Eine Frau verpasst einem Pappaufsteller von McMullin einen Bussi. | Bildquelle: AP

Republikaner-Hochburg Utah McMullin - Alternative für verzweifelte Wähler

Stand: 01.11.2016 17:42 Uhr

Utah gilt eigentlich als sichere Bank für die Republikaner. Nicht aber bei dieser Wahl: Weil sie mit Trump unzufrieden sind, suchen die Wähler hier eine Alternative - und haben sie gefunden. Das könnte Trump die Wahl kosten.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Hunde als Hot Dog verkleidet, als Nilpferd oder Ballerina - die Hundeparade ist der Höhepunkt an Halloween in Park City im US-Bundesstaat Utah. Hund Lincoln läuft in einem blauen T-Shirt umher, mit einem großen, weißen "M". Werbung für Evan McMullin, den Überraschungskandidaten dieser Wahl.

Herrchen Brady hält Hund Lincoln hoch: Ein "M" auf dem Rücken des Hundes soll für McMullin werben.
galerie

Hund Lincoln macht mit einem großen "M" auf dem Rücken Werbung für McMullin.

Lincolns Herrchen Brady sagt über McMullin: "Wir glauben, er ist die richtige Wahl für Amerika. Er wird konservative Werte und Prinzipien nach Washington zurückbringen." Das erwarte er vom nächsten Präsidenten. Donald Trump könne das nicht erfüllen - der sei ja gar kein Konservativer.

Diese Meinung teilen viele in Utah. McMullin liegt hier in Umfragen fast gleichauf mit Trump. Tony etwa meint, er sei eine Stimme der Vernunft in einer ansonsten verrückten Wahl. Je mehr er höre, desto begeisterter sei er. Leider habe McMullin keine Chance, national zu gewinnen. Trump sei aber ein Desaster. Darum hat er sich schweren Herzens für Hillary Clinton entschieden.

McMullin - Ein Utah-Urgewächs

Utah ist stramm konservativ, seit Jahrzehnten gewinnen hier Republikaner. Die wenigen Demokraten hoffen jetzt - auch dank McMullin, sagt Katy: "Ich denke, es wird Hillary helfen. Das hoffen wir. Das wäre großartig. Wenn Leute nicht für Hillary stimmen wollen, dann für ihn."

McMullin ist 40 Jahre alt. Er hat für den Geheimdienst CIA gearbeitet, in verdeckten Operationen, später für die Republikaner im Kongress. Wichtiger noch: Er stammt aus Utah und ist Mormone, wie viele hier. In elf Bundesstaaten wird er auf dem Wahlzettel stehen, nur in Utah ist er Trump gefährlich nahe.

Matthew Burbank ist Politologe in Salt Lake City: "Es ist nicht die Stärke seiner Standpunkte oder sein Charisma, was die Leute wählen. Sie sagen einfach: Er ist konservativ und nicht Trump - ich wähle ihn! Die Leute suchen einen Weg, um symbolisch zu sagen: Ich bin Republikaner, aber ich kann Trump nicht wählen. McMullin übernimmt diese Position."

Trump widerspricht traditionellen Werten

Utah ist ein konservativer Staat, das liegt unter anderem an den Mormonen, deren Zentrum Salt Lake City ist. Sie halten traditionelle Werte hoch: Familie, Glauben, aber auch Mitgefühl, zum Beispiel für Einwanderer.

Nun zeigt sich hier besonders deutlich, welche Belastung Trump für die Partei sein kann. Einerseits zieht er Wähler an, die sich von der Politik nicht mehr vertreten fühlen, anderseits verprellt er traditionelle Republikaner. "Vieles hat zu tun mit seinem persönlichen Stil, seinen dreisten Methoden, seinen Übertreibungen und seinen Positionen. Besonders, weil er gegen Immigranten ist und Religion gegen Leute einsetzt", führt Burbank aus.

Kinder als Trump und Clinton verkleidet bei Halloween.
galerie

Im Mini-Format friedlich Seite an Seite: Kinder sind an Halloween als Trump und Clinton verkleidet.

Politologe rechnet trotzdem mit Sieg für Trump

McMullin ist der Ausweg für verzweifelte Wähler. Ein gefährlicher Ausweg, das hat Trump erkannt. Er hat McMullin als Marionette beschimpft, die ihm die Wahl stehlen könnte. Falls McMullin nämlich in Utah vorn liegt, dann fehlen Trump Wahlleute-Stimmen, die er eigentlich auf der sicheren Seite glaubte. Politologe Burbank schätzt aber: "Ich erwarte, dass Trump den Staat gewinnt, aber nicht, wie ein Republikaner typischerweise in Utah gewinnt."

Bei Halloween in Park City laufen reihenweise Clintons und Trumps herum. Eine Frau im samtroten Kostüm will Trumps nächste Ehefrau werden. Viele sagen, sie hätten vom Wahlkampf die Nase voll, sie hofften einfach, es sei bald vorbei. Clinton und Trump mit den größten Köpfen laufen gemeinsam die Straße entlang. Sie werben für einen örtlichen Verein: "Das ist die Jugendsport-Allianz, wir unterstützen neun unterschiedliche Sportarten hier", erklären sie. "Auch wenn du mich nicht unterstützen kannst - unterstütze den Jugendsport." Das könnte ja immerhin ein gemeinsamer Nenner sein.

Ausgerechnet Utah: Trump im konservativen Staat unter Druck
Jan Bösche, ARD Washington
01.11.2016 20:47 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Oktober 2016 um 06:38 Uhr.

Korrespondent

Darstellung: