Shell-Bohranlage

Plan der US-Regierung Öl-Bohrungen vor 90 Prozent der US-Küsten?

Stand: 04.01.2018 21:47 Uhr

US-Präsident Trump lässt sich nicht beirren: Trotz Kritik - auch aus der eigenen Partei - will er Öl- und Gasbohrungen auch in bislang geschützten Küstengewässern der USA erlauben. Das Innenministerium legte nun einen entsprechenden Gesetzentwurf vor.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump plant, in fast allen Küstengewässern der USA Öl- und Gasbohrungen zu erlauben. Das Innenministerium legte einen umstrittenen Vorschlag vor, nach dem auch in bislang geschützten Bereichen im Atlantik und der Arktis nach Öl und Gas gebohrt werden kann. Zum ersten Mal seit mehr als drei Jahrzehnten soll auch vor der Küste Kaliforniens im Pazifischen Ozean gebohrt werden. Die Pläne sind aber noch nicht final.

In dem Entwurf schlägt Innenminister Ryan Zinke 47 mögliche Versteigerungen von Bohrrechten in mehr als 90 Prozent der US-Küstengewässer vor. Eine verantwortliche Entwicklung von Offshore-Energievorkommen würde Arbeitsplätze schaffen und die wirtschaftliche Sicherheit erhöhen, so Zinke. Die Regierung verspreche sich von dem Schritt zahlreiche neue Arbeitsplätze. In einem nächsten Schritt will das Innenministerium die Meinung der Öffentlichkeit einholen, bevor die Pläne dann endgültig beschlossen werden sollen.

Kritik aus Florida

Gegen das Vorhaben regt sich massiver Widerstand - auch von republikanischer Seite. Viele der Regierungen der betroffenen Bundesstaaten sind gegen Offshore-Bohrungen an ihren Küsten. Auch von Floridas republikanischem Gouverneur Rick Scott kam Kritik. Es sei seine oberste Priorität, Floridas Natur zu schützen, betonte Scott. Er habe um ein Treffen mit Innenminister Zinke gebeten.

Bei dem nun vorgelegten Gesetzentwurf handelt sich um den weitreichendsten Vorschlag zu Offshore-Bohrungen seit Jahrzehnten. Er ist eine Reaktion auf eine Exekutivanordnung Trumps im April, in der er zur Ausweitung der Bohrrechte in Gewässern des Bundes aufgerufen hatte. Als Ziel gab Trump vor, eine "Energie-Dominanz" auf dem Weltmarkt zu erreichen.

Umweltbündnis gegen Gesetzentwurf

Ein Bündnis von 60 Umweltgruppen lehnte den Plan in einer gemeinsamen Erklärung ab. Damit würden US-Küsten in schwerer und inakzeptabler Art und Weise geschädigt. "Die Ozeangewässer sind nicht Präsident Trumps persönlicher Spielplatz", hieß es weiter. "Sie gehören allen Amerikanern und die Öffentlichkeit will, dass sie erhalten und geschützt werden - und nicht an multinationale Ölfirmen verkauft werden."

Erst vor einer Woche hatte Trumps Regierung vorgeschlagen, nach der Ölkatastrophe 2010 im Golf von Mexiko erlassene strenge Vorschriften für Offshore-Bohrungen umzuschreiben oder ganz abzuschaffen. Die Sicherheitsauflagen seien eine unnötige Bürde für die Industrie und ihre Lockerung würde zu mehr Energieproduktion führen, erklärte die Regierung.

Trump-Regierung will Ölbohrungen vor US-Küsten ausweiten
Martin Ganslmeier, ARD Washington
05.01.2018 07:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Januar 2018 um 23:00 Uhr in den Nachrichten.

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