Ein Mann arbeitet an der Tastatur eines Laptops.  | Bildquelle: dpa

Offizielle Vorwürfe aus Washington Hackt Russland die US-Wahl?

Stand: 08.10.2016 16:29 Uhr

Versucht Russland gezielt, durch Hackerangriffe Einfluss auf das Ergebnis der US-Präsidentenwahl zu nehmen? Den Verdacht gibt es schon länger. Jetzt haben die USA die Regierung in Moskau erstmals offiziell beschuldigt. Der Kreml reagiert kurz angebunden.

Die USA haben die Regierung in Moskau erstmals offiziell beschuldigt, hinter den Hackerangriffen auf US-Bürger und politische Organisationen zu stecken. Die amerikanischen Geheimdienste seien "überzeugt davon, dass die russische Regierung die jüngsten Angriffe auf E-Mails von US-Personen und -Institutionen gesteuert hat", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung des Heimatschutzministeriums und des Direktors der Nationalen Geheimdienste. Damit werden die ohnehin schon schwer angespannten Beziehungen beider Länder weiter belastet.

"Im Einklang mit den Methoden und Motivationen Russlands"

Die Enthüllungen durch Wikileaks und andere Webseiten stünden "im Einklang mit den Methoden und Motivationen Russland", hieß es in der Erklärung wörtlich. "Diese Diebstähle und Enthüllungen zielen auf Einmischung in den US-Wahlprozess ab. Wir glauben auf der Basis des Ausmaßes (...) dieser Bestrebungen, dass nur Russlands ranghöchste Beamte diese Aktivitäten genehmigt haben könnten."

Elektronische Wahlkabinen in Florida | Bildquelle: dpa
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Elektronische Wahlkabinen in Florida. Gefährden Hackerangriffe auch die Präsidentschaftswahl im November?

Kreml: "Unsinn"

Russland wies die US-Vorwürfe zurück. "Das ist wieder einmal ziemlicher Unsinn", sagte Kremlsprecher Dmitri Peschkow. "Jeden Tag gibt es Zehntausende Angriffe auf (Präsident Wladimir) Putins Webseite", sagte er. Obwohl viele davon in die USA zurückverfolgt werden könnten, mache Moskau nicht die US-Regierung verantwortlich.

Das Außenministerium in Moskau erklärte, dies sei ein Versuch der US-Regierung, die "beispiellose antirussische Hysterie" anzuheizen. Das Hochschaukeln von Emotionen bezüglich russischer Hacker werde im US-Wahlkampf eingesetzt und auch die derzeitige US-Regierung sei schmutzigen Tricks nicht abgeneigt, erklärte der russische Vize-Außenministers Sergei Ryabkow auf der Internetseite seines Ministeriums. Russland bot Ryabkow zufolge den USA erneut an, sich beim Kampf gegen Cyber-Kriminalität abzustimmen.

Hack mit Folgen

Die US-Behörden ermitteln zu Cyberattacken auf das Demokratische Nationalkomitee und den Wahlkampfausschuss der demokratischen Kongressabgeordneten. Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte im August gehackte E-Mails von Mitgliedern und Mitarbeitern des Parteivorstandes der Demokraten veröffentlicht. Daraus ging hervor, dass das Führungsgremium im Vorwahlkampf stark zugunsten von Hillary Clinton und somit gegen ihren Rivalen Bernie Sanders voreingenommen war.

Die Enthüllungen führten zum Rücktritt von Parteichefin Debbie Wasserman Schultz. Später wurde bekannt, dass der Hackerangriff auf die Demokraten noch umfangreicher war. Schon damals verdächtigen Experten und Regierungskreise russische Hacker mit Verbindungen zu Regierungsorganisationen.

Angriffe auf Wahlsysteme "extrem schwierig"

Das Heimatschutzministerium hatte zudem Anfang des Monats erklärt, die elektronischen Wahlsysteme von zahlreichen Bundesstaaten seien von Hackern ausgespäht worden. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete Ende August unter Berufung auf Unterlagen der Bundespolizei FBI von Angriffen auf Wählerverzeichnisse. In den US-Geheimdiensten wächst die Sorge, dass von Russland unterstützte Hacker versuchen könnten, die Abstimmung Anfang November zu beeinflussen.

Es sei allerdings nach ihrer Einschätzung "extrem schwierig" für einen Hacker, auch einen Staat, Stimmenauszählungen oder Wahlresultate durch Cybereingriffe zu manipulieren, heißt es in der Erklärung weiter. Diese Einschätzung basiere darauf, dass das Wahlsystem in den USA dezentralisiert sei und es in Staaten sowie Kommunen eine Reihe von Schutzmaßnahmen gebe. Dennoch seien Wahlbeamte auf beiden Ebenen weiterhin dazu aufgerufen, wachsam zu sein.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Oktober 2016 u.a. um 10:00 Uhr.

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