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US-Wahlkampf
Romney vergrätzt Iowas Windfarmer
Iowa gilt als einer der Schlüsselstaaten bei der US-Präsidentschaftswahl. Der Westen des Bundesstaats wählt traditionell republikanisch. Doch diesmal wollen viele für den Demokraten Obama stimmen. Denn Herausforderer Romney bringt die Windfarmer gegen sich auf.
Von Rüdiger Paulert, WDR-Hörfunkstudio Washington
Steve Pearson wird am 6. November Mitt Romney wählen, den Republikaner. So wie das in der Vergangenheit fast 70 Prozent im westlichen Iowa gemacht haben, einer republikanischen Hochburg in diesem zwischen Präsident Barack Obama und seinem Herausforderer hart umkämpften US-Staat.
Doch gerade dort, wo es für Romney auf jede Stimme ankommt, um den Vorteil der Demokraten in den Städten Iowas auszugleichen, haben sich Konservative von ihm abgesetzt. Der Grund: Romney will die staatliche Förderung der Windenergie zum Jahresende auslaufen lassen. Harold Prior, den Direktor der Windenergievereinigung Iowas, bringt dies in Rage. "Was die verstehen müssen, ist, dass die Förderung dem Staat unter dem Strich Geld bringt", sagt er.
Fast ein Viertel des Stroms aus Windenergie
3200 Windkraftanlagen gibt es in Iowa. Damit steht Iowa auf der US-Rangliste der Windenergiestaaten auf Platz zwei. Schon zum Jahresende kommt fast ein Viertel des Stromverbrauches in Iowa von den sogenannten Windfarmern - Landwirten, die nicht nur Getreide, sondern auch Wind ernten.
Einer von Ihnen ist Tim Hemphill. Ihn treffe ich am Fuß einer Windkraftanlage. Er hat das Land dafür an einen Energieerzeuger verpachtet. Der Wind bläst ins Mikrofon. Es ist eiskalt. Deshalb beschließen wir, unser Gespräch bei ihm zu Hause fortzusetzen.
Konservative wenden sich Obama zu
Früher habe er seine Stimme wie fast alle hier den Republikanern gegeben, erzählt Hemphill schmunzelnd. Diesmal ist das anders, erklärt der 65-jährige. "Um die Steuervergünstigungen für die Windkraftanlagen zu erhalten, müssen wir Barack Obama wählen, weil Romney gesagt hat, dass er die Vergünstigungen streichen will." Dafür nimmt der ehemals Konservative auch Ärger mit seinen Verwandten in Kauf. "Die meisten meiner Verwandten sind Republikaner, da gibt es dann 'ne Menge zu diskutieren. Aber sie verstehen das. Sie sind auch für Windkraft, wir kommen damit zurecht."
Mit seinen 65 ist Hemphill zum politischen Aktivisten geworden. "Meine Frau und ich machen Wahlkampf für Barack Obama. Wir tun, was wir können, damit Barack Obama wiedergewählt wird."
Abkehr vom üblichen Wahlverhalten
Hier auf dem Lande in Iowa wählt man üblicherweise republikanisch und redet nicht darüber. Damit hat Hemphill schon bei der letzten Wahl gebrochen. "Werden Sie deshalb als Außenseiter gemieden?", frage ich ihn. Seine Antwort: "Ich hoffe, dass meine Freunde immer mit mir reden. So sechs bis acht Monate, nachdem Obama gewählt wurde, war dies ein großes Thema. Danach ist das abgeflaut. Ich denke, so wird es auch diesmal sein."
Nicht alle in dieser Region gehen so weit wie Hemphill, der auch wirtschaftliche Interessen hat. Schließlich erhält er pro Jahr rund 20.000 Dollar für sein an einen Windkrafterzeuger verpachtetes Land. Andere werden Romney einfach ihre Stimme verweigern, weiß Gastwirt Ken Fialla zu berichten. "Morgens haben wir immer eine sehr konservative Gruppe hier", sagt er. "Ich glaube nicht, dass diese Leute diesmal Romney wählen, ich fürchte, die wählen gar nicht."
Tiefer Konflikt um Windenergie
Wie tief der Konflikt um die Förderung der Windenergie in Iowa geht, zeigt Chris Muggie. Er verdient sein Geld mit Windkraftanlagen und ist für ihren Betrieb in dieser Gegend verantwortlich. Ihn hat Romney in einen tiefen Interessenkonflikt gestürzt. Seine Frau, so berichtet Muggie, habe sich längst für Obama entschieden. Eigentlich sei sie wie er konservativ. Selbst jetzt aber, zehn Tage vor der Wahl, wisse er noch nicht, wen er wählen solle. "Seit sich mein eigentlicher Kandidat unverblümt gegen die Fortsetzung der steuerlichen Förderung für die Windenergie und gegen saubere Energiegewinnung ausgesprochen hat, fällt es mir sehr schwer, meine Stimme Mitt Romney zu geben."
Stand: 27.10.2012 01:41 Uhr
