jedoch am Widerstand der eigenen Partei. Der Krieg im Irak erinnerte immer mehr an Vietnam. Dann kam das Versagen nach Hurrikan "Katrina", schließlich die Finanz- und Wirtschaftskrise.

Die Praktikantinnen-Affäre

Nur ein Präsident hätte den Fluch fast besiegt: Bill Clinton, der heute wieder hoch angesehen ist als Präsident des goldenen Wirtschaftsjahrzehnts der Neunzigejahre. Aber beinahe wäre auch er des Amtes enthoben worden, wegen Falschaussage unter Eid, und das alles wegen einer Praktikantin. Berühmt ist seine Aussage: "I did not have sexual relations with that woman Lewinsky."

Bill Clinton | Bildquelle: picture-alliance / dpa
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Lange war Bill Clintons Ansehen getrübt. Inzwischen wird seine Wirtschaftspolitik wieder gelobt.

Die Lewinsky-Affaire eskalierte im sechsten Amtsjahr Clintons. Nach Einschätzung von Historikern ist es das gefährlichste Amtsjahr für einen wiedergewählten Präsidenten. Ab dann denke er schon zu sehr an die Zeit nach Washington oder gelte bereits als lahme Ente. Seine besten Leute suchen dann den rechtzeitigen Absprung.

Was also kann Barack Obama tun, damit 2014 nicht sein Krisenjahr wird? Historiker Jon Meacham empfiehlt, in der ersten Hälfte der zweiten Amtszeit solle sich Obama auf wichtige innenpolitische Reformprojekte konzentrieren, also das Haushaltsdefizit in den Griff bekommen, die Wirtschaft stabilisieren und das Einwanderungsrecht reformieren.

Dann bleibe noch Zeit, um in den beiden letzten Amtsjahren "ein großes Ziel in der Außenpolitik" zu erreichen: Frieden im Nahen Osten, ein Freihandelsabkommen mit Europa oder andere Kleinigkeiten. Obama ist sich des "Fluchs der zweiten Amtszeit" übrigens bewusst und lud kürzlich Historiker ins Weiße Haus ein. Ob es ihm helfen wird, als erstem Präsidenten dem Fluch zu entkommen, werden Historiker in 30 Jahren analysieren.

Dieser Beitrag lief am 19. Januar 2013 um 12:39 Uhr im Deutschlandfunk.

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