Hillary Clinton und Donald Trump bei der letzten Debatte vor der US-Präsidentschaftswahl am 19.10.2016 | Bildquelle: AFP

Wirtschaftspolitische Pläne der Kandidaten "Grüne Supermacht" oder "Rückgrat aus Stahl"?

Stand: 05.11.2016 20:46 Uhr

Die Wirtschaftspolitik ist ein großes Streitthema im US-Wahlkampf. Hillary Clinton und Donald Trump haben sich darüber bereits scharfe Wortgefechte geliefert. Doch was planen sie konkret, sollten sie ins Weiße Haus einziehen?

Von Sabrina Fritz, ARD-Studio Washington

Es gibt Themen, da ziehen die beiden Gegner sogar am selben Strang. Bei der Infrastruktur zum Beispiel: "Wir werden unsere Gebäude, Tunnel, Häfen und Flughäfen modernisieren", verspricht Hillary Clinton - und Donald Trump übernimmt dieses Versprechen fast wortgleich.

Doch die entscheidende Frage ist ja: Wie wollen sie das bezahlen? Hillary Clinton will dafür eine eigene Infrastrukturbank gründen, die Projekte finanziert. Außerdem plant sie einen Mix aus privaten Investoren und Steuererhöhungen. Und Trump? Er träumt davon, Millionen Jobs aus Mexiko und China wieder in USA zurückzuholen, und davon, dass amerikanische Unternehmen ihr Geld wieder aus Irland in die USA tragen und dort versteuern.

Beide Kandidaten leiden an der typischen Wahlkampfkrankheit: Sie versprechen mehr, als sie halten können. Clinton zum Beispiel will bei den staatlichen Colleges die horrenden Studiengebühren senken, und Trump verspricht bezahlten Mutterschutz. Am Ende sitzt ohnehin der Kongress auf dem Geld. Es wird also vor allem darauf ankommen, wer besser mit den Abgeordneten und Senatoren ums Geld feilschen kann.

Trump und Clinton während des TV-Duells | Bildquelle: dpa
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Clinton und Trump sind sich einig bei der Frage nach neuer Infrastruktur - doch woher soll das Geld kommen?

Amerika zuerst vs. Grüne Supermacht

Bei dieser Wahl rückte ein Thema in den Mittelpunkt, das sonst eher ein Quotenkiller ist: der freie Handel. Trump hat sich klar gegen Freihandelsabkommen ausgesprochen, sowohl mit Asien als auch mit Europa. Er sieht die Amerikaner als Verlierer der Globalisierung und möchte sie wieder zu den alten Industrien Kohle, Öl, Auto zurückführen: "Amerikanische Autos werden auf den Straßen fahren und amerikanischer Stahl wird neue Wolkenkratzer hochziehen. Wir werden neuen Stahl in das Rückgrat dieses Landes einbauen."

Clinton dagegen will den Weg von Obama weiterführen und die USA zum Vorreiter machen: "Ein Land wird die grüne Supermacht des 21. Jahrhunderts werden: China, Deutschland oder Amerika. Ich möchte, dass wir es sind.“

Wer bekämpft die Ungerechtigkeit?

Doch beide bleiben vage, wie sie das größte Problem dieses Landes lösen wollen: die zunehmende Ungerechtigkeit. Die Reichen werden immer reicher und die Mittelklasse kämpft gegen den Abstieg. Beide Kandidaten setzen jedenfalls eher auf stimulierende Elemente. Von Sparen ist in diesem Wahlkampf wenig die Rede. Das ist zumindest für die Republikaner eher ungewöhnlich. Das Paradoxe an dieser Wahl ist: Clinton und Trump kämpfen beide um die Stimmen derer, die wenig oder nichts haben.

US-Wahl: Die wirtschaftspolitischen Konzepte der Kandidaten
S. Fritz, ARD Washington
03.11.2016 17:17 Uhr

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