Barack Obama und Hillary Clinton auf dem Demokratischen Nominierungsparteitag, 27.07.2016 | Bildquelle: dpa

Obamas Wahlkampf für Clinton Es geht um sein Vermächtnis

Stand: 03.11.2016 12:01 Uhr

Kurz vor Ende seiner Amtszeit ist US-Präsident Obama so beliebt wie nie. Seine Popularität nutzt er unter anderem, um Werbung für Hillary Clinton zu machen. Das tut er aber nicht nur aus Sympathie für seine ehemalige Außenministerin, sondern auch aus Eigeninteresse.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Die Rolle des Wahlkämpfers liegt Barack Obama. Das Sakko hat er abgelegt, die Ärmel hochgekrempelt. Und nachdem er die überwiegend aus Arbeitern und Afroamerikanern bestehende Menge in Ohio begrüßt hat, kommt er gleich zu seinem Lieblingsthema: Donald Trump. Dass der sich als "Anwalt der Arbeiter und kleinen Leute" bezeichne, sei ja wohl ein Witz, meint Obama: "Er hat sich nie für höhere Mindestlöhne stark gemacht oder in ärmere Bezirke investiert. Und plötzlich soll er der 'Champion der Arbeiter' sein? Also Leute, ich bitte Euch!"

Die Abrechnung mit dem Präsidentschaftskandidaten der Republikaner macht Obama sichtlich Spaß. War es doch Trump, der lange Zeit die rassistische Birther-Bewegung anführte, die öffentlich abstritt, dass Obama in den USA geboren wurde.

"Sie ist besser qualifiziert als ich"

Doch Obama rächt sich nicht mit dem Säbel, sondern zückt lieber das Florett. Immer leicht ironisch und nie unter der Gürtellinie wie Trump: "Der ist um drei Uhr nachts wach, um beleidigende Tweets zu schreiben, weil ihn jemand geärgert hat. Das ist kein Präsident, den ihr haben wollt."

US-Präsident Obama bei einem Wahlkampfauftritt für Hillary Clinton im Juli 2016. | Bildquelle: AFP
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Sie mögen sich, sie brauchen sich: Für Barack Obama ist es wichtig, dass Hillary Clinton sein Erbe fortsetzt. Sie profitiert von seiner Popularität.

Der gefährlichen Unberechenbarkeit Trumps stellt Obama die Qualitäten von Hillary Clinton gegenüber. Die habe er im Weißen Haus aus nächster Nähe kennen- und schätzengelernt: "Auch auf dem Höhepunkt von Krisen bleibt sie kühl und zeigt allen gegenüber den nötigen Respekt."

Hillary sei vielleicht nicht so charismatisch wie ihr Mann Bill. Und sie sei auch keine mitreißende Rednerin. Aber niemand arbeite so hart und verfolge ihre Ziele so konsequent wie sie, lobt Obama: "Weit und breit gibt es niemanden, der besser für das Präsidentenamt qualifiziert ist als sie. Auch ich nicht, auch nicht ihr Mann Bill."

Clintons Sieg - Obamas Zukunft

Selten hat sich ein scheidender Präsident so aktiv in den Wahlkampf eingemischt wie Barack Obama. Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit erreicht Obamas Popularität neue Spitzenwerte. 55 Prozent Zustimmung zu seiner Arbeit - das haben vor ihm nur Ronald Reagan und Bill Clinton geschafft.

President Obama @POTUS
Outstanding 3 for 3 debate sweep for @HillaryClinton! Nobody has ever been more prepared to be @POTUS.

Entsprechend selbstbewusst tritt Obama auf. Sein Einsatz für Clinton erfolge auch aus Eigeninteresse, sagt Allan Lichtman, Politik-Professor an der American University in Washington: "Für Obamas Erbe wäre es enorm wichtig, wenn ihm eine Demokratin im Amt folgt. Wenn Trump gewählt wird, dann geht all das den Bach herunter, wofür Obama acht Jahre gearbeitet hat."

Zumal Obama einige seiner wichtigsten Ziele im Alleingang ohne Zustimmung im republikanisch dominierten Kongress durchgesetzt hat. Ein Präsident Trump würde aus dem Klimaschutzabkommen von Paris aussteigen, die Energiewende in den USA rückgängig machen, den Atomdeal mit dem Iran kippen, die neue Kuba-Politik stoppen und besonders konservative Richter am Obersten Gerichtshof ernennen, so dass auch die Homo-Ehe vielleicht nicht von Dauer wäre.

Obamas dritte Amtszeit?

Umgekehrt wäre ein Sieg Clintons eine Bestätigung der Politik Obamas und eine Art dritte Amtszeit für ihn. Auch deshalb beschwört Obama die Menge, wie wichtig es ist, Clinton zur Präsidentin zu wählen: "Ich will wirklich, wirklich, wirklich, dass Clinton gewählt wird!"

Mit einem Sieg Clintons hätte Obama einen Platz in den Geschichtsbüchern sicher. Er wäre dann ein Epoche-prägender Präsident. Denn nur ganz selten haben es US-Präsidenten geschafft, nach zwei eigenen Amtszeiten die Macht an einen Nachfolger aus der eigenen Partei zu übergeben: Im letzten Jahrhundert gelang das nur Ronald Reagan und Franklin D. Roosevelt.

Obamas Erbe - Der Präsident als Wahlkampfhelfer
M. Ganslmeier, ARD Washington
03.11.2016 11:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. November 2016 um 07:20 Uhr

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