Seitenueberschrift

Romney und Obama

Vor den TV-Duellen im US-Wahlkampf

Die Kandidaten im Trainingslager

Sie sind seit vielen Jahren amerikanische Tradition: Bei den TV-Duellen im US-Wahlkampf können die Kandidaten viel verlieren. Deshalb bereiten sich sowohl Herausforderer Romney als auch Amtsinhaber Obama gut vor. Mit Sparringspartnern ziehen sie sich zum 1:1-Training zurück.

Von Sabrina Fritz, SWR-Hörfunkstudio Washington

Präsident Barack Obama ist in Las Vegas untergetaucht. In der Nähe der Glücksspiel-Metropole trainiert er mit seinen Beratern Antworten, Körperhaltung und Angriffe für die Fernsehdebatte. Die richtige Krawatte, Kompetenz aber auch mal ein Lächeln an der richtigen Stelle - alles zählt. Der Druck auf beide Kandidaten ist enorm.

Nach den neuesten Umfragen hat Mitt Romney wieder aufgeholt. Die beiden Konkurrenten liegen jetzt noch rund drei Prozentpunkte auseinander. Würde heute gewählt, bekäme Präsident Obama 50 Prozent der Stimmen, sein Herausforderer Mitt Romney 47. Beide Kandidaten versuchen die Erwartungen an das große Fernsehduell herunter zu schrauben: "Gouverneur Romney ist ein guter Debattierer, ich bin nur okay", sagte zum Beispiel der Präsident.

Die Kandidaten trainieren für den Schlagabtausch
S. Fritz, SWR Washington
02.10.2012 21:26 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Mit Sparringspartner ins Talk-Trainingscamp

Doch in den amerikanischen Medien wird jetzt schon von einem historischen Ereignis gesprochen. Der Republikaner Chris Christie sagte: "Die Debatte kann das Rennen auf den Kopf stellen." Mitt Romney trainiert seit Wochen für seinen ersten Schlagabtausch mit dem Präsidenten. Als Sparringspartner hat er sich Senator Rob Portman aus Ohio geholt.

Romneys Problem: Er wirkt manchmal etwas steif und hölzern. Ein flotter Spruch ist seine Sache nicht. Bei der Frage: "Welchen Kandidaten finden sie sympathischer?", liegt er weit hinter dem Präsidenten. Sein Vorteil: Er kann eigentlich nur gewinnen.

Bei Präsident Obama schlüpft John Kerry in die Rolle des Gegners. Kerry, ein Demokrat, hat Erfahrung in Präsidentschafts-Debatten. Er trat 2004 gegen George W. Bush an. Bei allen drei Fernsehdebatten schnitt er besser ab und verlor am Ende doch die Wahl.

Senator Rob Portman und der republikanische Präsidentschaftskandidat Romney.
galerie

Der Senator Rob Portman (links) ist der Sparringspartner von Herausforderer Romney.

Der demokratische Senator John Kerry (Archiv vom 06.09.2012)
galerie

Der Demokrat John Kerry aus Massachusetts trainiert Präsident Obama.

Im Fernseh-Duell gibt es viel zu verlieren

Welchen Einfluss die Fernseh-Duelle am Wahltag tatsächlich haben - darüber gehen die Meinungen ziemlich weit auseinander. Einig sind sich die Politikbeobachter, dass die Kandidaten nicht viel gewinnen, aber ziemlich viel verlieren können. Ein falscher Satz, der anschließend wieder und wieder zitiert wird, oder ein ungünstiger Gesichtsausdruck können monatelange Wahlkampfarbeit zunichte machen. So hatte Al Gore gegen Bush 2000 das falsche Make-up und sah gelb im Fernsehen aus. Das kostete ihn angeblich viel Sympathie.

In der Debatte am Mittwoch wird es vor allem um Innenpolitik gehen. Moderiert wird sie von der Legende Jim Lehrer. Es ist das zwölfte Mal, dass er den Bewerbern um das Weiße Haus auf den Zahn fühlt. Um unabhängig zu bleiben, geht er nach eigener Aussage nicht zur Wahl. Obama und Romney bekommen aus den Bereichen Wirtschaft, Sicherheit, Gesundheitspolitik, Abtreibung jeweils sechs Fragen gestellt. Die Kandidaten kennen die Fragen des Moderators nicht.

mehr

Die großen Themen: Arbeitsmarkt und Haushalt

Doch es gehört nicht viel Phantasie dazu zu erahnen, dass es vor allem darum gehen wird, wo Jobs herkommen sollen und wie das gigantische Haushaltsdefizit der USA reduziert werden soll. Wie schlecht es den Menschen in manchen Teilen des Landes geht, kann der Präsident in seinem Trainingslager nahe Las Vergas beobachten. Der Bundesstaat Nevada hat seit Jahren die höchste Arbeitslosenquote in den USA.

Einen Gewinner gibt es schon: die Fernsehanstalten. Sie rechnen mit bis zu 60 Millionen Zuschauern. Solche Einschaltquoten erreichen sonst nur Sportereignisse wie das Endspiel der Footballmeisterschaft, der Super Bowl.

Stand: 03.10.2012 00:23 Uhr

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

9 Kommentare zur Meldung. Kommentierung der Meldung beendet.

Schlagwörter der Meldung:
Darstellung: