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Angriffe auf US-Vertretungen
"Es dürfen keine weiteren Amerikaner sterben"
Nach Angriffen in mehreren arabischen Staaten sind die Sicherheitsvorkehrungen für alle US-Vertretungen verschärft worden. Anlässlich der Freitagsgebete werden neue Ausschreitungen befürchtet. Derweil versucht US-Präsident Obama Entschlossenheit zu beweisen - ohne weiter Öl ins Feuer zu gießen.
Von Anna Engelke, NDR-Hörfunkstudio Washington
Seit zwei Tagen wachen die US-Bürger mit schlimmen Nachrichten auf: gewaltsame Angriffe auf ihre diplomatischen Vertretungen in Ägypten, Libyen und im Jemen. Schon vier tote US-Botschaftsangehörige - viele Menschen in den USA sind verunsichert. Darauf ging Präsident Barack Obama bei einem Wahlkampfauftritt im US-Bundesstaat Colorado ein. Er wisse, es sei manchmal schwierig, diese verstörenden Bilder im Fernsehen anzugucken, sagte Obama.
Erneute Proteste gegen US-Botschaft in Kairo
tagesschau 12:00 Uhr, 14.09.2012, Matthias Ebert, ARD Kairo
Bei seinem Auftritt in Colorado war er ganz Commander in Chief, ganz Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte. "Ich möchte, dass Sie wissen, dass wir diejenigen zur Rechenschaft ziehen werden, die unsere amerikanischen Mitbürger umgebracht haben."
"Das ist meine höchste Priorität"
Ungefähr zeitgleich kam aus der libyschen Hauptstadt Tripolis die Nachricht, dass dort mehrere Männer festgenommen wurden, die verdächtigt werden, den US-Botschafter in Libyen und drei seiner Mitarbeiter getötet zu haben. "Es dürfen keine weiteren amerikanischen Staatsbürger sterben", betonte Obama auf der Wahlkampfveranstaltung. Er habe seine Regierung angewiesen, alles zu tun, um sämtliche Amerikaner zu schützen, die im Ausland arbeiten. "Als Präsident ist das meine höchste Priorität."
Deshalb sichern jetzt 50 Elitesoldaten der Marines die US-Botschaft in Tripolis, wurden zwei amerikanische Kriegsschiffe mit "Tomahawk"-Marschflugkörpern vor die libysche Küste verlegt und überwachen jetzt Drohnen den libyschen Luftraum. Auf Obamas Anweisung hin wurden zudem die Sicherheitsvorkehrungen an US-Botschaften rund um die Welt weiter verschärft. "Wir stehen zudem in Kontakt mit anderen Regierungen, um zu unterstreichen, dass sie verpflichtet sind, unsere Bürger zu beschützen. Das ist ihr Job."
Vor allem mit der zögerlichen Reaktion des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi war Obama unzufrieden. Mursi verurteilte erst gestern - also mit mehr als einem Tag Verspätung - die gewalttätigen Übergriffe auf die US-Botschaft in Kairo.
Protesten gegen US-Einrichtungen auch Thema im Wahlkampf
A. Engelke, ARD Washington
14.09.2012 01:45 Uhr
Clinton: Widerliches und verwerfliches Video
Während Obama als Commander in Chief versuchte, seine Landsleute zu beruhigen, war Außenministerin Hillary Clinton in Washington bemüht, so weit wie möglich auf Abstand zu dem anti-islamischen Film aus Kalifornien zu gehen - dem Anlass für die Ausschreitungen im Nahen Osten. Die US-Regierung habe absolut nichts mit diesem Video zu tun. "Wir weisen dessen Inhalt und Botschaft auf das schärfste zurück", so Clinton.
Bundesaußenminister Westerwelle (FDP) zu den Unruhen im Nahen Osten
ARD-Morgenmagazin, 14.09.2012
Als widerlich und verwerflich bezeichnete Clinton das Video, in dem der Prophet Mohammed lächerlich gemacht wird. Aber im selben Atemzug fügte die US-Außenministerin hinzu: "Es gibt keine Rechtfertigung, überhaupt keine, auf dieses Video mit Gewalt zu reagieren." Inwieweit die Worte von Clinton Gehör in muslimischen Ländern finden, das ist die große Frage. In Washington sorgen sich viele, dass es nach den heutigen Freitagsgebeten zu einer weiteren Eskalation der Gewalt gegen US-Einrichtungen kommt.
Stand: 14.09.2012 05:05 Uhr
