Donald Trump | Bildquelle: AFP

Extremismus in den USA Rassenhass - durch Trumps Sieg salonfähig?

Stand: 13.11.2016 02:24 Uhr

Rechten Extremismus gab es schon vor der Wahl von Donald Trump. Doch seit der Entscheidung scheinen sich rassistische Vorfälle in den USA zu häufen. Hat Trumps Sieg den Rassenhass wieder salonfähig gemacht?

Von Andreas Horchler, ARD-Studio Washington

Eine Middle School in Royal Oak, Michigan: Die Dreizehn-, Vierzehnjährigen standen in der Schulkantine auf und riefen "Build that wall - baut die Mauer." Das sei ein Horror und so traurig, sagte eine Lehrerin.

Donald Trump hatte im Wahlkampf versprochen, eine Mauer entlang der 3000 Kilometer langen Grenze zu Mexiko zu bauen, um die illegale Immigration in die USA zu verhindern. Der Chor der Trump-Fans hatte stets geantwortet: "Build that wall." Kinder lateinamerikanischer Eltern weinten in Royal Oak, überwältigt von der Hassbotschaft der Jugendlichen.

Studentin mit Kopftuch belästigt

Ortswechsel: In Kalifornien wurde eine Studentin belästigt, die ein Kopftuch trug. Trump hatte im Wahlkampf einen totalen Einreisestopp für Muslime gefordert. Abschieben, einsperren, blockieren, lautet sein Motto.

Der Hass nach der Wahl machte sich auch in der anderen Richtung Luft: In Chicago verprügelten Trump-Gegner einen Wähler des "President Elect" Trump, der am 20. Januar ins Amt eingeführt werden soll. In Oregon schleuderten Anti-Trump-Demonstranten brennende Gegenstände auf die Polizei. Bei einer Demonstration wurde eine Person angeschossen.

Eine Frau demonstriert in Kansas City gegen den künftigen US-Präsidenten Trump (12.11.2016) | Bildquelle: AP
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Seit Tagen gibt es Proteste gegen Trump - so wie hier in Kansas City.

Hakenkreuze auf die Wände gesprüht

Die Tage nach der Wahl bescheren den USA eine hoch angespannte Stimmung. Geht es weiter mit dem liberalen Obama-Amerika, würden Generationen des Terrorismus, Radikalismus und Extremismus in den Schulen Einzug halten, hatte Trump in seinem hasserfüllten Wahlkampf gewarnt. Doch radikal und extrem - das sind jetzt Graffiti in Philadelphia: Hakenkreuze und "Sieg Heil" wurden auf Wände geschmiert.

Rechten Extremismus gab es auch vor der Wahl, vor Trumps Wahlkampf in den USA. Jetzt aber, wenige Tage nach der Entscheidung, scheinen sich rassistische Vorfälle zu häufen.

Ein Afroamerikaner aus Memphis postete einen mit dem Handy aufgenommenen Dialog mit einem erregten weißen Autofahrer auf Facebook. Das N-Wort, Jahrzehnte aus dem amerikanischen Sprachgebrauch gebannt, fällt wie selbstverständlich.

"Schwarze Leben zählen nicht, nur weil ihr das behauptet. Es gibt doch keinen Beweis. Ihr lebt doch alle von der Stütze. Lass mich deine Frage beantworten, Nigger." "Warum nennst du mich so?" "Weil du so aussiehst und so fährst wie ein Nigger."

Kein klares Bekenntnis gegen den Ku-Klux-Klan

Trump hatte sich im Wahlkampf nicht eindeutig gegen die Unterstützung des Ku-Klux-Klan gewandt, mit Steve Bannon holte er sich im Sommer den ehemaligen Chef der rechtskonservativen Breitbart News an die Spitze seines Teams. Die hetzerische Online-Plattform gilt als Sprachrohr der Alt-Right-Bewegung, der jungen Verfechter weißer Vorherrschaft. Dabei handelt es sich um Rassisten, Antisemiten und Homophobe, die in den sozialen Medien Minderheiten angreifen und das als Spaß bezeichnen.

Die Verbindung zu Trump? Es gibt Schmierereien im ganzen Land - "Make America white again" - eine Abwandlung von Trumps Slogan "Make America great again".

Ein weiteres Beispiel: Eine junge Afroamerikanerin wird von einem Mann auf der Straße aufgehalten, mit folgenden Worten: "Keine Nigger auf dem Bürgersteig erlaubt."

Moore ruft zum Widerstand auf

Der oscardekorierte Dokumentarfilmer Michael Moore schrieb nicht nur das Buch "In Trumpland" und sagte den Wahlausgang korrekt vorher. Er fordert jetzt zum Widerstand gegen den gewählten Präsidenten auf:

"77 Prozent der Menschen in diesem Land sind entweder Frauen, Menschen mit anderer Hautfarbe oder junge Erwachsene. Also ist jetzt eine Minderheit, nämlich weiße Männer über 35, verantwortlich. Ich glaube, die Leute haben eine nachvollziehbare Angst."

Moore warnt: Trump habe mit seinem Sieg Rassismus salonfähig gemacht. Er habe die Kräfte gerufen, die schon wenige Tage nach der Wahl ausleben, was in den USA der vergangenen Jahre nicht überwunden, aber zurückgegangen war. Der Hass gegen Menschen, die nicht weiß, nicht protestantisch, nicht heterosexuell sind. 

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 12. November 2016 um 23:15 Uhr.

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