Jill Stein | Bildquelle: REUTERS

Alternativen zu Clinton und Trump Wer steht eigentlich noch zur Wahl?

Stand: 06.11.2016 23:46 Uhr

Schon mal was von Jill Stein gehört? Die Kandidatin der Grünen bewirbt sich ebenfalls als US-Präsidentin, von der Öffentlichkeit fast unbemerkt. Und auf dem Wahlzettel stehen noch viele weitere Namen.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Selten waren zwei Präsidentschafts-Kandidaten in den USA so unbeliebt wie der Republikaner Trump und die Demokratin Clinton. Man sollte meinen, das könnte eine Chance sein für andere Kandidaten. Evan McMullin zum Beispiel.

Er sagt: "Ich bin leider der einzige Konservative im Rennen. Ich stehe für eine eingeschränkte Regierung und persönliche Freiheiten. Ich sah, dass die Kandidaten der beiden großen Parteien, und andere Kandidaten, nicht ausreichend, nicht angemessen waren für das Land und das amerikanische Volk." In seinem Heimatstaat Utah hat McMullin gute Chancen, Donald Trump entscheidende Stimmen wegzunehmen. Landesweit ist das schon viel schwieriger - da geht es McMullin genauso wie vielen anderen Kandidaten.

Der unabhängige US-Präsidentschaftskandidat Evan McMullin | Bildquelle: REUTERS
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Der "einzige Konservative": Evan McMullin.

Wie auf den Wahlzettel kommen?

Wer nicht von einer der beiden großen Parteien ins Rennen geschickt wird, muss viele Hürden nehmen. Dazu gehört, überhaupt auf die Wahlzettel zu kommen. Hunderte Amerikaner haben ihre Kandidatur fürs Präsidentenamt eingereicht - in vielen Bundesstaaten stehen aber nur vier oder fünf Namen auf dem Wahlzettel. Jeder Staat legt selbst fest, welche Bedingungen erfüllt sein müssen. Dazu gehört zum Beispiel, dass man von einer Partei unterstützt wird, oder dass man genügend Unterschriften gesammelt hat.

Jill Stein | Bildquelle: REUTERS
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Wünscht sich mehr Aufmerksamkeit jenseits von Clinton und Trump: Amerikas "Grünen"-Chefin Jill Stein

Ein weiteres Problem: Die Kandidaten kleinerer Parteien haben Mühe, wahrgenommen zu werden. Zum Beispiel werden sie nicht zu den Präsidentschafts-Debatten eingeladen. Die Präsidentschafts-Kandidatin der Grünen, Jill Stein, beklagte sich bei C-SPAN: "Die beiden Kandidaten von Demokraten und Republikanern sind die unbeliebtesten Kandidaten der Geschichte. Wir verdienen offene Debatten, und danach verlangen die Amerikaner lautstark. Das Rennen ist noch nicht vorbei, wir kämpfen weiter für das Recht der Wähler, auch zu wissen, für wen sie stimmen können und was die wirklich wichtigen Themen sind, die diskutiert werden müssen."

Klimawandel das neue Pearl Harbor?

Um aufzufallen, müssen die Botschaften entsprechend knallig sein. Für Stein gehört dazu auf jeden Fall der Kampf gegen den Klimawandel: "Wir haben keine Wahl, wir müssen den nationalen Notstand erklären. Wie wir es getan haben, als Pearl Harbor angegriffen wurde. Es hat damals nur sechs Monate gebraucht, die Wirtschaft komplett umzustellen, für Kriegszeiten. Wir haben einen neuen Krieg: für unser Überleben, gegen den Klimawandel."

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.@mikebarnicle: What would you do, if you were elected, about Aleppo? @GovGaryJohnson: And what is Aleppo? https://t.co/ZbqO5RAEsk

Stein konnte die Unbeliebtheit der beiden Spitzenkandidaten Trump und Clinton kaum ausnutzen. Das gilt auch für Gary Johnson von den Liberalen. Er steht in allen 50 Bundesstaaten auf dem Wahlzettel, erreichte in den meisten Umfragen den dritten Platz, aber weit abgeschlagen. Dazu beigetragen hat sein "Aleppo-Moment": In einem Interview konnte er nichts mit der syrischen Stadt anfangen. Später verteidigte er sich: "Wenn wir Kandidaten danach beurteilen, wie gewissenhaft sie bei ausländischen Politikern und geografischen Orten sind, dann werden wir weiter die Außenpolitik haben, die wir haben, seitdem ich lebe."

Der libertäre Kandidat Johnson im US-Wahlkampf
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Kann mit "Aleppo" nichts anfangen: Der Liberlae Gary Johnson

Entscheiden Unabhängige die Wahl?

Johnson führt an, dass es mehr Amerikaner gibt, die sich als "unabhängig" bezeichnen - laut dem Gallup-Institut sind das mehr als 40 Prozent. Am Ende machen aber doch Republikaner und Demokraten die Wahl unter sich aus.

Unabhängige Kandidaten können den Wahlausgang aber durchaus beeinflussen. Ein Beispiel ist die Wahl im Jahr 2000. Es heißt, der grüne Kandidat Ralph Nader habe dem Demokraten Al Gore genau die Stimmen weggenommen, die ihm zur Präsidentschaft gefehlt haben. Es gewann der Republikaner George W. Bush.

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