Wähler in einem Wahllokal in Brooklyn | Bildquelle: AP

Wahlbeteiligung in den USA Trump - Sieger ohne echte Mehrheit

Stand: 11.11.2016 20:27 Uhr

Die größte Gruppe der Bürger in den USA hat nicht für Trump gestimmt und auch nicht für Clinton. Die größte Gruppe waren die Nichtwähler - nicht zum ersten Mal.

Von Stefan Niemann, ARD-Studio Washington

Vom gespaltenen Amerika ist jetzt oft die Rede. Viele Beobachter schreiben, dass etwa gleich viele Wähler für Donald Trump und für Hillary Clinton gestimmt haben. Das ist richtig, aber nur ein Teil der Wahrheit. Denn die größte Gruppe unter den in diesem Jahr 227 Millionen wahlberechtigten US-Bürgern waren wieder einmal die Nicht-Wähler.

Dazu ein paar Zahlen aus dem United States Elections Projekt/United States Census: 95,2 Millionen Amerikaner haben nicht gewählt. Das sind 42 Prozent der Wahlberechtigten. Hillary Clinton hat rund 60,1 Millionen Stimmen erhalten, was 26,5 Prozent der Wahlberechtigten entspricht. Wahlsieger Donald Trump wählten 59,8 Millionen Menschen - 26,4 Prozent der Wahlberechtigten.

Weil Trump deutlich mehr Wahlmännerstimmen erringen konnte, ist er bekanntlich zum Präsidenten gewählt worden. So ist das US-Wahlsystem nun einmal. Auf die Kandidaten dritter Parteien, etwa die Grüne Jill Stein oder den Libertären Gary Johnson, entfielen insgesamt nur 6,1 Millionen Stimmen - magere 2,7 Prozent aller Wahlberechtigten. Was an der Summe von Nicht-Wählern, Clinton-Wählern, Trump-Wählern und Sonstigen an 100 Prozent fehlt, sind ungültige oder noch nicht ausgezählte Stimmen.

Obama erhielt 2008 auch nur 33 Prozent

Es ist also korrekt zu sagen, dass Trump mit der Zustimmung von lediglich rund einem Viertel der US-Wahlberechtigten das Weiße Haus erobert hat. Da die Wahlbeteiligung in Amerika allerdings generell notorisch niedrig liegt, ist dies kein neues Phänomen. So hatte Barack Obama bei seinem ersten triumphalen Wahlsieg rund 69,5 Millionen Stimmen erhalten, was 2008 bei etwa 213 Millionen Wahlberechtigten 32,56 Prozent entsprach. Seine Wiederwahl sicherte sich Obama vier Jahre später mit 29,62 Prozent Zuspruch der rund 222 Millionen Wahlberechtigten im Jahr 2012.

Insofern gilt in der jüngeren US-Geschichte für alle Präsidenten, dass es mehr US-Bürger gibt, die sie nicht gewählt haben als solche, die für sie gestimmt haben. Der mutmaßlich mächtigste Mann der Welt hat also nicht wirklich ein robustes Mandat.

Über dieses Thema berichtete die Tagesschau am 11. November 2016 um 20:00 Uhr.

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