Barack Obama und Bruce Springsteen in Madison, Wisconsin | Bildquelle: AFP

Endspurt im US-Wahlkampf Nur der Boss ist noch bei Stimme

Stand: 06.11.2012 07:25 Uhr

Heute ist Wahltag in den USA: Der intensive Wahlkampf hat bei allen Kandidaten und Unterstützern sichtbare Spuren hinterlassen. Doch selbst die Hilfe von Prominenten wie Bruce Springsteen kann eine Sorge nicht vertreiben: Werden genug Wähler abstimmen? Und werden die Wahlbedingungen fair sein?

Von Timo Fuchs, HR-Hörfunkstudio Washington

Dieser Mann ist einer der wenigen, die im Wahlkampf noch eine volle Stimme haben. "The Boss" - Bruce Springsteen griff gestern für Barack Obama in die Saiten und gab in drei Bundesstaaten Anfeuerungskonzerte, bevor Obama die Bühne betrat.

Dagegen ist ein anderer Unterstützer hörbar angeschlagen: Ex-Präsident Bill Clinton. Mit zitternder Stimme und eingefallenem Gesicht wetterte er in Philadelphia gegen die angeblichen Lügen Mitt Romneys.

30 Millionen haben schon gewählt

Der rastlose Wahlkampf der Kandidaten zeigt aber schon Wirkung. 30 Millionen Amerikaner haben bereits die Möglichkeit zur vorzeitigen Stimmabgabe genutzt. In Florida schlugen die Menschen am Wochenende sogar an die Scheiben der geschlossenen Wahllokale und forderten, dass man sie wählen lassen soll. Der Republikanische Gouverneur hatte das Frühwählen nämlich auf acht Tage verkürzt. Keine Überraschung: Traditionell bringt es vor allem Demokraten zu den Wahlkabinen. 

Stimmabgabe in Dixville, New Hampshire | Bildquelle: AFP
galerie

Stimmabgabe in Dixville, New Hampshire. Hier waren die Wahllokale bereits ab Mitternacht (Ortszeit) geöffnet.

Lange Schlangen vor den Wahlbüros in Florida | Bildquelle: REUTERS
galerie

Schon in den Tagen vor der Wahl gab es lange Schlangen vor den Wahlbüros in Florida, wie hier in West Palm Beach.

Wahlbeobachter beobachten Wahlbeobachter

Tatsächlich machen sich mittlerweile einige Amerikaner Sorgen um einen fairen Ablauf der Wahl. Sogar private Gruppen senden Wahlbeobachter aus - "True to Vote" zum Beispiel, die mit der TeaPartyBewegung in Verbindung steht. Angeblich wollen ihre Mitglieder Betrug verhindern, allerdings stehen sie selbst wieder unter Verdacht, Wähler einzuschüchtern. "Deshalb beobachten wir die Wahlbeobachter", sagt Judith Brown Dianis von der Bürgerrechtsorganisation "Advancement Project".

Am Ende wird es also nicht darauf ankommen, wie viele Amerikaner in den aktuellen Umfragen bekunden, dass sie Romney oder Obama-Anhänger sind, sondern wer tatsächlich seine Stimme abgibt. Und Obama ist hier im Nachteil. In einigen Bundesstaaten stellen neue Wahlgesetze Anforderungen, mit denen gerade seine Wählerschaft - wie alte und arme Menschen - schlechter zurechtkommen.

Außerdem werden viele junge Wähler und Latinos diesmal desinteressiert zuhause bleiben. Das könnte Obamas hauchdünnen Vorsprung in den entscheidenden Bundesstaaten wieder ausgleichen. Darum bleibt dieses Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum Schluss so erbittert, und deshalb stehen auch beide Kandidaten nach einem halben Jahr harten Wahlkampfs völlig fertig da. Mit tiefen Augenringen und heiserer Stimme. Obama und Romney haben alles gegeben. Jetzt sind die Wähler dran.

Darstellung: