Hillary Clinton bei einem Wahlkampfauftritt  | Bildquelle: AP

CNN bestreitet Vorwürfe Clinton-Lager mit Vorab-Infos unterstützt?

Stand: 01.11.2016 03:06 Uhr

Immer wieder hatte Donald Trump behauptet: Hillary Clinton wird vor den TV-Debatten über die Fragen informiert. Nun scheinen ihn WikiLeaks-Enthüllungen zu bestätigen. Im Zentrum steht dabei die derzeitige Demokraten-Chefin Brazile, die lange für den Sender CNN arbeitete.

Die Plattform WikiLeaks hat vertrauliche E-Mails von demokratischen Parteistrategen veröffentlicht, die den Verdacht nahelegen, dass US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton bei TV-Debatten im Vorwahlkampf vorab über anstehende Fragen informiert worden sein könnte.

Im Zusammenhang mit dem Bekanntwerden der neuen gehackten E-Mails trennte sich der Sender CNN von der prominenten Politikanalystin Donna Brazile, die die Fragen vorab an Clintons Team weitergeleitet haben soll. CNN teilte mit, der Sender habe bereits am 14. Oktober den Rücktritt Braziles angenommen.

In dem Fall geht es um E-Mails, die Brazile an Clintons Wahlkampfchef John Podesta und andere Kampagnenmanager schrieb. Sie nehmen Bezug auf bevorstehende TV-Debatten, die von CNN ausgerichtet wurden und in denen sich Clinton und ihr damaliger parteiinterner Gegner Bernie Sanders gegenüberstanden.

Donna Brazile | Bildquelle: AFP
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Donna Brazile ist kommissarische Chefin der US-Demokraten. Davor war sie eine bekannte Kommentatorin bei CNN.

"Bekomme die Fragen gelegentlich vorab"

Die Mails lassen den Schluss zu, dass Brazile der Kandidatin einen Vorteil gegenüber Sanders verschaffen wollte. In einer E-Mail an Podesta schrieb Brazile im März: "Eine der Fragen morgen an HRC (Hillary Rodham Clinton, Anm. d. Red.) wird von einer Frau mit Ausschlag kommen. Ihre Familie leidet an Bleivergiftung, und sie wird fragen, was Hillary tun wird, um den Menschen in Flint zu helfen." Flint ist eine Stadt, die damals wegen vergifteten Leitungswassers in den Nachrichten war. Bei der Debatte am folgenden Tag wurde Clinton dann tatsächlich von einer Frau befragt, die über Hautprobleme in ihrer Familie berichtete. Allerdings stellte die Frau eine andere Frage.

In einer weiteren gehackten Mail, die sich an eine Clinton-Mitarbeiterin richtete, schrieb Brazile, dass sie "gelegentlich die Fragen vorab" bekomme und diese vor den TV-Debatten an das Wahlkampfteam weiterleiten könne.

CNN: "Absolutes Unbehagen"

Der Sender CNN kritisierte Braziles Vorgehen. Im Sender herrsche "absolutes Unbehagen über das, was wir über ihre Kontakte mit dem Clinton-Team während ihrer Zeit als Mitarbeiterin erfahren haben". Der Sender beteuerte, dass er Brazile niemals Zugang zu Gästen der TV-Debatten und erwarteten Fragen gewährt habe.

Brazile ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten aus dem Parteiapparat der US-Demokraten. Seit Juli ist sie kommissarische Parteivorsitzende, nachdem die vorherige Chefin ihren Posten - ebenfalls wegen WikiLeaks-Enthüllungen - aufgegeben hatte. Seit Juli hatte Brazile ihren Vertrag mit CNN ruhen lassen und war nicht mehr als Analystin aufgetreten.

Clintons Gegenkandidat Donald Trump hatte im Wahlkampf immer wieder den Vorwurf erhoben, die Demokratin sei vorab über Fragen in TV-Debatten informiert worden; Belege hatte er dafür aber nicht vorgelegt.

Die neuen Enthüllungen von WikiLeaks sind Teil einer ganzen Serie von Veröffentlichungen, die auf interne Mails aus dem gehackten E-Mail-Konto von John Podesta beruhen und den Wahlkampf der Demokraten belasten. Die Geheimdienste vermuten, dass Russland hinter dem Hackerangriff und den Veröffentlichungen steht. Clinton sieht darin einen Versuch, den Wahlkampf zu ihren Lasten zu beeinflussen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. November 2016 um 06:30 Uhr.

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