John F. Kennedy International Airport | Bildquelle: e! (Sonderhonorar)

Luftfahrtbranche in den USA Streik? Kaum möglich

Stand: 07.11.2015 11:26 Uhr

In den USA ist das Fliegen so alltäglich wie Busfahren. Und weil die Flugindustrie so wichtig ist, ist sie besonders geschützt: Ein Streik ist kaum möglich - viel zu risikoreich für die Angestellten.

Von Sabrina Fritz, ARD-Hörfunkstudio Washington

Die letzte große Streikwelle in der US-Luftfahrtindustrie ist 18 Jahre her. Die Piloten von American Airlines erschienen nicht zum Dienst. Eine halbe Stunde später hatte der damalige Präsident Bill Clinton den Streik beendet: "Wir hatten die Airline für schätzungsweise 24 Minuten lahmgelegt, als wir vom Weißen Haus die Nachricht erhielten, dass der Notstand ausgerufen wurde", verkündete der Vertreter der Pilotengewerkschaft damals.

"Notfalls greift die Regierung ein"

In den großen Vereinigten Staaten ist Fliegen so selbstverständlich wie Busfahren. "Die Flugindustrie in den USA ist deshalb vor Streiks besonders geschützt, weil die Branche so wichtig ist für die ganze Nation. Notfalls greift die Regierung ein, um Streiks zu verhindern", sagt Ann Hodges, Professorin für Arbeitsrecht.

Beide Seiten müssen ein Schlichtungsverfahren durchlaufen. Wenn dies keine Einigung bringt, kann die Regierung eine zweimonatige "Abkühlungsphase" verordnen, wie es in den USA heißt. In dieser Zeit müssen Piloten, Stewardessen und Bodenpersonal zum Dienst erscheinen. Wenn es dann immer noch keine Einigung gibt, kann das Parlament beide Seiten zwingen sich zu einigen, wenn die nationale Sicherheit in Gefahr ist.

Zwei Jahre später versuchten die Piloten einen anderen Weg. Ein Viertel meldete sich am selben Tag krank, doch ein Richter befahl sie zurück ins Cockpit. Schlecht erging es auch den 10.000 Fluglosten, die in den 80er-Jahren unter Präsident Ronald Reagan streiken wollten. Er entließ sie einfach.

Harte Arbeitsbedingungen - großer Job-Andrang

Die Angestellten in der US-Luftfahrtindustrie haben in den letzten Jahren viel durchgemacht. Nach dem Anschlag auf das World Trade Center lag die Branche komplett am Boden. Es gab Massenentlassungen, Insolvenzen, Fusionen. Heute sind die Arbeitsbedingungen härter als früher. Flieger bleiben kürzer am Boden, die Flüge sind meist bis auf den letzten Platz voll. Eine Stewardess verdient in den USA im Durchschnitt 2800 Euro im Monat. Der Andrang auf den Job ist enorm. Als Delta 300 Flugbegleiter suchte, bekam die US-Airline 22.000 Bewerbungen.

"Für Amerikaner ist es heute viel risikoreicher zu streiken. Die Arbeitgeber können sie schneller ersetzen. Das ist vom Gesetz gedeckt", so Rechtsprofessorin Hodges.

Flugzeuge von American Airlines und US Airways | Bildquelle: dpa
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Fliegen in den USA - so selbstverständlich wie Busfahren.

Ein-Tages-Streik zeigte Wirkung

Das heißt, die Mitarbeiter werden nicht entlassen, es werden aber Neue eingestellt. Wenn die Streikenden zurückkommen, ist ihr Bürostuhl besetzt. Sie haben kaum eine andere Wahl als zu gehen. Deshalb gab es in den letzten Monaten verstärkt den Ein-Tages-Streik. Mitarbeiter von Walmart oder McDonald's gingen für einen Tag auf die Straße, so schnell konnten sie nicht ersetzt werden. Damit haben sie in manchen Bundesstaaten bis zu 13,50 Euro Mindestlohn durchgesetzt.

Die starke Konjunktur hilft derzeit den Angestellten. In vielen Branchen werden Mitarbeiter gesucht. Große Unternehmen wie Netflix aber auch die Hotelkette Hilton bieten ihren Angestellten inzwischen zehn Wochen Mutterschutz an. Insgesamt sind in den USA sieben Prozent der Beschäftigten in Gewerkschaften organisiert.

Im Herbst 2011 streikten die Basketballspieler in den USA. Sie konnten sich mit ihren Vereinen nicht darüber einigen, wie die Eintritts- und Werbegelder verteilt werden. 22 Spiele lang blieb die Halle leer.

  

Streik in US-Luftfahrtindustrie kaum möglich
Sabrina Fritz, SWR Washington
07.11.2015 10:51 Uhr

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