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Debatte um Wachschutz an US-Schulen
Unterricht unter Polizeischutz
Bewaffenete Wachleute an Schulen - viele Amerikaner finden diese Forderung der Waffenlobby entsetzlich. Doch der Vorschlag hat auch viele Unterstützer. In immer mehr Bundesstaaten und Kommunen wird an entsprechenden Gesetzen gearbeitet. In New Jersey sollen im Januar vorerst Polizisten die Schüler beschützen.
Von Silke Hasselmann, MDR-Hörfunkstudio Washington
Fünf Tage nach dem Massaker in der Sandy-Hook-Grundschule von Newtown in Connecticut erschreckte ein 33-jähriger Mann Kinder und Lehrer in der Sandy-Hook-Grundschule von Strasburg in Virginia gewaltig: Er trug ein längliches Holzbrett mit der Aufschrift "high-powered rifle" (Hochleistungsgewehr) bei sich. Er wollte zeigen, wie leicht man mit einem Gewehr in eine Schule gelangen könnte, sagte der Mann später gegenüber der Polizei.
Mittlerweile treiben Politiker in zehn republikanisch regierten US-Bundesstaaten Landesgesetze zum besseren Schutz der Schulen voran. Manche - wie in Arizona - wollen Lehrern und Direktoren erlauben, ihre Waffen in die Schule zu bringen. Anderen reichen bewaffnete Wachen und Patrouillen.
Debatte um bewaffneten Schutz für amerikanische Schulen
S. Hasselmann, MDR Washington
28.12.2012 10:04 Uhr
In New Jersey kommen Polizisten an die Schulen
In New Jersey sind sie noch nicht so weit, weshalb die Stadtväter von Marlboro tätig geworden sind: Wenn die 8000 Marlboroer Schüler im neuen Jahr an ihre insgesamt neun Schulen zurückkehren, werden sie dort Polizisten vorfinden. Ein sechswöchiges Pilotprojekt, von dem Bürgermeister Jonathan Hornik auf MSNBC erklärte: "Ich mache kein Landesrecht und kein Bundesrecht. Ich unterstütze nicht die National Rifle Association. Ich will die automatischen Sturmgewehre loswerden, ebenso die Multi-Schuss-Magazine", sagte er. "Doch unsere Schüler müssen sicher sein, wo sie lernen, und in Newtown haben die bestehenden Sicherheitsvorkehrungen nicht ausgereicht."
Die Polizei von Marlboro habe sich die Schulvorschriften ihrer Kommune angeschaut und festgestellt, "dass im Moment der einzige Weg, die Schüler vor einem Ereignis wie dem in Newtown zu schützen, darin besteht, Polizeibeamte in der Schule haben", sagte Hornik. "Das sind dieselben Leute, die wir bei einer Schießerei rufen würden. Statt die fünf Minuten zu warten, bis sie da sind, haben wir sie besser gleich an Ort und Stelle."
Die NRA legt nach
Das ist exakt die Argumentation der Waffenlobby-Organisation NRA, die vor einer Woche vom US-Kongress gefordert hatte, vor jede amerikanische Schule bewaffnete Wachleute zu stellen. Gestern legte NRA-Präsident David Keene auf CNN nach: Schon heute seien rund 23.000 private wie öffentliche Schulen mit bewaffneten Wachleuten ausgestattet. Das Programm 'Cops in Schulen' sei in den 1990er-Jahren von Präsident Bill Clinton in Gang gebracht worden. "Ob eine Schule diese Art von Schutz will oder nicht, ist die Angelegenheit dieser Schule", sagte Keene.
"Unser Vize-Präsident Wayne LaPierre hatte nun vor einer Woche vorgeschlagen, dass sich in jedem Schulbezirk Verwaltungsleute, Lehrer und Eltern hinsetzen und fragen sollten, was für den bestmöglichen Schutz ihrer Schule nötig ist. Manche werden dort Polizeibeamte wollen, andere private Sicherheitsleute - manche werden vielleicht wollen, dass das Freiwillige erledigen."
"Himmelschreiende" Forderung
"Himmelschreiend" findet das Rahm Emanuel, der frühere Stabschef von Präsident Barack Obama und heutige Bürgermeister von Chicago, der gerade den bewaffneten Personenschutz für sich und seine Familien erhöhen ließ.
Sein Amtskollege aus der Kleinstadt Marlboro hingegen glaubt, dass der Schutz von Schülern in der Schule nur mit dieser Mischung gelingt: "Wir brauchen Gesetze, um Waffen loszuwerden. Wir müssen auf die Gesamtheit der Schulsicherheit schauen und wahrscheinlich die Infrastruktur umbauen - Stichwort elektronische Überwachung", sagte Hornik. "Und wir werden womöglich mehr Polizisten in unseren Schulen sehen. In San Antonio in Texas beginnen sie im Januar auch damit, Polizei vor 48 Schulen zu stellen."
Das sollte jedoch auch für die NRA nicht als Ausrede dafür herhalten, dass das Land nicht mehr Waffenkontrolle braucht, fügte Hornik hinzu - "die brauchen wir dringend". Derweil hat der Sportschützenverband des Bundesstaates Utah angeboten, 200 Lehrer im fachgerechten Gewehrschießen zu trainieren, ohne die sonst übliche 50-Dollar-Gebühr zu erheben.
Stand: 28.12.2012 11:07 Uhr
