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Ein Film und seine Folgen
Sturm auf US-Botschaft im Jemen
Im Jemen haben Hunderte Demonstranten die US-Botschaft in der Hauptstadt Sanaa gestürmt. Sie drangen durch das Haupttor des schwer bewachten Geländes ein und setzten dort mehrere Fahrzeuge in Brand. Auf dem Gelände holten sie die US-Flagge ein und zündeten sie an.
Dann griff die Polizei ein und drängte die Menge mit Warnschüssen und Wasserwerfern zurück. Die Nachrichtenagentur AFP berichtet mit Bezug auf die jemenitische Polizei, Sicherheitskräfte hätten einen Demonstranten erschossen. Fünf Menschen seien verletzt worden. Der jemenitische Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi zeigte sich "bestürzt" über den Angriff auf die Botschaft.
Proteste gegen US-Einrichtungen weiten sich aus
tagesschau 17:00 Uhr, 13.09.2012, Matthias Ebert, ARD Kairo
Zuvor hatten mehrere tausend wütende Demonstranten bei Protesten gegen den antiislamischen Film "Innocence of Muslims" ("Die Unschuld der Muslime") "Oh Prophet! Oh Mohammed" skandiert. Dieser in den USA produzierte Film, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird, ist Auslöser für die aktuellen Ausschreitungen in vielen arabischen Ländern und für den tödlichen Anschlag am Dienstag auf den libyschen US-Botschafter sowie drei weiterer amerikanischer Mitarbeiter.
Die libyschen Behörden leiteten inzwischen Ermittlungen ein. Mehrere Verdächtige seien festgenommen worden, sagte Vizeinnenminister Wanis al Scharef. Zur Zahl der Festgenommenen und deren Hintergründen machte er jedoch keine Angaben. Die libysche Regierung setzte zudem nach eigenen Angaben eine Untersuchungskommission ein, der Experten des Justiz- und des Innenministeriums angehören. Die Ermittlungen seien jedoch kompliziert, da die Menschenmenge vor dem Konsulat sehr heterogen gewesen sei.
Proteste in Ägypten, Tunesien und Marokko
In der ägyptischen Hauptstadt Kairo versuchen Demonstranten seit Mittwochabend, in die US-Botschaft vorzudringen. Die Protestierenden hätten Steine und Brandsätze geworfen, als die Polizei Tränengas einsetzte, berichtete CNN unter Berufung auf ägyptische Behörden. Augenzeugen und Krankenhausärzte berichteten, dass 80 Menschen bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei verletzt wurden. Unter den Verletzten seien auch zahlreiche Polizisten. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, um die Demonstranten von der Botschaft fernzuhalten.
Angriffe auf US-Botschaften im Nahen Osten
P. Steffe, ARD Kairo
13.09.2012 11:55 Uhr
Ägyptens Präsident Mohammed Mursi versicherte in Brüssel, seine Regierung werde alle Besucher, Touristen und diplomatischen Vertretungen im Land beschützen. Er forderte US-Präsident Barack Obama in einem Telefonat auf, das provozierende Verhalten des Filmproduzenten zu stoppen.
Die Muslimbruderschaft, aus der Mursi stammt, hat für Freitag zu Protesten gegen den Film aufgerufen. Mursis Sprecher forderte die US-Regierung auf, sich von dem Film zu distanzieren. Gleichzeitig sagte er, die Demonstrationen gegen das Machwerk müssten friedlich bleiben.
In Tunesien protestierten Hunderte Menschen. Unweit der Hauptstadt Tunis setzte die Polizei Tränengas gegen rund 300 Demonstranten ein, die auf das Gelände der dortigen US-Botschaft vordringen wollten, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Nach Angaben von Sicherheitskräften sollen fünf Personen festgenommen und zwei Polizisten verletzt worden sein.
Auch in Casablanca in Marokko gingen bis zu 400 Menschen auf die Straßen. Einige Dutzend Menschen protestierten zudem im Gazastreifen gegen die USA und zündeten vor dem Sitz der UN-Vertretung US-Fahnen an.
Demonstranten fordern Tod des Filmemachers
Etwa 500 Menschen versammelten sich vor der Schweizer Botschaft in Teheran, die auch die Interessen der USA im Iran vertritt. Sie forderten den Tod des Filmproduzenten, wie die Schweizer Zeitung "20 Minuten" berichtet. Laut dpa sagte ein Demonstrant: "Der Film kann nur eine Kriegserklärung gegen den Islam und die Muslime sein, denn gegen diese absichtliche Beleidigung sind die Satanischen Verse und die Mohammed-Karikaturen Kinderkram."
Ausschreitungen bei Freitagsgebet erwartet
Beobachter befürchten, dass die Ausschreitungen mit dem Freitagsgebet auf weitere Länder in der islamischen Welt übergreifen. Die afghanische Regierung wies die Internetbetreiber in ihrem Land an, die Webseite Youtube zu sperren, um die Menschen in Afghanistan davon abzuhalten, den Mohammed-Film zu sehen.
Auch in Deutschland könnte es zu Protesten kommen. Die rechtspopulistische Organisation Pro Deutschland kündigte an, den umstrittenen Film in Berlin zeigen zu wollen. Die Gruppierung hatte in den vergangenen Monaten bereits mit dem öffentlichen Zeigen von Mohammed-Karikaturen Konflikte mit muslimischen Mitbürgern provoziert.
Stand: 13.09.2012 12:31 Uhr
