Ein afroamerikanischer Wähler gibt an einer Abstimmungsanlage seine Stimme ab. | Bildquelle: AFP

Schwarze Wähler in den USA Froh, wenn es vorbei ist

Stand: 04.11.2016 21:08 Uhr

46 Millionen schwarze US-Bürger werden mitentscheiden, wie das US-Staatsoberhaupt heißen wird. Sie beschäftigen vor allem Probleme wie Polizeigewalt und soziale Ungerechtigkeit. In einem Punkt sind sie sich aber mit allen anderen einig.

Von Andreas Horchler, ARD-Studio Washington

In einem Punkt geht es den Schwarzen in den USA beim Wahlkampf 2016 so wie vielen anderen US-Bürgern. Sie freuen sich, wenn es endlich vorbei ist: "Ich bin erschöpft. Das fühlt sich an wie Reality-TV", sagt eine Frau aus Atlanta dem Radiosender NPR. Und ein Mann meint: "Zwei Worte: Der Zirkus!" Einer Befragten reicht sogar ein einziges Wort: "Chaos”.

Eine schwarze Unterstützerin von Hillary Clinton | Bildquelle: AFP
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Viele Afroamerikaner unterstützen Clinton, wenn auch wenig euphorisch.

Für die meisten Wahlberechtigten der 2015 vom "US Census Bureau” geschätzten mehr als 46 Millionen Afroamerikaner steht ohnehin fest, wem sie ihre Stimme geben: Den Demokraten. "Wenn sich die Wirtschaft erkältet, bekommen schwarze Gemeinden eine Lungenentzündung", beschreibt Hillary Clinton die Situation vieler Afroamerikaner nach der Rezession vor acht Jahren. Überdurchschnittlich viele Schwarze hätten Hab und Gut verloren. Präsident Obama habe noch Schlimmeres verhindert und eine Trendwende eingeleitet, an der sie weiter arbeiten wolle.

"Was haben sie zu verlieren?"

Clintons Gegner Donald Trump beschrieb die besonders von Afroamerikanern bewohnten US-Innenstädte als Kriegsgebiete, die ihn an die Dritte Welt erinnerten. Keine Jobs, keine Perspektive. "Die Regierung hat gegenüber seinen afroamerikanischen Freunden vollkommen versagt", schließt Trump. "Was haben sie schon zu verlieren? Gebt mir eine Chance. Ich bringe das in Ordnung."

Trumps schwarze Freunde sind rar. Zumindest eine Frau meint, sie glaube daran, dass dieser Kerl das Land besser machen werde. Das gehe nämlich zur Hölle.

Aber auch der Jubel für Clinton hält sich in Grenzen. Der 85-jährige L. Douglas Wilder, 1990 erster afroamerikanischer Gouverneur der USA, kritisiert in der "Washington Post": Er habe in seinem Wahlkampf nie den Namen seiner Gegner in den Mund genommen. Die Menschen seien nicht einmal so sehr von Hillary enttäuscht. Vielmehr spreche sie keiner der Kandidaten an.

Viel Konfliktpotenzial

Ein Schild der "Black Lives Matter"-Bewegung vor dem Weißen Haus in Washington D.C. | Bildquelle: AP
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Streitthema: Die "Black Lives Matter"-Bewegung.

Afroamerikaner werden von Polizisten erschossen, dokumentiert von Videokameras, verbreitet in sozialen Medien, Polizisten werden ermordet. Die Bewegung "Black lives matter" fordert Gerechtigkeit und ein Ende der Vorurteile gegenüber Schwarzen. Eine Bürgerrechtsbewegung für die Einen, Randalierer und Gewalttäter für die Anderen.

Donald Trump fordert "Law and order", mehr Polizei, mehr Waffen und spontane Durchsuchungen Verdächtiger. Hillary Clinton räumt ein: Der Rassismus ist 2016 nicht verschwunden: "Viele Afroamerikaner fürchten die Polizei, das verstehe ich."

Wie damals ist auch heute der immer noch nicht besiegte Rassismus für viele schwarze US-Bürger ein zentrales Thema der Wahl 2016.

Obama will einen guten Abschied

Trump hat bei einigen Versuchen, die afroamerikanische Basis zu erreichen nicht viel ausrichten können. Clinton wird die überwältigende Mehrheit der schwarzen Stimmen erhalten. Dafür müssen die Afroamerikaner zur Wahl gehen.

Er werde es als persönliche Beleidigung, als Beleidigung seines Vermächtnisses empfinden, wenn diese Gemeinschaft bei der Wahl nicht aktiv wird, rief der scheidende erste schwarze Präsident des Landes der afroamerikanischen Wählerschaft zu: "Ihr wollt mir einen guten Abschied geben? Geht wählen!”

Clinton hat die Mehrheit der Stimmen bei der Schwarzen sicher, aber es gelingt ihr nicht wie Obama, Euphorie bei ihnen auszulösen.

US-Wahl: Afroamerikaner und die Entscheidung 2016
A. Horchler, ARD Washington
04.11.2016 12:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. November 2016 um 14:00 Uhr

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