Russlands Präsident Putin schüttelt US-Präsident Trump die Hand. | Bildquelle: AFP

Trotz Ermittlungen zur Wahlbeeinflussung Putin und Trump - ein Cyber-Dreamteam?

Stand: 09.07.2017 20:06 Uhr

Noch immer ist die Frage ungeklärt, ob Russland den US-Wahlkampf 2016 manipuliert hat - doch diese stellt US-Präsident Trump erst einmal hinten an. Im Gegenteil will er nun ausgerechnet gemeinsam mit Putin der Cyberkriminalität den Kampf ansagen.

Es war mit so großer Spannung erwartet worden - das erste Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin beim Hamburger G20-Gipfel. Schließlich standen die Gespräche unter keinem so guten Stern, zu sehr belastete die sogenannte Russland-Affäre das transatlantische Tête-à-Tête. Immerhin laufen in den USA noch Ermittlungen, ob Moskau den US-Wahlkampf im vergangenen Jahr durch Hackerangriffe beeinflusst hat und ob es sogar unrechtmäßige Absprachen zwischen Russland und Trumps Wahlkampfteam gegeben hat.

Cyberkriminalität gemeinsam bekämpfen

Doch nach dem Ende des Gipfels scheinen sich die dunklen Wolken verzogen zu haben, zumindest aus Sicht beider Staatschefs. Trump und Putin werden nicht müde zu betonen, welch ein gutes Treffen das gewesen sei und welch gute Gespräche man geführt habe. Und darum soll es in Zukunft auch in einem engeren Miteinander weitergehen.

"Es ist an der Zeit, voranzukommen zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit Russland", hieß es von Trump. Dass eine Zusammenarbeit funktioniere, zeige sich ja bereits an der für Teile Syriens ausgehandelten Waffenruhe. Und ausgerechnet beim Thema Cyberkriminalität planen Washington und Moskau einen weiteren Schulterschluss.

Wie der US-Präsident auf Twitter verkündete, habe er mit Putin über Pläne für eine gemeinsame Sondereinheit zur Bekämpfung von Cyberkriminalität gesprochen: "Putin und ich haben darüber gesprochen, eine undurchdringbare Einheit für Sicherheit im Internet zu bilden." Diese Einheit solle künftig auch etwa vor Wahlmanipulationen schützen.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
Putin & I discussed forming an impenetrable Cyber Security unit so that election hacking, & many other negative things, will be guarded..

Vorwürfe gegen Moskau aus der Welt geschafft?

Ob die Entscheidung für eine Kooperation gegen Internetkriminalität für Trump gleichzeitig den Freispruch des Kreml vom Vorwurf der Manipulation bedeutet - dazu äußert sich der Republikaner nicht direkt. Er habe beim G20-Gipfel "zweimal starken Druck" auf Putin ausgeübt, doch der russische Präsident habe vehement abgestritten, dass es von der Seite seines Landes eine Einflussnahme auf den US-Wahlkampf gegeben habe.

Donald J. Trump @realDonaldTrump
I strongly pressed President Putin twice about Russian meddling in our election. He vehemently denied it. I've already given my opinion.....

Konkreter wird Trump nicht - dafür aber wohl der Stabschef des Weißen Hauses, Reince Priebus: "Der Präsident hat das Dementi von Präsident Putin absolut nicht geglaubt." Und auch US-Außenminister Rex Tillerson bleibt in seiner Wortwahl vorsichtig. Er habe von Putin zu den Manipulationsvorwürfen nichts anderes als ein Dementi erwartet. Man müsse sich wohl damit abfinden, dass man sich nicht einig werden könne, aber das sei die Vergangenheit.

In Moskau zeigte man sich wesentlich überzeugter: Der russische Außenminister Sergej Lawrow pochte darauf, dass Trump Putins Zusicherungen akzeptiert habe und auch der russische Regierungschef selbst ist der Auffassung, dass Trump "zufrieden mit meinen Antworten" gewesen sei.

Massive Kritik von Republikanern

Die Idee, ausgerechnet mit Russland eine gemeinsame Einheit gegen Cyberkriminalität zu bilden, treibt in Trumps eigenen politischen Reihen bereits die ersten Republikaner auf die Barrikaden. Der Senator Lindsey Graham etwa sagte dem TV-Sender NBC: "Das ist nicht die dümmste Idee, von der ich je gehört habe - aber es ist ziemlich nahe dran."

Und Marco Rubio, der ebenfalls für das Amt des Präsidenten kandidiert hatte, schrieb auf Twitter, eine Partnerschaft mit Putin bei der Cybersicherheit sei wie eine Partnerschaft mit dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad bei Chemiewaffen.

Marco Rubio @marcorubio
Partnering with Putin on a "Cyber Security Unit" is akin to partnering with Assad on a "Chemical Weapons Unit". 2/3

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 07. Juli 2017 um 22:10 Uhr.

Darstellung: