Trump | Bildquelle: AFP

US-Wahlkampf der Republikaner Trump geht auf seine Gegner zu

Stand: 06.08.2016 08:45 Uhr

Zuletzt machte der Präsidentschaftsbewerber Trump vor allem durch interne Querelen und einen Streit mit der Familie eines im Irak gefallenen muslimischen US-Soldaten auf sich aufmerksam. Nun schlägt er versöhnliche Töne an - und sucht den Schulterschluss mit Parteirivalen.

Nach einer von Fauxpas geprägten Wahlkampfwoche schlägt Donald Trump im Streit mit ranghohen Mitgliedern seiner Partei nun versöhnliche Töne an. So stellte sich der republikanische Präsidentschaftsbewerber nach anfänglichem Zögern doch hinter den Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Paul Ryan. Zudem bekundete Trump seine Unterstützung für die Senatoren John McCain und Kelly Ayotte, mit denen er ebenfalls im Clinch liegt.

"Wir müssen uns vereinen", erklärte Trump bei einem Auftritt in Green Bay im Staat Wisconsin. Als Präsident werde er einen republikanischen Senat und ein Repräsentantenhaus brauchen, um alle seine Änderungsvorschläge umsetzen zu können. In "einigen Dingen möge" er sich mit Ryan zwar nicht einig seien, doch gebe es auch viele Schnittmengen, sagte Trump weiter.

Interne Querelen

Ryan bekleidet das wichtigste Amt im US-Kongress. Kommende Woche muss er sich in einer parteiinternen Vorwahl um den ersten Wahlbezirk seines Heimatstaats Wisconsin dem Außenseiter Paul Nehlen stellen. Bis zuletzt hatte sich Trump geweigert, für Ryan eine Wahlempfehlung abzugeben. "Ich bin im Moment einfach noch nicht soweit", sagte der Immobilienmogul kürzlich in einem Interview. Seine Wortwahl verstanden Beobachter prompt als Retourkutsche. Denn mit einem ähnlichen Kommentar hatte sich Ryan im Mai von Trump distanziert, ihm dann doch formal seine Unterstützung erklärt. Trumps überraschende Kehrtwende nehme Ryan mit Wohlwollen auf, sagte einer seiner Berater in einer Reaktion. Ryan wisse die Geste zu schätzen.

Wenige Stunden vor Trumps Erklärung hatte der mächtige Republikaner aus Wisconsin zwar klargestellt, dass er weiter hinter Trump stehe. Doch sei dies "kein Blankoscheck". Falls nötig, werde er sich weiterhin gegen umstrittene Positionen Trumps wenden, sagte Ryan. Die Worte warfen ein Schlaglicht auf die tiefen Gräben, die Trumps Kandidatur offenbar bei den Republikanern aufgerissen hat.

Neben internen Querelen hatte zuletzt dessen Fehde mit der Familie eines im Irak gefallenen muslimischen US-Soldaten die Kritik an dem Kandidaten auch in seinen eigenen Reihen befeuert. Für zusätzliche Aufregung sorgten Trumps Aussagen über ein Video, in dem angeblich eine Lösegeldlieferung der USA an den Iran für dort festgehaltene amerikanische Matrosen zu sehen sein soll. Sogar sein Wahlkampfteam dementierte diese Darstellung am Mittwoch. Das hinderte Trump aber nicht daran, sie tags darauf noch einmal zu wiederholen. Nun kam sein überraschendes Eingeständnis, dass er sich geirrt habe.

Neuer Angriff auf Clinton

Später versuchte Trump in Wisconsin mit neuen, heftigen Attacken auf seine demokratische Rivalin Hillary Clinton zu punkten. "Einerseits ist sie ein Monster", erklärte er vor seinen Anhängern. "Andererseits ist sie eine schwache Person." Clinton bezeichnete er zudem als "total unausgewogen" und als zu uninteger fürs Weiße Haus.

Trump versuchte zuvor mit der Bekanntgabe seines Beraterteams für Wirtschaftsfragen, Zuversicht zu streuen. Diesem sollen der Hedgefonds-Milliardär John Paulson, ein ehemaliger Mitarbeiter des Haushaltsausschusses des US-Senats, Dan Kowalski, und der New Yorker Investor Steven Mnuchin angehören.

Vor allem unter den jungen Wählern ist das Vertrauen in Trump jedoch äußerst gering. Nur 21 Prozent der 18- bis 30-Jährigen hätten ein positives Bild von dem Immobilienunternehmer und Milliardär, hieß es in einer neuen Umfrage des Instituts GenForward. Aber auch Clinton schneidet nicht viel besser ab. 38 Prozent haben demnach ein positives Bild von ihr, jedoch glauben 43 Prozent der Befragten auch, dass sie im umstrittenen Umgang mit ihren E-Mails als Außenministerin absichtlich das Gesetz gebrochen habe.

Kein klarer Favorit

Insgesamt zeichnet sich aber weiter kein klarer Favorit ab. Clinton kommt laut einer neuen Erhebung der Nachrichtenagentur Reuters und des Instituts Ipsos auf 42 Prozent der Stimmen, ihr Rivale Trump auf 39 Prozent. Damit schmolz Clintons Vorsprung im Vergleich zur Erhebung vom Wochenanfang von acht auf drei Punkte zusammen. Gewählt wird am 8. November. Amtsinhaber Barack Obama darf nach zwei Amtszeiten nicht wieder antreten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. August 2016 um 12:00 Uhr

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