Hillary Clinton bei einer Wahlkampfveranstaltung | Bildquelle: dpa

FBI-Ermittlungen gegen Clinton Bombe oder Bumerang?

Stand: 31.10.2016 16:21 Uhr

Wie sehr schaden die neuen FBI-Ermittlungen Hillary Clinton? Das wird sich wohl erst am Wahltag zeigen. Dagegen sieht sich FBI-Chef Comey Vorwürfen ausgesetzt, er habe mit dem Durchsuchungsbefehl gegen geltendes Recht verstoßen.

Von Andreas Horchler, ARD-Studio Washington

US-Medien berichten pausenlos von einer "Bombshell" - wie eine Bombe sei die Nachricht von der neuen FBI-Untersuchung weniger als zwei Wochen vor der Wahl eingeschlagen.

Allerdings: Es gab in den vergangenen Wochen und Monaten schon mehrere Einzelereignisse, die das Rennen um das Weiße Haus vermeintlich entschieden hatten. Hillary Clintons Lungenentzündung und ihr Zusammenbruch am 11. September, Donald Trumps frauenfeindliche Sex-Prahlerei auf einer Aufnahme, die über zehn Jahre alt ist. Stammwähler beider Lager lassen sich von diesen Nachrichten aber nicht beeinflussen.

Trump will Affäre ausnutzen

Jetzt stellt sich die Frage, was die neuen E-Mails mit Clinton zu tun haben und ob ihr dieses Mal ein Fehlverhalten nachzuweisen ist, das ein Verfahren nach sich ziehen könnte. Trump will Kapital aus der Geschichte schlagen: "Hillary Clintons Korruption hat ein Maß erreicht, das wir noch nie zuvor gesehen haben", rief er Wählern in Nevada zu.

Clinton hielt dagegen: "Wir haben von diesen Gerüchten gehört, wir wissen doch gar nicht mehr, was wir glauben sollen. Sicher wird es noch mehr Gerüchte geben", wehrte sich die Demokratin.

Keine Ergebnisse vor dem Wahltag

Schon vor Wochen wussten FBI-Beamte von den neuen E-Mails, schrieben US-Medien. Direktor James Comey erfuhr allerdings erst am Donnerstag von den neuen Daten und informierte Kongressabgeordnete. Das FBI hat zwar einen Durchsuchungsbefehl zu den neu aufgetauchten E-Mails erwirkt. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass die vielen Tausend Nachrichten bis zum Wahltag am 8. November überprüft sein werden.

Der demokratische Senator Harry Reid fuhr schweres Geschütz gegen Comey auf: Dieser habe möglicherweise gegen ein Gesetz verstoßen, das der Bundespolizei die Einflussnahme bei Wahlen verbietet. "Es gibt doch bisher keinen Vorwurf eines Fehlverhaltens. Vielleicht geht es ja gar nicht um ihren Server, vielleicht hat es gar nichts mit ihr zu tun", klagte Clintons Kampagnen-Manager John Podesta.

Mails von Ex-Ehemann von Clintons Beraterin

Das Paar Weiner und Abedin | Bildquelle: dpa
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Das Paar Weiner und Abedin - er sendete Sex-Nachrichten und flog aus dem Kongress.

Comey hatte am Freitag angekündigt, das FBI werde sich erneut mit der Affäre um Clintons privaten E-Mail-Server befassen. Neu aufgetauchte Mails könnten für den Fall von Belang sein.

Die Mails stammen von einem Laptop des ehemaligen Kongressabgeordneten Anthony Weiner. Das FBI ermittelt gegen ihn wegen Sex-Eskapaden, unter anderem Aufgrund von Nachrichten an eine 15-Jährige. Weiners inzwischen von ihm getrennt lebende Frau Huma Abedin ist enge Beraterin Hillary Clintons. Die Eheleute sollen den Computer gemeinsam genutzt haben. "Wir hätten nie gedacht, dass wir einmal Anthony Weiner danken werden", rief Trump seinen Anhängern in Nevada sarkastisch zu.

Vertrauensverlust für Clinton?

Wie groß der Schaden der neuen E-Mail-Untersuchung für Clinton sein wird, ist noch unklar. In manchen Bundesstaaten zeigen neue Trends, dass sich ihr Rivale von seinen schlechten Werten erholt. Schien das Rennen zwischen Clinton und Trump noch vor Tagen entschieden, fürchten die Demokraten in den vergangenen Tagen vor der Wahl einen weiteren Vertrauensverlust gegenüber ihrer Kandidatin.

Über dieses Thema berichteten die tagesschau am 31. Oktober 2016 um 04:50 Uhr und das ARD-Morgenmagazin um 05:40 Uhr.

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