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Vor den TV-Duellen im US-Wahlkampf
Amerikaner wollen echte Debatte statt Phrasen
Alle großen US-Sender übertragen derzeit das erste TV-Duell der Präsidentschaftskandidaten. Amtsinhaber Obama und Herausforderer Romney haben viele ihrer Sätze vorher einstudiert. Doch interessierte Amerikaner wollen eine echte Diskussion, erfuhr unsere Korrespondentin auf ihrer Reise durch die USA.
Von Silke Hasselmann, Hörfunkstudio Washington
In einer kleinen Stadt im Südwesten des besonders umkämpften Staates Ohio fragt der 53-jährige Abe: "Haben Sie die Nachrichten in Amerika verfolgt, in denen immer die Rede davon ist, dass sich die Präsidentschaftskandidaten so sehr um die unabhängigen Leute bemühen, die nicht wissen, wen sie wählen werden?" So einer sei er.
Seit Präsident Barack Obama das Weiße Haus übernommen hat, habe sich in seiner Gegend nichts zum Guten geändert. Viele seien schon lange arbeitslos, auch er. Dennoch: "Viele mögen Präsident Obama, viele sind für die Republikaner - die Meinung ist gespalten." Er selbst mag Obama und Herausforderer Mitt Romney, weiß aber "einfach nicht, wer die Wahrheit sagt."
Erste TV-Debatte zwischen Obama und Romney steht kurz bevor
nachtmagazin 01:00 Uhr, 04.10.2012, Tina Hassel, ARD Denver
Auswendig gelernte Texte und Körpersprache
Ob Abe nach dem ersten Fernsehduell der beiden klüger sein wird? Der Moderator des heutigen Abends wird dem Präsidenten und seinem Herausforderer in den 90 Sendeminuten ganz sicher konkrete Fragen stellen und keine Ausflüchte zulassen wollen. Dennoch spricht vieles dafür, dass die Zuschauer vor allem erfahren werden, wer seine ausgefeilten Textbausteine am besten auswendig gelernt und die passende Körpersprache trainiert hat.
Hoffentlich nicht, meinte John McCain, der vor vier Jahren als republikanischer Präsidentschaftskandidat in den TV-Ring gestiegen war: "Man ist ziemlich nervös und natürlich will man sich keinen verbalen Ausrutscher leisten, der dann zur Nachrichtengeschichte wird", sagte der Senator auf MSNBC.
Er glaube, dass diese Präsidentschaftsdebatte die größte Zuschauermenge aller Zeiten anziehen wird. "Also gilt erstens: nichts Dummes sagen. Doch zweitens: Statt deine vorbereiteten Sätze loszuwerden, sei lieber darauf gefasst, auf das einzugehen, was dein Gegner zu sagen hat."
Sprechblasen vom starken Weltführer USA
McCains Parteifreund Romney hat es als Herausforderer leichter. Eigentlich, denn er muss sich keine gebrochenen Versprechen von "hope and change" vorwerfen lassen. Dennoch liegt der Republikaner derzeit in den meisten Wählerumfragen leicht hinter Obama - und zwar auch, weil Romney noch immer nicht über Sprechblasen von einem starken Weltführer USA hinausgekommen ist.
Was immer der Ex-Gouverneur bislang gesagt hat über den Abbau von Schulden, das Erhöhen der Militärausgaben und über die Kostenexplosion der staatlichen Sozialversicherungen - soweit man sie denn kennt, gehen seine Pläne rechnerisch nicht auf.
Auch Amtsinhaber Obama blieb bislang konkrete Aussagen über seine Regierungspläne schuldig. Was die insgesamt schlechte Wirtschafts- und Arbeitsmarktbilanz sowie den beispiellos schnell gewachsenen Schuldenberg angeht, so wird der Verweis auf das schwere Bush-Erbe und auf blockierende Kongress-Republikaner nicht reichen.
Angewidert von negativen Wahlkampfspots
Derweil würde Maria McCullough aus dem ebenfalls hart umkämpften Staat Pennsylvania vor allem eines begrüßen: einen zivilisierten Streit mit positivem Ausblick: "Die Leute hier sind einfach nur angewidert von all den negativen Gedanken und Werbespots. Es sind noch einige Wochen bis zur Wahl, aber wir sind jetzt schon müde."
Dabei müsse man doch auch das Gute in jedem Kandidaten und in der Regierung sehen: "Man muss gucken, was das für einen selbst bedeutet, und sich daraus seine Meinung bilden."
Stand: 03.10.2012 19:12 Uhr
