Mit Spannung wird das dritte TV-Duell zwischen Trump und Clinton erwartet. | Bildquelle: AFP

Trump, Clinton und die Medien Zwischen Objektivität und Parteinahme

Stand: 04.11.2016 04:01 Uhr

Für Donald Trump gehört Medienschelte zum festen Repertoire im Wahlkampf. Via Twitter und Co. macht er Stimmung gegen das "Medien-Establishment", das überwiegend Hillary Clinton unterstützt. Über Quote, Selbstkritik und Fakten-Checker.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Spätestens seit der Sender NBC kurz vor der zweiten TV-Debatte das Skandalvideo von Donald Trump aus dem Jahr 2005 veröffentlichte, sind Trump und seine Anhänger überzeugt: Die Medien versuchten mit aller Macht Trumps Einzug ins Weiße Haus zu verhindern. Die Moderatoren des zweiten TV-Duells hätten sich auf Trumps frauenfeindliche Äußerungen von vor elf Jahren gestürzt, beklagte Trumps Sprecher Jack Kingston. Dagegen seien die für Clinton schädlichen WikiLeaks-Veröffentlichungen im zweiten TV-Duell kaum angesprochen worden: "57 Sekunden ging es um WikiLeaks. 23 Minuten dagegen über die Vorwürfe sexueller Belästigung. Das ist so typisch!", empörte er sich.

Trump sorgte für gute Quote

In den vergangenen beiden Wochen dagegen berichteten die Medien intensiv über die von WikiLeaks ins Netz gestellten Dokumente. Trotzdem gehört Medienschelte weiter zum festen Repertoire von Trumps Wahlkampf. Zumindest im Vorwahlkampf der Republikaner konnte er mit seinen Vorwürfen gegenüber der "lügenden Presse" und den linksliberalen "Mainstream-Medien" punkten. Zumal ihm damals nur wenige Medien Kontra gaben. Vor allem die Fernsehsender sahen in Trump einen kuriosen Unterhaltungsfaktor, weil er den Vorwahlkampf der Republikaner aufmischte und für sehr gute Einschaltquoten sorgte. Fast täglich konnte Trump seine Überzeugungen ungefiltert und ausführlich von sich geben.

Zuschauer vor TV-Bildschirm | Bildquelle: AP
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Trump und Clinton im TV-Duell: Für die Faktenchecker beginnt danach die Arbeit.

Erst nachdem Trump der offizielle Präsidentschaftskandidat der Republikaner wurde, so Ben Domenech, Herausgeber des konservativen Magazins "Federalist", berichteten die Fernsehsender deutlich kritischer: "Sie haben endlich gemerkt, dass man ihm nicht einfach Sendezeit geben darf. Diesen Fehler haben viele Fernsehsender im Vorwahlkampf gemacht."

"Fact-Checker" im Einsatz

Die großen Sender CBS, NBC und ABC, aber auch die Nachrichtensender CNN und FoxNews hinterfragen seitdem Trumps Behauptungen deutlich kritischer. Regelmäßig werden sogenannte "Fact-Checker" eingesetzt, die sowohl Trumps als auch Clintons Reden und ihre Aussagen in den TV-Duellen auf falsche Behauptungen hin überprüfen. Das Magazin "Politico" zog Bilanz und kam zum Ergebnis: Bei Trump erwiesen sich nach Überprüfung der Fakten etwa 60 Prozent seiner Aussagen als falsch; bei Clinton waren es knapp 15 Prozent.

Trump und seine Anhänger fühlen sich durch solche Analysen in ihrer Verachtung für die etablierten Medien nur bestätigt. Die "Mainstream-Medien" ergriffen ja ohnehin ständig Partei für Clinton. Jim Rutenberg von der "New York Times" will dies so nicht stehen lassen: "Wir gehen Clinton genauso kritisch an. Aber Trump stellt einfach mehr Behauptungen in den Raum, die überprüft werden müssen. Das ist der Unterschied."

TV-Duell | Bildquelle: AFP
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Medienschelte gehört für Trump zum Repertoire im Wahlkampf. Er setzt auf Twitter, um seine Ansichten unters Volk zu bringen.

Trump setzt auf Twitter

Doch obwohl die US-Medien noch nie so viele Faktenchecker einsetzten wie in diesem Wahlkampf, schadete es Trump selten, wenn seine Behauptungen als Falschaussagen entlarvt wurden. Auch dass sich unter den 50 führenden Zeitungen Amerikas bisher keine einzige für Trump aussprach, hatte kaum Auswirkungen auf seine Umfragewerte. Trump ist überzeugt davon, dass er die Wahl ohne, ja sogar gegen die etablierten Medien gewinnen kann. Trump setzt auf Twitter, um seine Ansichten direkt unter das Volk zu bringen. Zwölfeinhalb Millionen Follower hat Trump, drei Millionen mehr als Clinton.

Und die etablierten Medien merken, dass es für sie trotz aller Faktenchecks immer schwieriger wird, gegen Tweets, Verschwörungstheorien im Netz und die Aussagen angeblicher Experten in den sozialen Medien durchzudringen. So sind auch die Medien in diesem Wahlkampf erstmals Partei: Auf der einen Seite das Medien-Establishment, das überwiegend Clinton unterstützt; auf der anderen Seite der Außenseiter Trump, der auf die sozialen Medien setzt, um die Bürger gegen das Establishment zu mobilisieren.

US-Wahl: Wahlkampf und Medien - Zwischen Objektivität und Parteinahme
M. Ganslmeier, ARD Washington
03.11.2016 23:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. November 2016 um 09:00 Uhr.

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