Hillary Clinton spricht auf einer Wahlkampfveranstaltung der Demokraten in Wisconsin | Bildquelle: REUTERS

US-Bundesstaat Wisconsin Clinton-Team unterstützt Neuauszählung

Stand: 26.11.2016 22:47 Uhr

In Wisconsin müssen die Stimmen neu ausgezählt werden, da die Grünen-Kandidatin Jill Stein dies beantragt hatte. Nun schließt sich das Lager von Hillary Clinton der Initiative an. Es gebe aber weiter keine eigenen Beweise für Manipulationen, so ihr Team.

Das Wahlkampf-Team der unterlegenen US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton unterstützt die Neuauszählung der Stimmen in drei Bundesstaaten mit besonders knappem Wahlergebnis: Wisconsin, Pennsylvania und Michigan.

Nach Angaben von Rechtsberater Marc Erik Elias will sich das Lager jetzt aktiv an der Initiative der Grünen-Bewerberin Jill Stein beteiligen, die bereits eine Nachzählung in Wisconsin beantragt hat und einen solchen Schritt auch in Pennsylvania und Michigan plant.

Da Clintons Team keine gerichtsfähigen Beweise für Hackerangriffe oder Versuche von außerhalb, die Wahltechnik zu manipulieren, entdeckt habe, sei nicht geplant gewesen, dass es diese Option selbst verfolge, schrieb Elias in einem Blog. Doch nun, da eine Neuauszählung in Wisconsin initiiert worden sei, werde sich Clintons Lager daran beteiligen, "um sicherzustellen, dass der Prozess auf eine Art abläuft, die für alle Seiten fair ist".

Hätte Clinton am 8. November diese drei Staaten für sich entschieden, wäre sie die Gesamtsiegerin und nicht der Republikaner Donald Trump.

Jill Stein | Bildquelle: REUTERS
galerie

Auf ihre Initiative geht die Neuauszählung in Wisconsin zurück: Grünen-Kandidatin Jill Stein.

Geringe Chancen auf Präsidentschaft

Experten halten die Chance, dass Neuauszählungen Clinton nachträglich die Präsidentschaft bescheren, aber für äußerst gering. So hatte das Lager auch nicht selbst die Inititive dafür ergriffen, sondern schließt sich jetzt lediglich Vorstößen der - bei der Wahl völlig chancenlosen - Grünen-Bewerberin Stein an.

Die Neuauszählung in Wisconsin muss bis spätestens 13. Dezember abgeschlossen sein. Der Bundesstaat und seine zehn Wahlmänner-Stimmen waren völlig überraschend mit einem Vorsprung von rund 27.000 Stimmen an Trump gegangen. Stein will auch Nachzählungen in Pennsylvania und Michigan anstrengen - nur wenn alle drei Staaten kippen sollten, würde sich das Gesamtergebnis ändern.

Computer-Experten hatten darauf hingewiesen, dass die in Wisconsin benutzten Wahlautomaten anfällig für Hackerangriffe seien und deswegen in anderen Bundesstaaten, etwa Kalifornien, nicht benutzt werden dürften. Die unterlegene Clinton hatte in Stimmbezirken, in denen Wahlmaschinen benutzt wurden, signifikant schlechter abgeschnitten als in Wahllokalen, wo auf handgeschriebene Stimmzettel gesetzt worden war.

Ross Douthat von der "New York Times" sagte dazu: "Es gab viele Meldungen über die Differenz zwischen den Ergebnissen, die mit Wahlzetteln zustande gekommen sind, und denen die elektronisch erfasst wurden. Aber das erklärt sich meist darüber, dass in ländlichen Regionen eher mit Wahlzetteln gewählt wird, und in städtischen Bezirken eher elektronisch."

Trump spricht von Schwindel

Trump bezeichnete Steins Antrag auf Neuauszählung in Wisconsin als Schwindel. Die Grünen-Kandidatin fülle damit nur ihre eigenen Taschen. Den Großteil der Spenden werde sie niemals für diese "lächerliche Neuauszählung" ausgeben. Die US-Grünen hatten dafür 5,8 Millionen Dollar eingesammelt. Die Ergebnisse der Wahl sollten respektiert werden, forderte Trump.

Landesweit waren bei der Wahl am 8. November auf Clinton rund zwei Millionen mehr Stimmen entfallen, als auf Trump. Die Vergabe der Wahlmänner erfolgt jedoch auf Basis der Bundesstaaten nach dem Winner-Takes-All-Prinzip: Hohe Siege zählen nicht mehr als knappe.

Clinton unterstützt Neuauszählung
S. Fritz, ARD Washington
26.11.2016 20:38 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 26. November 2016 um 12:03 Uhr

Darstellung: