Facebook | Bildquelle: AFP

Russland-Affäre US-Wahl mithilfe von Facebook beeinflusst?

Stand: 07.09.2017 04:52 Uhr

In der Russland-Affäre um die mögliche Manipulation der US-Präsidentschaftswahl sind neue Vorwürfe aufgetaucht: Über eine russische Agentur sollen vor der Wahl Tausende Anzeigen bei Facebook geschaltet worden sein, um die Ansichten der Amerikaner zu beeinflussen.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Vor der US-Präsidentenwahl im Herbst 2016 wurden nach Angaben von Facebook offenbar Tausende Anzeigen mit politischen Botschaften aus Russland heraus in dem weltgrößten sozialen Netzwerk geschaltet. Drahtzieher soll eine sogenannte Troll-Fabrik im russischen Sankt Petersburg gewesen sein. Ihr Name: "Internet Research Agency".

Doch dahinter steckt keine Recherche-Agentur, wie der Name suggeriert, sondern eine Firma, in der offenbar Hunderte Internet-Trolle arbeiten. Ihr Ziel ist es, gezielt Falsch-Meldungen in sozialen Netzwerken zu verbreiten. Auftraggeber, so vermuten Experten, war der russische Präsident Wladimir Putin.

3000 Anzeigen von 470 Konten

Für umgerechnet 84.000 Euro sollen zwischen Juni 2015 und Mai 2017 bei dem Online-Netzwerk Anzeigen gekauft worden sein. Das teilte Facebook-Sicherheitschef Alex Stamos in einem Blogeintrag mit. Das Unternehmen stehe in engem Austausch mit Sicherheitsbehörden. Insgesamt habe man 470 Konten identifiziert, die etwa 3000 Anzeigen geschaltet hätten. 

Ziel war es offenbar, zu polarisieren. Die US-Nutzer sollten bei umstrittenen Themen wie Einwanderung, Waffenbesitz oder Homosexualität noch weiter auseinander dividiert und verunsichert werden. Rund ein Viertel der Anzeigen war gezielt in bestimmten Regionen platziert worden. Mit potenziellem politischen Bezug seien 2200 Anzeigen für rund 50.000 Dollar gekauft worden. 

Facebook sprach bereits im Frühjahr von Einflussnahme

Das kalifornische Unternehmen betonte, bislang habe es keine ähnlichen Aktivitäten vor der Bundestagswahl in Deutschland beobachtet. Ellen Weintraub von der US-Wahlkommission erklärte, die Wähler verdienten Aufklärung darüber, woher die Anzeigen stammten. Es sei ungesetzlich, wenn Ausländer direkt oder indirekt Geld für US-Wahlen aufwenden würden. 

US-Sonderermittler Robert Mueller prüft derzeit, ob es zwischen dem Wahlkampfteam von Präsident Donald Trump und der Regierung in Moskau geheime Absprachen gab und ob Russland Einfluss auf die Wahl im November nahm. Facebook hatte bereits im April erklärt, für politische Einflussnahme missbraucht worden zu sein. Mittlerweile hat das Unternehmen gegensteuert und geht verstärkt gegen Fake News und gefälschte Konten vor.

Russische Agentur soll tausende Anzeigen vor der US-Wahl geschaltet haben
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
07.09.2017 13:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. September 2017 um 06:00 Uhr.

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