Kunde in einem US-Waffen-Geschäft (Bildquelle: picture alliance / dpa)

US-Finanzinvestor verkauft Anteile nach dem Amoklauf in Newtown Cerberus will keine Waffenschmiede mehr besitzen

Stand: 18.12.2012 20:39 Uhr

Der Amoklauf von Newtown könnte für die US-Waffenindustrie vieles verändern. Während des Geschäft mit Pistolen und Gewehren weiter gut läuft, steigt der Finanzinvestor Cerberus beim Waffenhersteller "Freedom Group" aus - weil es offensichtlich sei, dass die Tragödie "einen Wendepunkt" markiere.

Von Sabrina Fritz, SWR-Hörfunkstudio Washington

Sie heißt "Freedom Group" - Freiheitsgruppe - und ist nach eigenen Angaben der größte Hersteller für kommerzielle, also nicht-militärische Waffen in den USA. Die "Freedom Group" stellt Munition, Pistolen, Jagdgewehre und das "Bushmaster .223" her. Das ist ein Sturmgewehr, mit dem man in kürzester Zeit viele Schüsse abgeben kann. Ein Gewehr dieses Typs hat auch der Amokläufer von Newtown benutzt.

Man kann es in den USA in Kaufhäusern wie Walmart kaufen oder bei "Dick's Sporting Goods", einer Sportgeschäftekette. Walmart hatte noch vor dem Amoklauf eine Werbekampagne für das Gewehr geschaltet.

Gute Geschäfte - nach wie vor

Auf einer Waffenmesse in Utah werden halbautomatische Gewehre zum Verkauf angeboten. (Archivbild Januar 2012) (Bildquelle: picture alliance / landov)
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Die Geschäfte mit Waffen - hier eine Messe in Utah - laufen weiterhin gut. (Archivbild)

Die Waffengeschäfte in den USA laufen nicht schlecht. Der Gewinn der "Freedom Group" liegt in diesem Jahr um 40 Prozent höher als im vergangenen. Zur Zufriedenheit des Finanzinvestors Cerberus, der sich 2006 an der Waffenfabrik beteiligt und mehrere hundert Millionen Dollar investiert hatte - und der nun seine Anteile wieder loswerden will.

Warum man jetzt wieder aussteigen will, begründete Cerberus mit dem Amoklauf von Newtown. Es sei offensichtlich, dass die Tragödie in der Sandy-Hook-Schule einen Wendepunkt markiere, heißt es in einer Pressemitteilung.

Erster Gesetzentwurf für Anfang 2013 angekündigt

In der Tat wird seit diesem furchtbaren Freitag in den USA so ernsthaft über strengere Waffengesetze diskutiert wie seit langem nicht mehr. Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein will gleich zu Beginn des kommenden Jahres einen Gesetzentwurf einbringen, der den Verkauf und Besitz von Schnellfeuerwaffen verbietet.

Der Finanzinvestor Cerberus handelte auf Druck seines größten Geldgebers, dem Pensionsfonds der Lehrer in Kalifornien. Für diesen ist die Waffenindustrie offensichtlich keine Zukunftsbranche mehr. Vielleicht wollten die Lehrer ihr Geld darüber hinaus auch nicht mehr in eine Firma investieren, die Produkte herstellt, mit denen Kinder und Lehrer erschossen werden.

Wer wird die "Freedom Group" kaufen?

Die spannende Frage ist jetzt, wer die "Freedom Group" kaufen wird. Wie gesagt, noch boomt das Geschäft mit Pistolen, Gewehren und Schnellfeuerwaffen. Laut FBI wurden dieses Jahr rund 16 Millionen Waffen verkauft - so viele wie noch nie. Besonders nach Amokläufen stürmen die Amerikaner die Waffengeschäfte. Das war nach dem Kinoattentat von Aurora so und passiert auch jetzt nach der Tragödie von Newtown.

Außerdem befürchten viele Amerikaner, dass vielleicht doch die Waffengesetze kommendes Jahr verschärft werden. Davor will man sich noch einmal eindecken. So werden wohl unter vielen amerikanischen Weihnachtsbäumen auch in diesem Jahr wieder Pistolen und Sturmgewehre liegen.

Dieser Beitrag lief am 18. Dezember 2012 um 17:14 Uhr im Deutschlandfunk.

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