Dokumentation: Der US-Geheimdienstbericht zu Syrien

Dokumentation

Der Syrien-Bericht der US-Geheimdienste

Die USA sehen es als erwiesen an, dass syrische Regierungstruppen am 21. August Giftgas gegen Zivilisten eingesetzt und dabei mehr als 1400 Menschen getötet haben. US-Präsident Barack Obama beruft sich bei seiner Einschätzung der Vorfälle in Syrien auf US-Geheimdienstinformationen, die teilweise veröffentlicht wurden. Der Bericht in Auszügen.

In dem Bericht heißt es: "Die US-Regierung geht mit großer Gewissheit davon aus, dass die syrische Regierung am 21. August 2013 einen Chemiewaffenangriff auf Vororte von Damaskus verübt hat. Wir stellen weiterhin fest, dass das Regime in dem Angriff einen Nervenkampfstoff eingesetzt hat. [...] Wir haben ein Gespräch mit einem hochrangigen syrischen Vertreter abgefangen, der genaue Kenntnisse von der Offensive hat, den Einsatz von Chemiewaffen durch das Regime am 21. August bestätigt und fürchtet, dass UN-Inspektoren Beweise finden."

"Ein vorläufiger Bericht der US-Regierung kam zu dem Schluss, dass bei dem Chemiewaffen-Angriff 1429 Menschen getötet wurden, darunter mindestens 426 Kinder. Diese Einschätzung dürfte sich aber noch weiter entwickeln, wenn wir mehr Informationen gesammelt haben. [...] Wir halten das Szenario, dass die Opposition den Angriff am 21. August verübt hat, für höchst unwahrscheinlich."

"Das syrische Regime unterhält ein Arsenal verschiedener chemischer Stoffe, darunter Senfgas, Sarin und VX, und verfügt über Tausende von Munitionsträgern für chemische Kampfstoffe. Syriens Präsident Baschar al-Assad ist der höchste Entscheidungsträger für das Chemiewaffenprogramm und Mitglieder des Programms werden sorgfältig überprüft, um Sicherheit und Loyalität zu gewährleisten. [...] Wir gehen mit großer Gewissheit davon aus, dass das syrische Regime im vergangenen Jahr mehrmals Chemiewaffen in geringem Umfang gegen die Opposition eingesetzt hat, so auch in den Vororten von Damaskus. Diese Einschätzung basiert auf Informationen verschiedener Quellen, darunter Berichte syrischer Vertreter über die Planung und Ausführung von Chemiewaffen-Einsätzen sowie Laboranalysen biologischer Proben mehrerer Personen, die den Kontakt mit Sarin gezeigt haben. Wir stellen fest, dass die Opposition keine Chemiewaffen eingesetzt hat."

"Wir stellen fest, dass die syrische Führung Chemiewaffen im vergangenen Jahr vor allem dafür eingesetzt hat, um in Gebieten die Oberhand zu gewinnen oder einen Stillstand zu überwinden, wo sie Schwierigkeiten hatte, strategisch wichtiges Territorium zu erobern und zu halten. Deshalb stellen wir fest, dass das syrische Regime chemische Waffen als eines von mehreren Mitteln in seinem Arsenal betrachtet, [...] die es willkürlich gegen die Opposition einsetzt. [...] Nach unserer Einschätzung könnte die Frustration des Regimes über seine Unfähigkeit, große Teile von Damaskus unter seine Kontrolle zu bringen, zu seiner Entscheidung zum Chemiewaffeneinsatz am 21. August beigetragen haben."

"Satellitenaufnahmen bestätigen (Geheimdienstinformationen aus einer Vielzahl anderer Quellen), dass (am frühen Morgen des 21. August) von Gegenden unter Kontrolle des Regimes Angriffe auf Viertel verübt wurden, wo es Berichten zufolge zum Einsatz von Chemiewaffen kam. [...] In sozialen Netzwerken vor Ort tauchten die ersten Berichte über einen Chemiewaffenangriff auf Vororte von Damaskus am 21. August um 02.30 Uhr Ortszeit auf. Binnen vier Stunden gab es Tausende Berichte [...] von mindestens zwölf verschiedenen Standorten im Großraum Damaskus über diesen Angriff."

"Schätzungsweise 3600 Patienten mit Symptomen typisch für Kontakt mit Nervengas wurden am Morgen des 21. August in weniger als drei Stunden in drei Krankenhäuser im Großraum Damaskus eingeliefert, wie aus Informationen einer höchst glaubwürdigen internationalen Hilfsorganisation hervorgeht. [...] Wir haben 100 Videoaufnahmen identifiziert, die bei dem Angriff aufgenommen worden sein sollen. [...] Mehrere Filme zeigen scheinbar zahlreiche Todesopfer mit keinen sichtbaren Verletzungen, was typisch ist für den Tod durch Chemiewaffen."

"Wir kommen zu dem Schluss, dass die syrische Opposition nicht die Mittel hat, all diese Videos, von Medizinern und Nichtregierungsorganisationen bestätigten Symptome sowie andere Informationen in Verbindung mit diesem Chemieangriff zu fälschen." (Quelle: Reuters)

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. September 2013 um 05:30 Uhr.

Stand: 31.08.2013 14:16 Uhr

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