Flagge der USA und Russland | Bildquelle: picture alliance / epa Sergei Il

USA und Russland Vom Hoffen zum Hadern

Stand: 01.08.2017 01:00 Uhr

Empörung in Moskau, Unverständnis in den USA: Durch den Streit um gegenseitige Sanktionen scheint die große Hoffnung auf ein besseres Verhältnis, die beide Staaten gehegt hatten, begraben. Doch der Leidtragende des Streits könnte noch ein ganz anderer werden.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio Washington

Diplomatenkrieg wie zu Zeiten des Eisernen Vorhangs. Doch das Weiße Haus schweigt: kein Tweet von US-Präsident Donald Trump, keine Äußerung im Presse-Briefing. Lediglich Vizepräsident Mike Pence lässt auf seiner Estlandreise wissen: "Diese diplomatische Aktion aus Moskau hält uns nicht von unserer Verpflichtung ab gegenüber unserer eigenen Sicherheit, der unserer Verbündeten und der aller freiheitsliebenden Staaten weltweit."

Noch in diesem Monat, so die Ansage aus Moskau, müssen 755 Mitarbeiter der US-Botschaft und aus weiteren Konsulaten in Russland gehen. Höchstens ein Drittel von ihnen sind amerikanische Diplomaten. Den Großteil machen russische Angestellte aus.

Kein Verständnis für Russlands Reaktion

Als Folge werde es wesentlich schwieriger, die US-Geschäfte in Russland zu führen, kommentiert der ehemalige russische US-Botschafter Michael McFaul die russische Reaktion auf die US-Sanktionen.

Er und andere Diplomaten und Politiker haben kein Verständnis für diese Entscheidung des russischen Präsidenten Wladimir Putin. "Wir haben uns nicht in ihre Wahlen eingemischt - also warum sollen unsere Diplomaten bestraft werden?", heißt es von McFaul weiter. Die USA wollen mit den Sanktionen gegen Russland auch die möglichen Hackerangriffe während des US-Wahlkampfes ahnden.

Doch der jetzige Diplomatenkrieg hatte schon im vergangenen Jahr begonnen. Damals schickte der damalige Präsident Barack Obama 35 Vertreter der russischen Botschaft nach Hause. Der Grund war bereits der Vorwurf, Moskau habe sich mit Hackern in den amerikanischen Wahlkampf eingemischt, um das Ergebnis zu Gunsten Trumps zu manipulieren.

US-Sanktionen: Trump waren die Hände gebunden

Damals habe Putin stillgehalten, erinnert Politikbeobachter Fareed Zakaria: "Putin hat damals nicht nur seinen Außenminister gebremst und gesagt: 'Nein, diesmal provozieren wir die Amerikaner nicht'. Trump hatte ihm über Twitter gratuliert und gesagt: 'Ich wusste immer, dass er ein schlauer Typ ist'."

Damit wollte der heutige US-Präsident Putin signalisieren: Wir werden gut zusammenarbeiten. Auf einen Neubeginn der Beziehungen hatte Trump gesetzt. Doch der Verdacht, er habe geheime Kontakte zu Putin und russische Hacker hätten das Wahlergebnis manipuliert, überschattet nun alles. Als der Kongress schließlich in der vergangenen Woche drastischere Strafmaßnahmen gegen Moskau beschloss, waren Trump die Hände gebunden. Gegen seine Überzeugung stimmten die Republikaner geschlossen für die Sanktionen. Und führten Trump damit in Moskau vor, meint Zakaria: "Es hat den Russen gezeigt, dass die Trump-Regierung nicht so funktioniert, wie sie erwartet haben."

Leidet Syrien unter diplomatischem Bruch?

Von einem Tiefpunkt der Beziehungen zwischen den USA und Russland ist bereits die Rede. Doch der Kalte Krieg sei nicht erst jetzt zurück, sagt der republikanische Abgeordnete Adam Kinzinger: "Wir haben gesehen, wie Russland an unseren Schiffen vorbeigerauscht ist und unsere Flugzeuge bedrängt hat. Und wir haben gesehen, wie die Russen bei ihren Nachbarn eingedrungen sind. Das ist Wladimir Putin, wie er leibt und lebt.Wenn jemand anderes gewinnt, verliert er - und umgekehrt."

Der stellvertretende russische Außenministers Sergej Rybakow äußert sich gegenüber dem Fernsehsender ABC News empört: Die US-Sanktionen seien der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Wenn das so weitergehe, habe Russland noch einige Strafmaßnahmen im Köcher.

Auf welche möglichen Maßnahmen Rybakow anspielt, bleibt unklar. Weder energiepolitisch noch wirtschaftlich könnte Moskau den Amerikanern wehtun. Der Disput könnte jedoch auf dem Rücken anderer ausgetragen werden: den Menschen im Kriegsland Syrien. Erst im vergangenen Monat hatten sich Moskau und Washington darauf geeinigt, gemeinsam nach einer konstruktiven Friedenslösung zu suchen. Diese Koalition könnte durch die Diplomatenkrise erstmal ausgebremst werden.

US-Reaktionen auf Putins Diplomaten-Ausweisung
Antje Passenheim, ARD Washington
01.08.2017 00:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Juli 2017 um 20:00 Uhr.

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