Donald Trump mit seinem künftigen Vize-Präsidenten Mike Pence | Bildquelle: AP

Künftiger US-Vize-Präsident Pence Der Erzkonservative

Stand: 10.11.2016 18:05 Uhr

Er ist der Politik-Profi hinter Donald Trump: Mike Pence, der künftige Vize-Präsident. Zwölf Jahre saß er im Repräsentantenhaus, fünf Jahre war er Gouverneur. Pence ist erfahren - und erzkonservativ.

Mike Pence sagte einmal von sich, er sei Christ, Konservativer und Republikaner - in dieser Reihenfolge. Er gab konservativen Republikanern und evangelikalen Christen, die mit dem Kandidaten selbst höchst unzufrieden waren, einen Grund, Trump zu wählen.

Gleichzeitig bringt Pence die Regierungserfahrung mit, die Trump fehlt. Über seine Arbeit als Gouverneur sagte er: "Ich bin stolz, dass ich aus einem Staat komme, der funktioniert. Indiana hat ausgeglichene Haushalte. Wir haben Steuern gekürzt und Rekordinvestitionen in Bildung und Infrastruktur gemacht. Ich beende meine Amtszeit mit zwei Milliarden Dollar auf der Bank."

Landesweit in der Kritik

Doch in seiner Zeit als Gouverneur stand Mike Pence wegen seiner extrem konservativen Ansichten auch kurz vor dem Ende seiner politischen Karriere. 2015 führte er ein Gesetz zur Religionsfreiheit ein. Es hätte Geschäfts- und Restaurant-Besitzern in Indiana erlaubt, homosexuelle Paare aus religiösen Gründen nicht zu bedienen. Nach heftiger landesweiter Kritik änderte er das Gesetz.

Es war nicht das erste Mal, dass Pences Haltung gegen Homosexuelle in seine Politik einfloss. Kurz nachdem er in den Kongress gewählt wurde, forderte er im Jahr 2000 das Parlament dazu auf, für Einrichtungen zu spenden, die Menschen dabei unterstützten, "ihr sexuelles Verhalten zu ändern". Sie sollten also von ihrer Homosexualität "geheilt" werden.

Gegner von Abtreibungen

Jüngst machte Pence erneut Schlagzeilen. Im März setzte er in Indiana eines der striktesten Gesetze gegen Abtreibung im ganzen Land in Kraft. Das Gesetz wurde von von einem Bundesgericht vorerst blockiert. Dagegen kann der Bundesstaat aber noch vorgehen.

Pence hat sich in der Vergangenheit auch als Klimawandel-Skeptiker und als Zweifler an der Evolutionstheorie gezeigt. In einem Interview 2009 unterstrich er, dass alles auf der Welt von Gott geschaffen sei.

Tim Kaine (links) und Mike Pence (rechts) kurz vor dem TV-Duell | Bildquelle: AFP
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Im TV-Duell gegen seinen demokratischen Konkurrenten Tim Kaine (l.) konnte Pence mit seiner ruhigen, abgeklärten Art punkten.

Erfahrener Vermittler

Im Gegensatz zu Trump ist Pence ein Insider der Republikaner und genießt in der Partei einen guten Ruf. In seinen zwölf Jahren im Repräsentantenhaus und fünf Jahre als Gouverneur knüpfte er ausgezeichnete Kontakte, die ihm in Zukunft nutzen könnten. Paul Ryan, der Sprecher des Repräsentantenhauses, der Donald Trump lange nicht unterstützen wollte, sagte, er sei "großer Fan" von Pence.

Folgt Pence seinem Vorbild?

Im Wahlkampf stand Pence meist im Schatten von Trump. Seine Aufgabe war es, den Kontakt zur Partei aufrechtzuhalten. Bei seinen öffentlichen Auftritten versuchte er, Trumps Äußerungen abzumildern. Als Trump im Wahlkampf immer wieder sagte, die Wahl sei manipuliert, erklärte Pence: "Die Amerikaner fühlen ganz real, dass die demokratische Partei und viele in den Medien zusammenarbeiten, um den Wandel zu verhindern, den die Amerikaner ersehnen. Ein stärkeres und stolzeres Amerika, dafür kämpfen wir bis zum Wahltag."

Im Endeffekt hat Mike Pence ein politisches Pokerspiel gewonnen. Er verzichtete darauf, sich als Gouverneur von Indiana zur Wiederwahl zu stellen und setzte alles auf die Karte Trump. Mit Erfolg: "Amerika hat einen neuen Präsidenten gewählt. Es ist schwierig für mich, die Ehre auszudrücken, die ich und meine Familie empfinden, als euer Vize-Präsident zu dienen", sagte Pence auf der Siegesfeier des Trump-Lagers in New York.

Republikaner gehen davon aus, dass Pence im Weißen Haus eine aktive Rolle spielen wird. Zum Beispiel als Verbindungsmann zum Kongress - wichtig, um dort die nötigen Mehrheiten zu organisieren. Pence selbst hat einmal gesagt, sein Vorbild sei Dick Cheney, der Vize von George W. Bush. Cheney galt ja als graue Eminenz und wahrer Entscheider hinter Bush.

Mit Informationen von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Porträt des neuen Vize-Präsidenten Mike Pence
Jan Bösche, ARD Washington
10.11.2016 11:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk bereits am 15. Juli 2016 um 18:27 und 23:47 Uhr.

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