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Sturm auf US-Botschaft im Jemen

Film als Auslöser für Angriffe

Anti-amerikanische Proteste weiten sich aus

In der islamischen Welt weiten sich die Proteste gegen einen Schmäh-Film über den Propheten Mohammed aus. In der jemenenitischen Hauptstadt Sanaa stürmten Hunderte Demonstranten die US-Botschaft. Sie drangen durch das Haupttor des schwer bewachten Geländes ein und setzten dort mehrere Fahrzeuge in Brand. Auf dem Gelände holten sie die US-Flagge ein und zündeten sie an.

Dann griff die Polizei ein und drängte die Menge mit Warnschüssen und Wasserwerfern zurück. Verschiedenen Berichten von Nachrichtenagenturen zufolge soll es bei den Auseinandersetzungen auch Tote gegeben haben. Die Zahlenangaben schwanken zwischen eins und vier. Zudem sollen mehrere Menschen verletzt worden sein.

Der jemenitische Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi zeigte sich "bestürzt" über den Angriff auf die Botschaft. Die Demonstranten hätten sich verantwortungslos verhalten, sagte er.

Proteste gegen islamfeindlichen Film weiten sich aus
tagesthemen 22:15 Uhr, 13.09.2012, Thomas Stephan, ARD Kairo

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Die wütenden Demonstranten protestierten gegen den antiislamischen Film "Innocence of Muslims" ("Die Unschuld der Muslime"). Sie skandierten "Oh Prophet! Oh Mohammed". Der in den USA produzierte Film, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird, ist Auslöser für die aktuellen Ausschreitungen in vielen muslimischen Ländern und für den tödlichen Anschlag am Dienstag auf den libyschen US-Botschafter sowie drei weiterer amerikanischer Mitarbeiter.

Die libyschen Behörden leiteten Ermittlungen ein. Mehrere Verdächtige seien festgenommen worden, sagte Vizeinnenminister Wanis al Scharef. Später gab er die Zahl der Festgenommenen mit vier an. Sie würden verdächtigt, die Menschen vor der Botschaft zur Gewalt angestiftet zu haben.

Die libysche Regierung setzte zudem nach eigenen Angaben eine Untersuchungskommission ein, der Experten des Justiz- und des Innenministeriums angehören. Die Ermittlungen seien jedoch kompliziert, da die Menschenmenge vor dem Konsulat sehr heterogen gewesen sei.

Wütender Protest vor der US-Botschaft in Sanaa.
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Wütender Protest vor der US-Botschaft in Sanaa.

Demonstranten fliehen vor der Polizei, die die Menge vor der US-Botschaft mit Warnschüssen vertrieb.
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Die Polizei in Sanaa vertrieb die Menge vor der US-Botschaft mit Warnschüssen.

Proteste in Ägypten, Tunesien und Marokko

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo versuchen Demonstranten seit Mittwochabend, in die US-Botschaft vorzudringen. Die Protestierenden hätten Steine und Brandsätze geworfen, als die Polizei Tränengas einsetzte, berichtete CNN unter Berufung auf ägyptische Behörden. Augenzeugen und Krankenhausärzte berichteten, dass zahlreiche Menschen bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei verletzt wurden. Unter den Verletzten seien auch zahlreiche Polizisten.

Angriffe auf US-Botschaften im Nahen Osten
P. Steffe, ARD Kairo
13.09.2012 11:55 Uhr

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Ägyptens Präsident Mohammed Mursi versicherte in Brüssel, seine Regierung werde alle Besucher, Touristen und diplomatischen Vertretungen im Land beschützen. Er forderte US-Präsident Barack Obama in einem Telefonat auf, das provozierende Verhalten des Filmproduzenten zu stoppen.

Die Muslimbruderschaft, aus der Mursi stammt, hat für Freitag zu Protesten gegen den Film aufgerufen. Mursis Sprecher forderte die US-Regierung auf, sich von dem Film zu distanzieren. Gleichzeitig sagte er, die Demonstrationen gegen das Machwerk müssten friedlich bleiben.

Auch in Tunesien protestierten Hunderte Menschen. Unweit der Hauptstadt Tunis setzte die Polizei Tränengas gegen rund 300 Demonstranten ein, die auf das Gelände der dortigen US-Botschaft vordringen wollten, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Nach Angaben von Sicherheitskräften sollen fünf Personen festgenommen und zwei Polizisten verletzt worden sein.

Auch in Casablanca in Marokko, im Sudan und in Bangladesch kam es zu Protesten. Einige Dutzend Menschen protestierten zudem im Gazastreifen gegen die USA und zündeten vor dem Sitz der UN-Vertretung US-Fahnen an. In Bangladesch versuchten rund 1000 Islamisten, zur US-Botschaft in Dhaka zu marschieren.

Matthias Ebert (ARD Kairo) zu den anti-amerikanischen Protesten
tagesthemen 22:15 Uhr, 13.09.2012

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Demonstranten fordern in Teheran Tod des Filmemachers

Etwa 500 Menschen versammelten sich vor der Schweizer Botschaft in Teheran, die auch die Interessen der USA im Iran vertritt. Sie forderten den Tod des Filmproduzenten, wie die Schweizer Zeitung "20 Minuten" berichtet. Laut dpa sagte ein Demonstrant: "Der Film kann nur eine Kriegserklärung gegen den Islam und die Muslime sein, denn gegen diese absichtliche Beleidigung sind die Satanischen Verse und die Mohammed-Karikaturen Kinderkram."

Ausschreitungen bei Freitagsgebeten erwartet

Beobachter befürchten, dass die Ausschreitungen mit dem Freitagsgebet auf weitere Länder in der islamischen Welt übergreifen. Die afghanische Regierung wies die Internetbetreiber in ihrem Land an, die Webseite Youtube zu sperren, um die Menschen in Afghanistan davon abzuhalten, den Mohammed-Film zu sehen. In mehreren asiatischen Ländern wurden die Sicherheitsvorkehrungen für US-Vertretungen verschärft. Auch der Schutz deutscher Vertretungen in muslimischen Ländern wurde verstärkt.

Auch in Deutschland könnte es zu Protesten kommen. Die rechtspopulistische Organisation Pro Deutschland kündigte an, den umstrittenen Film in Berlin zeigen zu wollen. Die Gruppierung hatte in den vergangenen Monaten bereits mit dem öffentlichen Zeigen von Mohammed-Karikaturen Konflikte mit muslimischen Mitbürgern provoziert.

Stand: 13.09.2012 18:05 Uhr

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