Seitenueberschrift

Waffenverkauf in den USA

FBI registriert mehr Prüfanträge als je zuvor

Waffenverkäufe nach Amoklauf auf Rekordhöhe

Drei Wochen nach dem Amoklauf hat in der Sandy-Hook-Schule in Newtown wieder der Alltag begonnen - unter massivem Polizeischutz. Doch die Tat hat auch andere Folgen: Im Dezember registrierte das FBI mehr Anträge von Waffenkäufern als je zuvor. Begehrt sind vor allem halbautomatische Gewehre, die im Zentrum der Kritik stehen.

Von Timo Fuchs, SR, ARD-Hörfunkstudio Washington

Dass die Waffenverkäufe in den USA nach einem Amoklauf nach oben gehen, ist normal. Aber der Amoklauf in Newtown hat neue Maßstäbe gesetzt: Fast 2,8 Millionen Anträge zum Kauf einer Waffe registrierte das FBI im Dezember - und längst nicht alle Waffen benötigen diese Art der staatlichen Überprüfung. Es wurden also sicher weit mehr verkauft.

Der Grund für den Anstieg um knapp 40 Prozent im Vergleich zum Vormonat ist aber nicht nur das Bedürfnis nach Selbstverteidigung. Es seien die bevorstehenden schärferen Waffengesetze, sagt ein Waffensammler auf CNN. "Mein Bruder und ich haben einige Waffen, aber nur ein halbautomatisches Gewehr. Bevor die verboten werden, will ich noch ein paar davon bekommen", erzählt er.

Rekord-Waffenverkäufe in USA
T. Fuchs, SR Washington
03.01.2013 20:35 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Halbautomatische Gewehre bei Sammlern besonders gefragt

Dieser Reiz des Sammelns treibt die Nachfrage vor allem für die halbautomatischen Gewehre im Sturmgewehr-Design nach oben. Um die 1000 Dollar kostet so eine Waffe, wie es der Amokläufer von Newtown benutzte. Beim Sammeln ist es wie bei einem Tattoo, sagt ein Waffenverkäufer in Virginia. "Wenn man erstmal eins hat, findet man es wirklich cool und besorgt sich noch eins."

Der Dezember 2012 war der Rekordmonat in einem Rekordjahr. Über 19 Millionen Waffen-Anträge gingen beim FBI ein. Die Zahl der tatsächlich verkauften Schusswaffen liegt - wie erwähnt - höher. Insgesamt gaben die Amerikaner mehr als dreieinhalb Milliarden Dollar aus - ein großer Wirtschaftsfaktor.

Waffenlobby geht in die Offensive

NRA-Waffenlobbyist Wayne LaPierre
galerie

NRA-Waffenlobbyist LaPierre fordert mehr Waffen, um Amokläufer stoppen zu können.

Auch deshalb ist die Waffenlobby NRA alarmiert durch drohende schärfere Gesetze. Sie geht entgegen ihrer üblichen Praxis plötzlich flächendeckend an die Presse. Ihr Geschäftsführer Wayne LaPierre sagt, ein böser Mann mit einer Waffe könne nur durch einen guten Mann mit einer Waffe gestoppt werden.

Folgerichtig bietet die Organisation an zu helfen, indem sie Lehrer an Schulen im Umgang mit der Waffe ausbildet. Viele Amerikaner halten das für verrückt - aber längst nicht alle. Der Generalstaatsanwalt von Arizona meint zwar, es sei übertrieben, dass jeder Lehrer eine Waffe bekomme. Aber es mache Sinn, jeweils eine Person, zum Beispiel den Schuldirektor, damit auszustatten.

Obama unterstützt Verbot halbautomatischer Waffen

Präsident Barack Obama zumindest ist nicht überzeugt von dieser Idee. Er formuliert es diplomatisch: Er sei skeptisch, dass es die einzige Lösung sei, mehr Waffen in Schulen zu bringen. Stattdessen unterstützt Obama einen Vorstoß, halbautomatische Gewehre zu verbieten. Ende Januar soll dieser eingebracht werden. Das entscheidende Problem: Das Gesetz würde nur zukünftige Waffenverkäufe verbieten. Was bis dahin zu Hause im Schrank steht, bleibt legal.

Im Bundesstaat Maryland allerdings liegt jetzt ein anderer Vorschlag vor: Bereits gekaufte Waffen sollen sogar eingesammelt werden können. Allerdings erst, wenn der Besitzer mit einer konkreten Drohung eine Gewalttat angekündigt hat.

Mehr Waffenkäufe nach der Diskussion über schärfere Waffengesetze
tagesschau 20:00 Uhr, 03.01.2013, Marion Schmickler, ARD Washington

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Stand: 03.01.2013 20:09 Uhr

Darstellung: