In Raleigh (North Carolina) stehen die Menschen Schlange vor dem Wahllokal (20. Oktober 2016). | Bildquelle: AP

Amerika wählt per "Early Voting" Wer sicher ist, wählt jetzt schon

Stand: 03.11.2016 17:51 Uhr

Am Wahltag werden bereits rund 50 Millionen Menschen per "Early Voting" ihre Stimme abgegeben haben, schätzen Experten - einer von ihnen ist Nathan Wolfson. Seine frühe Wahl bereut er nicht.

Von Kevin Adlhoch, ARD-Studio Washington

Nathan Wolfson ist einer von Millionen Amerikanern. Genauer gesagt ist Nathan einer von mehr als 26 Millionen. So viele haben sich bereits entschieden, wer ihrer Meinung nach der neue Präsident oder die neue Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika werden soll.

In einigen Bundesstaaten können die Bürger seit dem 23. September ihre Stimme per "Early Voting" abgeben. Den Anfang machten Minnesota, South Dakota und Idaho. Nathan wählt in der Hauptstadt Washington DC. Ginge es nach ihm, würde Hillary Clinton die erste Präsidentin des Landes.

"Ich habe heute Clinton gewählt, weil sie einfach den besten Plan für unser Land hat. Betrachtet man sie genauer und lässt sich nicht nur von den oberflächlichen Anschuldigungen ihrer Gegner beeinflussen, stellt man fest, dass sie wirklich gute Ideen hat."

Nathan war im Wahlkampf von Beginn an für Clinton. Er schätzt vor allem eine Fähigkeit an ihr: "Sie überwindet Unterschiede, sie redet mit Politikern auf der anderen Seite. Sie schließt Kompromisse und setzt dadurch viele Dinge um."

Nathan Wolfson | Bildquelle: Kevin Adlhoch
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Nathan Wolfson hat sich schon für Hillary Clinton entschieden.

Fast jeder Dritte wählt im Voraus

Vorzeitige Stimmabgabe und Briefwahl sind in Deutschland nichts Ungewöhnliches. In Amerika ist dies relativ neu, und längst nicht überall möglich. Noch immer haben nur 37 der 50 Bundesstaaten und der District of Columbia das frühe Wählen eingeführt. Dabei wird es immer beliebter: Mittlerweile setzt fast jeder dritte Wähler bereits im Voraus sein Kreuz auf dem Wahlzettel. Wenn am Dienstag die Wahllokale öffnen, so die Prognosen, werden bereits rund 50 Millionen Menschen ihre Stimme abgegeben haben.

Viele wollen die oft langen Warteschlangen vor der Wahlkabine vermeiden. Da in den USA traditionell immer dienstags gewählt wird, gibt es noch ein anderes Problem: Dienstag ist ein Arbeitstag. Da bleibt zum Wählen oft nur die Mittagspause.

"Viele Leute müssen tagsüber arbeiten", sagt auch Nathan. "Sie können es sich schlichtweg einfach nicht leisten, so lange vor den Wahllokalen zu stehen oder gar einen Tag frei zu nehmen, nur um wählen gehen zu können."

Die Politik hat das Problem erkannt und hofft, mit der Möglichkeit zur früheren Stimmabgabe der in den USA oft niedrigen Wahlbeteiligung entgegenzuwirken. Drei Bundesstaaten - Oregon, Washington und Colorado - haben bereits ganz auf Briefwahl umgestellt.

Schild mit der Aufschrift Vote here | Bildquelle: Kevin Adlhoch
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"Vote here" - Schild zeigt den Weg zur Wahlurne für frühe Wähler.

Wahlplakate | Bildquelle: Kevin Adlhoch
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Washington D.C. scheint mit Wahlplakaten gepflastert zu sein.

Clinton und Trump werben für frühzeitige Stimmabgabe

Auch Hillary Clinton und Donald Trump wollen sich nicht mehr nur darauf verlassen, dass ihre Anhänger am Dienstag auch wirklich zur Wahl gehen - beide werben immer wieder lautstark bei ihren Wahlkampfauftritten für die frühzeitige Stimmabgabe. Oft ist das direkt am jeweiligen Veranstaltungsort möglich.

Vom "Early Voting" haben bei den vergangenen Wahlen meist die Demokraten profitiert. Republikaner sind konservativer, gehen in der Regel traditionell erst am Wahltag wählen. In diesem Jahr scheint das anders - ersten Umfragen zufolge nutzen Trumps Anhänger das frühe Wahlangebot mehr als erwartet.

Clintons Wahlkampf

Clinton hat viele Wähler unter Afro-Amerikanern, Hispanics und Jungwählern. Sie nehmen die vorgezogene Stimmabgabe häufiger wahr - sind dafür aber am eigentlichen Wahltag weniger zuverlässig. Wahlforscher sehen auch in diesem Jahr zwar einen leichten Vorteil für Clinton bei den Frühwählern - der fällt jedoch geringer aus als erwartet, denn bislang geben deutlich weniger Schwarze als erwartet schon vorab ihre Stimme ab. 

Clintons Erfolg bei Frühwählern liegt auch daran, dass sie auf eine deutlich umfangreichere Wählerdatenbank zurückgreifen kann als die Republikaner. Das hat schon Barack Obama in den Jahren 2008 und 2012 zu seinen Siegen verholfen. Clintons Wahlkampfhelfer nutzen die vorhandenen Daten und rufen an oder gehen gleich persönlich vorbei, um Wähler zu mobilisieren.

Obama hat auch schon gewählt

Der Präsident selbst hat längst gewählt. Bei einer Wahlkampfveranstaltung Clintons in Miami rät er seinen Landsleuten, es ebenso zu machen: "Gehen Sie früh wählen. Wo und wie das geht, können Sie im Internet ganz einfach nachsehen. Suchen Sie sich ein offenes Wahllokal, vor dem Wahltag ist es dort nicht so voll. Es gibt keine Schlangen. Sie können es einfach in der Mittagspause machen oder wann immer es ihnen in der Freizeit am besten passt."

Nach den neuen Wikileaks-Enthüllungen und der Wiederaufnahme der Ermittlungen des FBI in der E-Mail-Affäre sind die Prognosen zum Wahlausgang wieder enger geworden. Den zwischenzeitlichen Vorsprung von landesweit 12 Prozent hat Clinton eingebüßt.

Nathan konnte das bei seiner Entscheidung nicht beirren. Auch, dass noch weitere Enthüllungen drohen könnten, beeindruckt ihn wenig. "Es ist doch ganz normal, dass man nach 30 Jahren in der Politik auch einige Gegner hat, die versuchen einem zu schaden." Dass er es bereuen könnte sich so früh in seiner Wahl festgelegt zu haben, glaubt er nicht.

Über dieses Thema berichtete das mittagsmagazin am 04. November 2016 um 13:26 Uhr.

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