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Illegale können Arbeitserlaubnis beantragen

Obamas "Dream Act" macht Einwanderern Hoffnung

Für viele illegale US-Einwanderer könnte jahrelange Unsicherheit zu Ende gehen: Unter bestimmten Bedingungen dürfen sie eine zweijährige Arbeitserlaubnis beantragen. Auch wenn es ein Schachzug sein könnte, mit dem sich Präsident Obama Wählerstimmen sichern will, freuen sich viele Aktivisten.

Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkstudio Washington

Prerna Lal war 14 Jahre, als ihre Eltern von den Fidji-Inseln nach Amerika kamen. Es dauerte sechs Jahre, bis ihre Eltern die begehrte Greencard erhielten und dauerhaft in den USA bleiben durften. Prerna war eine der Besten auf der Highschool und wollte studieren. Da teilte ihr die Einwanderungsbehörde mit, dass die Greencard ihrer Eltern für sie nicht gilt. Im Gegenteil: Seit sie volljährig sei, halte sie sich illegal im Land auf. Statt Studium drohte ihr die Abschiebung. "Dabei hatte ich keine Familie mehr in Fidji. Ich wusste überhaupt nicht wohin. Ich fühlte mich verraten. Es war ein großer Schock", erzählt sie.

Für Prerna begann eine traumatische Zeit. Die einzige Möglichkeit, in Amerika zu bleiben, sah ihre Familie in einer schnellen Heirat mit einem Amerikaner: "Meine Mutter und meine Schwester suchten Ehemänner für mich. Meine Schwester flog Freunde ein und stellte sie mir vor. Ich wehrte all das ab und versuchte mich zweimal umzubringen."

Porträt einer jungen Illegalen in den USA
M. Ganslmeier, NDR Washington
18.08.2012 11:11 Uhr

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Lösung im Internet

Sie zog fort aus Kalifornien und lebte ohne Aufenthaltserlaubnis, immer in der Angst, von den Einwanderungsbehörden entdeckt und abgeschoben zu werden. Im Internet fand sie ähnliche Schicksale und nahm Kontakt auf. Der Austausch mit Gleichgesinnten im Netz wurde zum Wendepunkt ihres Lebens, sagt Prerna: "Wir wollten nicht länger nur unsere Misere beklagen, sondern nach vorne schauen und vor allem sichtbar werden!"

Prerna gründete das Online-Netzwerk "DreamActivist.org". Aus 100 jungen "Traum-Aktivisten" wurden schnell 1000. Regionale Treffen kamen hinzu. Heute, fünf Jahre später, ist DreamActivist.org nicht nur eine Plattform im Internet, sondern mit 200.000 Mitgliedern die größte Interessenvereinigung junger Einwanderer ohne Aufenthaltserlaubnis. Ihren größten Erfolg hatten sie, als Präsident Barak Obama im Juni den "Dream-Act" verkündete: Die Möglichkeit für junge Illegale unter 30, eine zweijährige Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis zu bekommen.

"Das war eine großartige Nachricht", sagt Prerna. "Es war zugleich amüsant. Denn viele meiner Freunde hatten unmittelbar davor die Büros des Präsidenten in die Wahl entscheidenden Bundesstaaten belagert: in Ohio, Michigan und Colorado."

Einwanderer warten vor einem Büro, in dem sie Unterlagen für die Arbeitserlaubnis ausfüllen können.
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Viele junge Einwanderer können zumindest zeitweise mit einem sicheren Status in den USA rechnen.

Studium auch ohne Aufenthaltserlaubnis

Auch wenn Obama die Wählerstimmen der Latinos im Blick hatte: Für Prerna Lal sind die vielen jungen Menschen, die sich nun um eine Arbeitserlaubnis bewerben, eine Bestätigung ihrer jahrelangen Arbeit. Auch ohne Aufenthaltserlaubnis studiert sie seit zwei Jahren Jura an der George Washington University und arbeitet nebenbei in einer Anwaltskanzlei, die Einwanderer vor Gericht vertritt. "Ich liebe meinen Job", sagt Prerna: "Ich liebe es, wenn Menschen vor Gericht gewinnen. Ich liebe es, wenn sie ihre Greencard bekommen."

Eine Greencard braucht auch Prerna, damit sie dauerhaft in der Anwaltskanzlei arbeiten darf. Am 11. Oktober muss sie erneut nach Kalifornien und vor Gericht begründen, warum sie nicht abgeschoben werden soll. Dennoch glaubt sie, dass ihr Traum bald wahr wird: "Mein Traum ist es, eine Greencard zu bekommen und dann nach Fidji zu reisen, um dort auf einer Insel einen Pina Colada zu schlürfen."

Was aber, wenn der Republikaner Mitt Romney im November die Wahl gewinnt und Obamas "Dream-Act" rückgängig macht? Prerna glaubt an die Macht des Faktischen: Wenn über eine Millionen junge Einwanderer eine Arbeitserlaubnis bekommen, kann dies auch ein republikanischer Präsident nicht rückgängig machen.

Stand: 18.08.2012 02:18 Uhr

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