US-Außenminister Kerry | Bildquelle: picture alliance / dpa

US-Strategie vor Syrien-Gipfel in Wien Nicht ohne den Iran

Stand: 29.10.2015 04:30 Uhr

Im Kampf gegen die Terrormiliz IS und das Assad-Regime in Syrien zeigen sich die USA zu neuen Strategien bereit - nicht nur militärisch. Die volle Einbindung des Irans in die Syrien-Gespräche in Wien markiert einen Kurswechsel.

Von Rolf Büllmann, ARD-Hörfunkstudio Washington

Mission Creep - die schleichende Ausweitung eines Militäreinsatzes - das ist die große Angst der USA im Kampf gegen die Extremisten des "Islamischen Staates" (IS) und gegen das Assad-Regime. Hineingezogen zu werden, in einen derartig unübersichtlichen Konflikt, bei dem verschiedene Partner in verschiedenen Regionen mehrerer Länder manchmal miteinander, manchmal gegeneinander kämpfen - das will das Weiße Haus auf alle Fälle vermeiden.

Deshalb hat US-Verteidigungsminister Ash Carter auch für ziemliche Schlagzeilen gesorgt, als er vor wenigen Tagen erklärte: "Wir werden uns nicht zurückhalten, wenn es darum geht, unsere Partner weiter zu unterstützen im Kampf gegen den IS - oder wenn es darum geht, selber solche Missionen durchführen, sei es aus der Luft oder mit direkten Einsätzen am Boden."

Doch ganz so entschieden, wie es sich bei Carter anhörte, ist die Sache noch nicht. Das Weiße Haus erwäge verschiedene Möglichkeiten im Kampf gegen den IS hieß es später - und dazu gehöre auch der Einsatz von special forces, von Sondereinsatzkräften, die näher an der Front agieren würden. 

"Keine militärische Lösung des Syrien-Konflikts"

John R. Allen, Ex-General und Sondergesandter des Präsidenten für den Kampf gegen IS | Bildquelle: picture alliance / dpa
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John R. Allen, Sondergesandter für den Kampf gegen den IS, will die Syrien-Gespräche in Wien nutzen-

Gleichzeitig sagen aber Verantwortliche sowohl beim US-Militär als auch in der Politik, dass so etwas alleine nicht reichen wird - vor allem nicht, um den Konflikt in Syrien zu beenden. "Wir wissen: In Syrien kann es keine militärische Lösung des Problems geben. Und jetzt gibt es eine Gelegenheit, das Gespräch mit allen relevanten Akteuren zu suchen, und diese Gelegenheit sollten wir nutzen", sagt John R. Allen, Ex-General und Sondergesandter des Präsidenten für den Kampf gegen den IS.

Die Gelegenheit, von der er spricht, sind die geplanten Syrien-Gespräche in Wien. Und zu den relevanten Akteuren, die Allen angesprochen hat, gehört erstmals auch der Iran. "Wir machen uns keine Illusionen darüber, wie gering die Erfolgsaussichten sind - schließlich haben wir substanzielle Meinungsverschiedenheiten mit Russland und dem Iran und dem Assad-Regime", sagt die die stellvertretende US-Außenministerin Anne Patterson. "Aber der Erfolg, wenn es gelänge den Konflikt zu beenden, wäre eben noch größer."

Verhandlungen auf Augenhöhe

Und das ist dann doch ein grundlegender Wandel in der US-Außenpolitik. Es ist das erste Mal seit dem Atomabkommen mit dem Iran, dass Washington mit Vertretern aus Teheran auf gleicher Augenhöhe über eine internationale Krise berät. Sicher nicht mit großer Freude , sondern eher aus der Einsicht heraus, dass es sein müsse, sagt Jeremy Shapiro von der Denkfabrik Brookings Institution dem Sender NPR. "Die Iraner sind zu wichtig vor Ort und haben zu viel Einfluss auf Assad, und sie könnten ganz leicht ein Abkommen, das ohne sie ausgehandelt wird, scheitern lassen", sagt Shapiro. "Ob es uns gefällt oder nicht - wenn es eine politische Lösung für den Krieg in Syrien geben soll, müssen die Iraner daran beteiligt sein."

So sind die USA offenbar bereit, in den sauren Apfel zu beißen. Das alles zeigt: Die USA überdenken ihre Rolle im Kampf gegen den IS und das Assad-Regime, und erwägen neue Strategien - diplomatisch und militärisch. Was im Umkehrschluss auch heißt: Das, was sie bislang getan haben, hat nicht funktioniert.

Welche Strategie haben die USA für Syrien? Vor den Beratungen in Wien
R. Büllmann, ARD Washington
29.10.2015 05:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. Oktober 2015 um 09:00 Uhr.

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