Bericht über das geplante Treffen Trump/Kim im südkoreanischen TV | Bildquelle: AFP

Annäherung in Korea Die USA wollen mitbestimmen

Stand: 28.04.2018 11:21 Uhr

US-Präsident Trump sieht sich als Wegbereiter für die Annäherung beim Korea-Gipfel. Vorerst bleibt er beim harten Kurs gegen Nordkorea.

Von Marc Hoffmann, ARD-Studio Washington

Tauwetter im Atomkonflikt: Nord- und Südkorea nähern sich an. US-Präsident Donald Trump verbucht das auch als seinen persönlichen Erfolg. Dass der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un nun verspricht, nuklear abzurüsten nehme er sehr ernst. "Nein, ich glaube nicht, dass er spielt, wir waren noch nie so weit", reagierte Trump beinahe euphorisch auf den historischen Gipfel.

Bundeskanzlerin Merkel und US-Präsident Trump auf einer Pressekonferenz in Washington. | Bildquelle: AP
galerie

Kanzlerin Merkel lobte US-Präsident Trump für sein konsequentes Vorgehen gegen Nordkorea.

Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte während ihres Kurzbesuches in Washington den US-Präsidenten. Er habe durchaus einen Anteil daran, dass der nordkoreanische Machthaber sich nun bewege: Die Stärke, mit der Trump darauf gesetzt habe, dass die Sanktion gegen Nordkorea auch wirklich eingehalten werden, habe Erfolge gezeitigt und erste Möglichkeiten eröffnet.

Nach dem Gipfel - wie es weitergeht

Von Kathrin Erdmann, NDR, zzt. Seoul

In den nächsten Wochen wird Südkoreas Präsident Moon nach Washington zu seinem Kollegen Trump reisen, um ihn auf dessen Treffen mit Kim Jong Un Ende Mai oder Anfang Juni vorzubereiten. Dabei wird es zunächst um die künftigen Friedensverhandlungen zwischen den beiden Koreas gehen, die nach dem Wunsch Moons und Kims bis Ende des Jahres abgeschlossen sein sollen. US-Präsident Trump hatte bereits seine Zustimmung signalisiert, doch müssen bis dahin noch zahlreiche Details geklärt werden.
Zweites Thema wird das Vorhaben einer kompletten Abrüstung in Korea sein. Die gestrige Vereinbarung hatte nur das Ziel ausgeben, aber Spielraum für Interpretationen gelassen. Südkoreas Präsident Moon muss auch klären, ob die USA ihrerseits ebenfalls zum Truppenabzug bereit wären. Derzeit sind noch rund 30.000 Soldaten in Südkorea stationiert. Bislang gelten die USA als Schutzmacht Südkoreas.

Ein Friedensvertrag scheint greifbarer. Dieser soll das Waffenstillstandsabkommen ersetzen, das seit dem Ende des Korea-Krieges vor 65 Jahren gilt. Beide Seiten streben an, sich noch in diesem Jahr zu einigen. Die USA wollen dabei ein Wörtchen mitreden.

Am Donnerstag veröffentlichte die US-Regierung Fotos, wie der inzwischen vereidigte neue US-Außenminister Mike Pompeo dem nordkoreanischen Diktator die Hand schüttelt. Beide hatten sich am Osterwochenende in Pjöngjang getroffen, wovon die amerikanische Öffentlichkeit erst sehr viel später erfuhr. Pompeo sollte den Weg ebnen für ein historisches Aufeinandertreffen zwischen Trump und Kim Jong Un Ende Mai oder Anfang Juni.

Pompeo und Kim  beim Handschlag in Nordkorea | Bildquelle: AP
galerie

Geheimtreffen in Pjöngjang: Pompeo und Kim

USA üben weiter Druck gegen Nordkorea aus

Beim NATO-Treffen in Brüssel formulierte Pompeo allerdings deutlich, was die USA erwarten: "Wir verlangen, dass alle Waffen des nordkoreanischen Massenvernichtungsprogramms dauerhaft, nachweislich und unwiderruflich zerstört werden - ohne Verzögerung. Solange wird die globale Kampagne des maximalen Drucks aufrechterhalten."

Tatsächlich gibt es noch keine konkreten Zusagen wie und wann Kim sein Atomwaffenarsenal aufgeben wird. US-amerikanische Beobachter bleiben daher skeptisch. Auch Victor Cha von der Washingtoner Denkfabrik Center for Strategic and International Studies will den Tag nicht vor dem Abend loben: "Es gibt eine Menge Fragen, ob zum Beispiel 'Denuklearisierung' für Nord- und Südkorea dasselbe bedeutet", sagte Cha im Fernsehsender PBS. "Es gibt große Bedenken, dass Nordkorea unter dem Begriff heute etwas anderes versteht, als das, was sie einmal 2005 und 1992 versprochen hatten."

Bei allem Optimismus mahnt er abzuwarten. Machthaber Kim müsse nun vorlegen.

Tauwetter in Korea
Marc Hoffmann, ARD Washington
28.04.2018 10:26 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. April 2018 um 06:12 Uhr.

Darstellung: