Trump und Putin auf dem G20-Gipfel | Bildquelle: AP

Cyber-Zusammenarbeit mit Russland "Eine der dümmsten Ideen"

Stand: 10.07.2017 09:31 Uhr

Ausgerechnet mit Russland: Nach dem Treffen zwischen Trump und Putin am Rande des G20-Gipfels brachte der US-Präsident eine mögliche Kooperation gegen Wahlmanipulationen im Netz ins Spiel. Die Reaktionen aus Washington waren eindeutig.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Donald Trump kann das Thema nicht abschütteln: Nach seiner Reise zum G20-Gipfel dreht sich die Debatte in den USA weiterhin um den russischen Einfluss auf die Präsidentschaftswahlen und die Frage, wie Trump dazu steht.

Dazu trägt bei, dass nicht ganz klar ist, wie sehr Trump den russischen Präsidenten Wladimir Putin bei ihrem ersten Treffen in Hamburg damit konfrontiert hat. "Ich denke, Präsident Trump wollte sicherstellen, dass Präsident Putin weiß, dass er Bescheid weiß", erklärte Trumps Botschafterin bei den UN, Nikki Haley, im Nachrichtensender CBS. "Präsident Putin tat, was wir alle erwarteten: Er leugnete es. Präsident Trump weiß, dass sie sich eingemischt haben, Präsident Putin weiß es." Mehr sei nicht passiert.

Der Stabschef des Weißen Hauses, Reince Pribus sagte, man wolle trotzdem mit Russland weiter zusammenarbeiten. Zum Beispiel in Syrien, für das Trump und Putin in Hamburg einen neuen Waffenstillstand vereinbarten.

Eine unwürdige Sache

Das Treffen mit Putin dominiert die Debatte nach Trumps Europareise. Bei NBC bemängelte der frühere CIA-Chef John Brennan, dass Trump kurz vor dem Treffen mit Putin sagte, es sei eine Ehre, Putin zu treffen. "Eine 'Ehre', denjenigen zu treffen, der unsere Wahlen angegriffen hat - das zu sagen, war für mich eine unwürdige Sache."

Nach dem Treffen twitterte Trump, er habe mit Putin über eine gemeinsame Einheit für Internetsicherheit gesprochen, um negative Dinge wie den Angriff auf Wahlen künftig zu verhindern. Details waren unklar, aber die Reaktionen in den USA fielen kritisch aus.

"Ich denke nicht, dass wir das hinter uns lassen können", sagte der Demokrat Adam Schiff. "Die Russen können kein glaubwürdiger Partner in einer Einheit für Internetsicherheit sein. Das wäre gefährlich naiv. Wenn das der beste Schutz unserer Wahlen ist, können wir die Wahlurnen gleich nach Moskau schicken."

Bitte keine gemeinsame Internetsicherheit

Auch bei den Republikanern, die sich am Sonntag zu Wort meldeten, stieß die Idee einer gemeinsamen Einheit für Internetsicherheit auf Unverständnis.

Zu den Kritikern gehörte der republikanische Senator Lindsey Graham: "Es ist nicht die dümmste Idee, die ich jemals gehört habe, aber es ist nah dran. Trump hielt eine ziemlich gute Rede in Polen, aber er hatte ein desaströses Treffen mit Putin. Nach einem Treffen von zwei Stunden und 15 Minuten sind der Präsident und Außenminister Tillerson bereit, zu vergeben und zu vergessen, wenn es um Cyberangriffe auf die Wahl 2016 geht." 

Trump rudert zurück

Am späten Abend hatte Präsident Trump dann das Bedürfnis, diesen Vorschlag richtig zu stellen. Er twitterte, nur weil Präsident Putin und er über eine Einheit für Internetsicherheit diskutiert hätten, heiße das nicht, dass er glaube, dass es die auch geben könne.

Insgesamt wurde die Europareise von Konservativen positiv gesehen. Sie lobten besonders Trumps Rede in Warschau, bei der er versprochen hatte, westliche Werte zu verteidigen - und das gegenseitige Verteidigungsversprechen der NATO erneuerte.

Nile Gardinger von der konservativen Heritage-Stiftung lobte Trump als "freimütigsten und unkonventionellsten" Präsidenten. Richard Haass, der Präsident des "Council on Foreign Relations", kritisierte die Reise dagegen: Sie sei mehr nationalistisch als internationalistisch gewesen.

Debatte um Zusammenarbeit mit Russland - Reaktionen aus den USA
Jan Bösche, ARD Washington
10.07.2017 08:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. Juli 2017 um 08:49 Uhr.

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