Donald Trump | Bildquelle: dpa

Wahlkampf der US-Republikaner Schlimmer geht immer

Stand: 29.02.2016 15:09 Uhr

Nach Niveau muss im Vorwahlkampf der US-Republikaner niemand fragen. Die Kandidaten pöbeln sich an, und inhaltliche Fragen spielen eine Nebenrolle. Davon profitiert vor allem der Milliardär Trump. Er scheut sich nicht einmal, dem Ku-Klux-Klan Avancen zu machen.

Von Andreas Horchler, ARD-Studio Washington

Wer kann Trump noch stoppen? Oder: Kann Trump noch gestoppt werden? Diese Fragen beschäftigen die republikanische Partei in diesen Tagen mehr als jede andere.

Dabei glichen die Auftritte der Kandidaten am Wochenende noch mehr einer Show als zuvor. Marco Rubio über die TV-Debatte der Republikaner vergangene Woche: "Trump wollte in der Pause nachsehen, ob er sich nicht in die Hose gemacht hat." Trump über Rubio: "Ich habe noch niemanden so schwitzen sehen wie Rubio." Und weiter: "Ich habe mir dieses Leichtgewicht Rubio angesehen, ein totales Leichtgewicht."

Der einstige Außenseiter erhält Zulauf

Gouverneur Chris Christie aus New Jersey, bis vor ein paar Wochen selbst noch im Bewerberfeld der Republikaner und scharfer Trump-Kritiker, schlug sich auf die Seite des aus Sicht vieler Beobachter unvermeidbaren Donald Trump. "Marco Rubio", rief er einem begeisterten Publikum in Arkansas zu, "Deine Kampagne ist fast zu Ende, Kumpel".

Auch Jeff Sessions, republikanischer Senator des Südstaates Alabama, unterstützt jetzt Trump. Der wird salonfähig, Stück für Stück.

Das Phänomen Donald Trump
tagesschau24 09:00 Uhr, 29.02.2016, Ina Ruck, ARD Washington

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Je mehr Kandidaten, desto besser für Trump

Das Niveau der Auseinandersetzung ist tief gesunken. Politische Programme spielen in diesen entscheidenden Tagen eine geringe Rolle. Persönliche Angriffe zählen. Bleiben fünf Bewerber im Rennen, wird Trump der Kandidat, meinen viele Beobachter des Wahlkampfs. Um die Partei zu retten, müssten mehrere Kandidaten aufgeben.

Aber weder Ben Carson und John Kasich noch Marco Rubio oder Ted Cruz machen Anstalten, aus dem Rennen um die Kandidatur auszusteigen. Cruz, der sich als einzig wahrhafter Konservativer ausgibt, fragt: "Wenn Donald Präsident wird, wer weiß schon, was er dann machen wird? Nicht mal er selbst weiß das doch!"

Das scheint vielen Republikanern nichts auszumachen. Harvard-Professorin Danielle Allen verglich in einem Meinungsbeitrag für "The Washington Post" Trumps Aufstieg mit dem Hitlers in der späten Weimarer Republik. "Donald Trump zu wählen ist in etwa so, als ob Sie Ihr Haus in Ordnung bringen, indem sie es niederbrennen."

Die Sache mit dem Klu-Klux-Klan

David Duke, früherer Chef des rechtsextremen, rassistischen Ku-Klux-Klan, unterstützt den republikanischen Präsidentschaftsbewerber. Es wäre ein "Verrat am eigenen Erbe", wenn sie nicht Trump wählten, sagte Duke in einer Radiosendung.

Ob er sich denn klar von der Unterstützung durch den ehemaligen Großmeister des "Ku Klux Klan" distanzieren wolle, wurde Trump im Nachrichtensender CNN gefragt. Er wisse nichts über David Duke, er wisse nichts über die Verfechter der Weißen Vorherrschaft, antwortete Trump.

Delegiertenstimmen bei Republikaner-Vorwahlen
KandidatBisher gewonnene Delegiertenstimmen
Donald Trump81
Marco Rubio17
Ted Cruz17
John Kasich6
Ben Carson4

Noch mal überlegt

Offenbar aber kennt Trump Duke. Im Jahr 2000, als er sich kurz mit der sogenannten Reformpartei für die Präsidentschaft bewerben wollte, distanzierte er sich noch klar von Duke. Der sei ein Neonazi. Erst Stunden nach seiner schwammigen Aussage am Sonntag, nach Attacken seiner Kontrahenten, meldete Trump knapp: "Ich rücke von der Unterstützung Dukes ab."

Die ungeheuerlichsten Aussagen Trumps scheinen seine Popularität nicht zu schmälern. Die republikanische Partei, die sich viel lieber mit Hillary Clinton anlegen würde, steckt unmittelbar vor vielen entscheidenden Vorwahlen tief in einer Identitätskrise.

Anmerkung der Redaktion: Der Meinungsbeitrag von Harvard-Professorin Danielle Allen ist nicht in der "New York Times" erschienen, wie wir ursprünglich geschrieben haben, sondern in der "Washington Post".

Trump und der rechte Rand - Keine klare Distanzierung vom Ku Klux Klan
A. Horchler, ARD Washington
29.02.2016 09:47 Uhr

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